Landesflagge Lena in Island

1000 Jahre altes Wasser



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Hallo Ihr! 

Ich kann es kaum glauben. Die Zeit vergeht gerade so schnell, dass ich gar nicht mehr mitkomme. Da habe ich gedacht es wäre noch nicht lange her, dass ich für meine Homepage geschrieben habe und jetzt auf einmal ist schon der ganze April vorbei und es gibt schon wieder was zu erzählen. Also, was habe ich im April auf der Insel getrieben?

Die Woche nach dem AFS Wochenende habe ich erst einmal dazu genutzt um das ganze Gesehene zu verarbeiten. Am Samstag danach ging es gleich schon wieder auf Tour. Meine Gasteltern haben sich mit mir auf den Weg gemacht, die Halbinsel Reykjanes zu erkunden. Baldur's Familie und Marte waren auch dabei. Wir waren den ganzen Tag unterwegs und haben sehr viel gesehen.


Lena am Meer, das Gelbe im Hintergrund ist ein Leuchtturm

Es sieht aus wie Sand, aber es ist Vulkangestein. Meine Mutter hat fast einen Lachanfall bekommen, als ich es angefasst habe und kaum glauben konnte, dass es wirklich so hart ist und dass das alles aus den Vulkanen kommt. Die Lavafelder sind ja so groß. Ich kann mir kaum vorstellen, wie das alles aus der Erde kommen soll, einfach unglaublich.

Am Strand


Ein Seelöwe
Die Statue stellt einen Engel dar und wurde errichtet als Erinnerung an das Wunder von Engilsvík. Damals war ein Seefahrer in einem Sturm mit seinem Schiff in Seenot und er sah einen Engel. Zu diesem sagte er, er würde eine Kirche errichten lassen, wenn der Engel ihm zeigte, wie er sicher an Land komme. An diesem Ort steht jetzt Strandarkirkja („Strandkirche“, Bild oben).

Marte, ich, Vigdís und Jónína

Ein tiefblauer See (naja gut, auf dem Foto ist er nicht ganz so blau wie in der Realität)

Eine Schlucht, die von Vulkanausbrüchen geformt wurde. Da ging es einige Meter runter.

Ein Lavafeld; am Horizont ist das Meer zu sehen

Ein großer See
Schaut euch diese gigantischen Spiegelungen an!!

Verschiedenste Arten des bekannten isländischen Mooses

Bei Krýsuvík gab es heiße Quellen zu sehen.

und da sind sie schon...

Das ist Krýsuvíkurkirkja, eine der vielen kleinen Kirchen, die irgendwo in der Mitte von Nirgends stehen. =)

Dann wurde es wieder mal ein bisschen „trolliger“...

Die kleinen Steinhäufchen bzw. Trolle werden von den vorbeikommenden Touristen gebaut. Wir haben natürlich auch einen hinterlassen.

Nach einem Picknick zu Mittag sind wir nach Grindavík gefahren, wo wir ein Salzfisch-Museum besucht haben. Im 19. Jahrhundert gab es hier eine große Salzfisch-Industrie. Der Fisch wurde in Salz eingelegt und getrocknet. Salzfisch wurde in großen Mengen vor allem nach Spanien exportiert.

Ein Leuchtturm. Im Hintergrund wird Strom durch Erdwärme erzeugt, daher die Dampfwolken

An diesen Gestellen wird Fisch getrocknet. Der Geruch war eindeutig =)
Und dann nahm unser Ausflug größere Dimensionen an. Wir liefen nach Amerika. Island liegt sowohl auf der nordamerikanischen als auch auf der eurasischen Kontinentalplatte. Die Bewegungen dieser Kontinentalplatten verursachen die vielen Vulkanausbrüche und Erdbeben und führen dazu, dass die Insel jährlich um ca. 2 cm wächst. Wie bei Þingvellir ist auch am westlichen Ende von Reykjanes der Spalt zwischen den Kontinentalplatten deutlich sichtbar und man kann symbolisch über eine Brücke „nach Amerika laufen“.


Auf dem Schild steht „Die Mitte – Brücke zwischen zwei Kontinenten – In den Fußstapfen der Götter“

Ein Fischerboot kommt in den Hafen.

Hvalsneskirkja

Leuchtturm bei Garður

Wir haben in Keflavík (auch Reykjanesbær genannt) zu Abend gegessen. Dort ist Reykjavíks Flughafen. Mir ist schnell aufgefallen, dass das Städtchen irgendwie eine andere Atmosphäre hat. Das liegt daran, dass Keflavík sehr amerikanisch geprägt ist, weil bis im letzten Jahr amerikanisches Heer hier stationiert war. Island hat keine eigenen Soldaten. 


Das ist der „Islendingur“ / „Isländer“, ein Schiff, dass genauso gebaut wurde, wie die damaligen Wikingerschiffe. Im Jahre 2000 sind einige Isländer spaßeshalber damit nach Amerika gesegelt anlässlich der 1000 jährigen Besiedlung Vinlands (Amerikas) durch den Isländer Leif Eriksson.
In unserer Schule war auch wieder einiges los. Es wurden Schüler für alle möglichen Aufgaben gewählt, wie zum Beispiel das Team für die Schülerzeitung, Schüler, die irgendwas beim Sportprogramm der Schule mitzureden haben, die Schüler, die die Schulbälle organisieren und so weiter. Der „Wahlkampf“ dauerte eine gute Woche und da war richtig was los. Überall hingen bunte Plakate und die Kandidaten mussten sogar Reden halten. Wählen dürfen nur die Mitglieder der NFSu, das ist sozusagen die Schülermitverwaltung der FSu. Die Mitgliedschaft kostet was, aber man bekommt dafür bei allen möglichen Veranstaltungen Ermäßigungen.
Außerdem hatten wir hier eine Umweltwoche. In dieser Woche wurde versucht, die Schüler auf Mülltrennung und ähnliches aufmerksam zu machen. Anstelle von Sportunterricht haben wir also Müll gesammelt und Kaugummis von der Straße gekratzt. Auf Umweltschutz wird hier nur sehr wenig Wert gelegt. Mülltrennung kennen die Leute hier kaum. Wenn man einkaufen geht, lässt man meistens den Motor des Autos laufen und auch sonst wird jede noch so kurze Strecke mit dem Auto zurückgelegt. 

Wir waren auf einer weiteren Konfirmation eingeladen und meine Gastmutter hat mit mir diesmal auch den Gottesdienst besucht, der in der Kotstrandarkirkja gehalten wurde. Es waren fünf Konfirmanden und Konfirmandinnen in Ölfus (die Gegend um den Fluss Ölfusá), was eher eine große Zahl ist. Der Gottesdienst war schön, aber nicht so feierlich wie Konfirmationsgottesdienste in Deutschland.

Wir Austauschschüler an der FSu machten noch einmal einen Ausflug zusammen mit einer Gruppe von Austauschschülern der Fjölbrautaskóla in Keflavík. Wir fuhren nach Reykjavík, wo wir die Gruppe trafen, und dann ging es auf nach Hvanneyri. Wir besichtigten einen Pferdestall, einen Kuhstall und einen Schafstall der Landbunaðarháskóla Íslands (Landwirtschaftsschule). In Borgafjörður sahen wir uns die unter Naturschutz stehende Thermalquelle Deildartunguhver an, die als die ergiebigste Thermalquelle der Welt gilt mit durchschnittlich 180 Litern pro Sekunde und 100°C heißem Wasser. Es wird vermutet, dass das Wasser, das heute aus der Quelle kommt, vor ungefähr 1000 Jahren als Niederschlag auf das Hochlandplateau gefallen ist. Die Quelle wird schon seit langem zur Gebäudebeheizung genutzt und die 74 km lange Versorgungsleitung, die damit die längste ihrer Art in der Welt ist, führt unter anderem nach Akranes und Borganes, wo die Wassertemperatur trotz wetterbedingter Abkühlung noch um die 70°C beträgt. 

Die Versorgungsleitung

Hier kocht es....
Dann hatten wir erst einmal eine Buspanne, weil ein Vorderrad des Busses in einer frisch angelegten Straße in den nassen Kies eingesunken ist. Als der Schaden behoben war, machten wir uns auf den Weg nach Reykholt in ein sehr interessantes Museum über Snorri Sturlusson und das Leben zu seiner Zeit. Snorri ist einer der bekanntesten Schriftsteller in Island. Er hat die großen Geschichtsbücher, die Snorra-Edda verfasst. 

„Snorris Bad“ ist ein Beispiel dafür wie die geothermale Wärme schon zu mittelalterlichen Zeiten verwendet wurde.
Am 24. April war hier Feiertag und zwar „Sumardagur fyrstur“. Der „erste Sommertag“ wird hier richtig gefeiert. Die Isländer freuen sich auf den Sommer. Als Sommer werden hier eigentlich nur die Monate Juni und Juli bezeichnet, in denen es um die 20 Grad hat. Sogar der „letzte Wintertag“ ist hier auf dem Kalender gekennzeichnet. Am ersten Sommertag wünscht man sich „Gleðileg sumar“, einen fröhlichen Sommer. Am gleichen Tag hatte Jónína (die Kleine, Baldurs Tochter) Geburtstag und wurde sechs Jahre alt.
 
Das Wetter war im April auch sehr vielversprechend. Wir hatten noch einmal ein paar Tage Schnee, was hoffentlich und höchstwahrscheinlich der letzte war. Schnee habe ich hier mittlerweile genug gesehen. Ansonsten scheint die Sonne sehr viel und es wird immer heller. Meistens ist es von fünf Uhr morgens bis um elf abends hell. Man kann richtig zuschauen wie die Sonne von Tag zu Tag länger am Himmel bleibt. Wir sind deshalb natürlich auch mehr draußen. Vor einigen Tagen haben wir den Garten inspiziert und geschaut, welche Bäume vom Sturm abgebrochen sind und was alles so gemacht werden muss. Was hier als „Bäume“ bezeichnet wird, würden wir Deutschen wohl eher als „Weiden“ betrachten, glaube ich. Wir haben den großen Weihnachtsbaum zu Brennholz geschnitten. Die Natur erwacht. An den Bäumen entfalten sich Knospen und das verdorrte gelbe Gras bekommt langsam wieder seine saftige grüne Farbe. Das Land verwandelt sich richtig. Frühlingsblumen gibt es hier allerdings nur wenige. Aber der Frühling kommt endlich langsam. An manchen Tagen haben wir sogar bis zu 13°C, was hier schon ziemlich viel ist, und die Isländer fangen an sich über „die Hitze“ zu beklagen. =)

AFS hat an einem Samstag eine Reittour gemacht. Da der Stall ziemlich in der Nähe war und Marte und ich keine Lust hatten für irgendwelche lahmen Pferde eine Menge Geld zu bezahlen, sind wir auf den farmeigenen Pferden hingeritten. Es war zwar sehr windig, aber die Sonne hat geschienen und nach einigem Hin und Her haben wir sogar den richtigen Stall gefunden und den Rest der Gruppe getroffen. Die Reittour an sich war eher ziemlich langweilig, weil die Pferde faul im Gänsemarsch hintereinander hergetrottet sind und ein Großteil der Gruppe noch nie vorher auf einem Pferd saß. Außerdem waren die Pferde extrem fett und sahen gar nicht gut aus. Glücklich sind die bestimmt auch nicht. Sie werden so sehr gefüttert, dass sie faul sind und nur langsam laufen. Muskeln haben sie auch nur wenige, weil die meisten Gruppen, die zum Reiten kommen, aus Touristen bestehen, die keine Ahnung vom Reiten haben. Noch dazu stehen die Pferde fertig gesattelt den ganzen Tag in der Sonne. Danach gingen wir noch zusammen  in Hveragerði ins Schwimmbad, um den Pferdegeruch wieder los zu werden. Baldur hat unsere Pferde mit dem Anhänger abgeholt.

Mit dem April geht auch mein Schuljahr hier auf Island zu Ende. Kaum zu glauben, aber wir haben ab Mai Sommerferien (da fehlt jetzt nur noch der Sommer =). Erst mal kommen aber noch die Prüfungen Anfang Mai. In den Ferien werde ich sicher noch einiges erleben. Auf einer isländischen Farm ist irgendwie immer was los.

Dann erstmal viele Grüße aus Island!!
 
       
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