Landesflagge Lena in Island

Akureyri


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Hæ hæ!
Schön, dass ihr mal wieder vorbeischaut! Ich habe nämlich schon wieder einiges zu erzählen.
Wo fange ich am besten an? Meine Schulwoche war eigentlich mal wieder ganz normal. Der Prüfungsplan hängt jetzt aus und in zwei Wochen geht es dann so richtig mit den „lokapróf“ / Abschlussprüfungen los. Glücklicherweise habe ich nur vier Prüfungen und zwar Isländisch, Mathe, Französisch und Sport. Wir haben jetzt noch zwei ganz normale Schulwochen und in den beiden darauffolgenden Wochen sind dann nur die Prüfungen, also hat man frei an den Tagen, an denen man keine Prüfung hat. Allerdings haben wir bis zu den Prüfungen auch noch ganz schön Lernstress, weil wir in den nächsten beiden Wochen noch viele kleinere Tests schreiben in den Fächern, in denen wir keinen großen Abschlusstest haben. Das heißt, dass ich nächste Woche voraussichtlich vier Englischtests, einen Mathe- und einen Französischtest haben werde *schwitz*. Für zwei der Englischtests müssen wir auch noch eine Lektüre lesen, die eigentlich ganz spannend ist, aber ich habe natürlich mal wieder zu spät mit dem Lesen angefangen und bin jetzt in ziemlichem Zeitdruck. Am Donnerstag haben Lara, Marte und ich unseren theoretischen Kunsttest (eher schlecht als recht) hinter uns gebracht (wir sind in der gleichen Gruppe).
Donnerstag Abend war ein großes Event an unserer Schule und zwar „söngkeppni“ / Singwettbewerb. Wir haben hier so einen Schülerverband, der solche Veranstaltungen organisiert (auch die Schulbälle). Der söngkeppni ist landesweit, aber an diesem Abend war es nur innerhalb der FSU. Genau eine Woche vorher war ein kleinerer söngkeppni für den Zweig der körperbehinderten Schüler. Die haben es sogar ins Fernsehen geschafft (Eigentlich ist das gar nicht so schwer. Hier kommt fast jede Aktion ins Fernsehen, ist ja so ein kleines Land). Also haben Marte und ich uns um sieben Uhr mit Lara getroffen und uns einen Platz gesucht. Wir waren ziemlich spät und saßen deshalb ziemlich weit hinten. Als Austauschschüler haben wir immer das Privileg bei schulischen Veranstaltungen nie Eintritt bezahlen zu müssen. Wir waren sehr überrascht, was für eine große Veranstaltung das war. Die ganze Sporthalle war voller Schüler. Es war wirklich ein unterhaltsamer Abend. Zwischen den Auftritten der Kandidaten, die gesungen haben, waren immer wieder irgendwelche kleinen Sketche zur Auflockerung. Manche der Teilnehmer hatten richtiges Talent, aber die meisten waren auch im Chor. Eine Jury und auch die Zuschauer (per Telefon) haben die Gewinner gewählt.



Am Freitag war „dagur íslenskrar tungu“ / „Tag der isländischen Sprache“. Zu diesem Anlass hat unser Schulchor in der Pause gesungen und es ist - glaube ich - eine Gruppe Kindergartenkinder gekommen, die auch gesungen haben. Ab Freitag Nachmittag wurde es dann mal wieder sehr spannend. Sigga, Baldur, Dagbjört, Joe, die ganzen Kids (außer Helga Guðrún, die dieses Wochenende mit Brynja, einer von Siggas Babysittern, verbracht hat), Marte und ich sind in den Norden gefahren. Wir haben für das Wochenende eine kleine Ferienwohnung in Akureyri gemietet. Akureyri ist im Norden Islands und ist nach Reykjavík die zweitgrößte Stadt Islands. Die Fahrt dauerte sechs Stunden und um noch bei Tageslicht fahren zu können, mussten Marte und ich unsere letzten beiden Schulstunden schwänzen. Naja, schwänzen kann man das hier ja eigentlich gar nicht nennen, weil es ja sogar legal ist. Man darf, abhängig vom Kurs, zwischen 2 und 5 Stunden unentschuldigt fehlen. Natürlich wirkt sich das nicht gut auf die Gesamtnote aus, aber wie sagen wir hier so schön „Who cares?“
Als wir unser Gepäck im Auto verladen und Helga Guðrún untergebracht hatten sind wir dann circa gegen ein Uhr mittags losgefahren. In Hveragerði haben wir Dagbjört getroffen und dann ging es los. Wir sind mit zwei Autos gefahren, haben die Verbindung aber immer per Walkie Talkie aufrecht erhalten. Wir sind auf der Ringstraße oder „Straße Nummer Eins“ (vielleicht auch die einzige wirkliche =) gefahren. Das ist die Straße, die um ganz Island herum führt und so ziemlich die einzige Straße, die das ganze Jahr über befahrbar ist. (Die Straßen im Landesinneren sind im Winter oft sehr gefährlich). Die Fahrt war trotz der Länge unheimlich spannend, weil wir eine Menge von Island gesehen haben, schließlich sind wir ja halb um die Insel gefahren. Mir ist mal wieder aufgefallen wie klein Island eigentlich ist. Kaum vorstellbar, dass es ein eigenes unabhängiges Land ist. Islands Landschaft fasziniert mich jedesmal von neuem, ich könnte euch davon stundenlang vorschwärmen. Überall sind diese rießigen Felsen und man hat eine unheimlich weite Sicht. Manche Gegenden sind vollkommen mit dickem weichen Moos bedeckt. Und zwischendrin sind immer wieder einzelne Famen zu sehen. Ich bin mit dem Gedanken nach Island gekommen, dass auf jedem kleinen Fleckchen Grün Schafe sind. Da habe ich mich gewaltig getäuscht. Man sieht nicht mal ansatzweise so viele Schafe wie ich mir vorgestellt habe. Nur bei manchen Farmen sieht man mal ein paar dicke knuddelige Schäfchen grasen. Die Schafe laufen hier im  Gänsemarsch hintereinander her. Machen das die mitteleuropäischen Schafe auch? Ich habe es jedenfalls noch nie gesehen. Das ist total süß!  Was hier viel mehr zu sehen ist sind die Islandponys. Besonders in der Gegend von Akureyri waren sehr viele davon. Die Fahrt ging also ständig Berg rauf, Berg runter, was bedeutet, dass ich ständig neu einen Druck auf den Ohren bekommen habe. Ziemlich am Anfang der Strecke, ein Stück nach Reykjavík, sind wir in einem 6,7 Kilometer langem Tunnel unter dem Meer durch gefahren. Ich bin, glaube ich, noch nie durch so einen langen Tunnel gefahren und war sehr froh, wieder Tageslicht zu sehen. Einmal sind wir in eine Gegend gekommen, in der es so neblig war, dass wir links und rechts neben der Straße gar nichts mehr gesehen haben. Allgemein sah die Landschaft an diesem Tag sehr mystisch aus mit den dicken Nebelschwaden, die die Berge umhüllten. Wir haben noch einiges mehr gesehen (mir fällt jetzt leider nicht mehr alles ein) unter anderem die kleinste Stadt Islands mit knapp 100 Einwohnern. Es ist dann doch wieder ziemlich schnell dunkel geworden und es war ein gigantischer Augenblick, endlich die vielen Lichter von Akureyri zu erblicken. Marte und ich waren fast geschockt, weil Akureyri, die große und bekannte Stadt, doch nur so winzig ist. Aber Akureyri hat nur 17000 Einwohner und ist für unsere Verhältnisse eine Kleinstadt. Unsere Wohnung war total winzig, aber ziemlich gemütlich in einem der vielen Wohnblocks im vierten Stock. Wir haben unser Gepäck abgeladen und uns auf die Suche nach einem geeigneten Ort zum Abendessen gemacht. So sind wir also durch Akureyri gefahren und haben uns per Walkie Talkie beraten, wo wir am besten hingehen sollten. Letztendlich haben wir uns auf eine Pizzeria geeinigt. Ich war mal wieder total von der Kinderfreundlichkeit dieses Landes überrascht. In dem Restaurant gab es -wie in vielen anderen auch- ein extra Spielzimmer für Kinder mit einem großen Aquarium mit kleinen Nemos und einem fetten faulen Frosch drin (der war natürlich die Attraktion schlechthin für unsere Mädels). Hier ist in eigentlich jedem öffentlichen Gebäude (also Banken, Krankenhäuser...) eine Spielecke für Kinder. Neben dem Restaurant war eine große (oder wahrscheinlich sogar die größte) Kirche auf einem kleinen Hügel. Wir sind spaßeshalber die Treppen rauf und runter gerannt, um die Stufen zu zählen, haben letztendlich aber aufgegeben, weil jeder auf ein anderes Ergebnis gekommen ist. Jedenfalls waren es über hundert. Zurück in unserer Wohnung waren wir noch ein bisschen zusammen gesessen und vor allem mussten wir das Problem mit den Schlafplätzen lösen. Wir waren nämlich 10 Leute, hatten aber nur 4 Betten, also haben wir gestapelt ;) Nein, letztendlich haben die ganz Kleinen im „Gräberle“ geschlafen und Linda, Vigdis, Marte und ich im Wohnzimmer auf Matratzen und Sofa. Wir waren schon sehr auf Samstag gespannt, da der Wetterbericht für Akureyri Tornado und Schneesturm gemeldet hatte. Davon haben wir uns natürlich nicht abschrecken lassen. Das Wetter ist im Norden Islands meistens ein bisschen rauer und kälter als im Süden, wo der warme Golfstrom vorbeifliest.

Ein Blick aus unserer Wohnung bei Sonnenaufgang


Schnee am Sonntag

Tatsächlich hat der Wind am Samstag ziemlich getobt und es hat auch einiges geschneit, aber unsere Befürchtungen, dass wir uns womöglich aus unserer Ferienwohnung rausschaufeln müssen, haben sich dann doch nicht bestätigt. =) Nach einem ausgiebigen Frühstück haben Sigga, Baldur, Vigdis und Jónína eine Tante von Sigga besucht, die in Akureyri lebt. Wir (Dagbjört, Joe, Marte, Linda, Margrét und ich) sind ein bisschen durch die Landschaft gefahren und haben uns alles mögliche angeschaut: Akureyri's Skipiste (sie ist wirklich kleiner, als ihr euch das jetzt vielleicht vorstellt), ein Gelände, in dem  Off-road-driving-competitions (no German word available) stattfinden, ein kleines Einkaufszentrum, das schon total weihnachtlich dekoriert war.


eine alte traditionelle isländische Kirche

und noch eine Kirche.
Man sieht selten eine Kirche dieser Größe in Island
Und dann sind wir an einem kleinen Ort vorbeigekommen, der doch tatsächlich übersetzt „Sch... Stadt“ heißt (ich glaube es gibt aber noch eine alternative Übersetzungsmöglichkeit).
Nachmittags haben wir uns wieder alle getroffen und sind zusammen ins „jólahús“ / „Weihnachtshaus“ gegangen. (Das war eigentlich auch der Hauptgrund, warum wir nach Akureyri gefahren sind). Ich habe mir unter dem Namen natürlich einen großen Weihnachtsmarkt vorgestellt, aber da habe ich mich gewaltig getäuscht. „Jólahús“ ist ein ganz winziges Häuschen. Es sieht so richtig Lebkuchenhaus-mäßig aus. Innen ist es sehr eng und es ist von oben bis unten mit ganz vielen Weihnachtssachen vollgestopft. Man kann sich kaum bewegen, ohne alles mögliche anzustoßen. Obwohl es so klein ist, habe ich glaube ich noch nie so viele Weihnachtssachen auf einmal gesehen. Man ist so richtig in Weihnachtsstimmung gekommen mit dem warmen Feuer im Kamin und der ganzen Dekoration und den vielen Süßigkeiten. Hier ein paar Bilder:

Jólahús

Die Aufschrift auf dem Schild bedeutet:
"37 Tage bis Weihnachten"


in dem Turm ist ->

Das sind kleine Männchen aus bemalten Steinen mit Isländerpulli =)




und so sah es innen aus ->
ein kleines Modell einer alten isländischen Kirche
Danach sind wir noch ein bisschen durch die Gegend gefahren. In einer Wiese neben der Straße haben wir auf einmal einen riesigen Vogelschwarm gesehen. Ich weiß leider nicht wie die Vogelart auf deutsch heißt. (isländisch: rúpa; das sind so kleine weiße oder braune Vögel, die am Fuß der Berge leben). Es waren mindestens 200 Vögel, einfach gigantisch!!
Am Sonntag wurde es noch winterlicher. Es hatte gar nicht so viel geschneit, wie erwartet, aber es war eisig kalt, den ganzen Tag lang minus zehn Grad.
Wir haben unsere Sachen gepackt und den langen Heimweg angetreten. Natürlich haben wir viel länger gebraucht als sechs Stunden, weil wir ständig angehalten haben um entweder Fotos zu machen oder zu essen (was sonst? =) Es gab natürlich wieder viele interessante Dinge zu sehen, unter anderem sind wir den längsten Berghang Islands heruntergefahren.

Als wir dann endlich in Kirkjuferja angekommen sind, haben wir noch gemeinsam „pylsu með öllu“ (für die, die es noch nicht wissen: das bedeutet Hot Dog) gegessen und die Pferde gefüttert.

Und das war's für heute! Fortsetzung folgt! =)
Liebe Grüße aus dem kalten Norden!
   
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