Landesflagge Lena in Island

Elfen, Trolle und Europas größter Gletscher



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Ein weihnachtlicher Gruß ins ferne Deutschland!

Gerade ist Freitag Abend, der Freitag vor Weihnachten, und ich habe trotz all den umfangreichen Weihnachtsvorbereitungen nicht ganz vergessen euch zu schreiben, was ich hier so erlebe.

Weihnachtsvorbereitungen ist auch schon das absolute Stichwort. Obwohl die meisten Isländer ja schon seit Mitte Oktober ständig von Weihnachten reden, haben wir jetzt so richtig losgelegt. Wir haben viele verschiedene Sorten „smákökur“ (Plätzchen) und einen isländischen Weihnachtskuchen (vier Schichten dunkelbrauner Kuchen mit pabbsüßer Creme dazwischen) gebacken, einen großen Hausputz abgehalten, das ganze Haus weihnachtlich dekoriert..... Mein Gastvater bastelt alle paar Tage an unserer Weihnachtsbeleuchtung rum, was dazu führt, dass ständig die Sicherung ausfällt =)
Außerdem haben wir alle Weihnachtskarten gebastelt, geschrieben und verschickt. Hier schreibt eigentlich jeder Unmengen an Weihnachtskarten und die Karten, die man selbst bekommt, werden alle in einer Tasche für Weihnachtspost, die an der Wand hängt, gesammelt und an Weihnachten nach den Geschenken geöffnet.
Man hört jetzt auch überall Weihnachtsmusik, isländische Weihnachtsmusik. Hier gibt es kaum englische Lieder, die werden alle ins isländische übersetzt. Auf diese Weise klingt sogar „Last Christmas“ halbwegs okay =) 



Beim Backen und Fotalben anschauen
Es sind jetzt auch schon fast alle dreizehn Weihnachtsmänner gekommen. Die Kinder hier stellen einen der Schuhe, die sie an Weihnachten anziehen, ins Fenster und jede Nacht ab dem 13. Dezember kommt dann einer der Weihnachtsmänner. Die isländischen Weihnachtsmänner sehen ähnlich aus wie kleine Wichtel oder Zwerge mit einer dunkelroten Mütze auf dem Kopf (also die traditionellen, natürlich hat sich hier mittlerweile auch der typisch rot-weiße Weihnachtsmann durchgesetzt).

Das Weihnachtsgeschenke einkaufen ist auch so ein großes Ding. Die Leute hier in der Gegend fahren dazu nach Reykjavík. Wir haben uns auch einen ganzen Tag lang durch sämtliche überfüllte Läden gedrängelt. Neben Laugarveginn, der großen Einkaufsstraße in Reykjavík gibt es noch zwei riesige Einkaufszentren: Kringlan und Smáralind. So richtig zum verloren gehen =)

Da wir jetzt Ferien haben (Die sind insgesamt vier Wochen lang, zwei Wochen vor und zwei Wochen nach Weihnachten), haben Marte und ich auch wieder sehr viel Zeit mit den Pferden verbracht. Das Reiten klappt schon ganz gut. Baldur hat mir Übungen erklärt, die ich im Gatter machen kann, also um zu lernen das Pferd zu lenken  und nicht aus dem Sattel zu fallen. Ich lerne total viel einfach durch ausprobieren. Das dümmste, was mir bis jetzt passiert ist, ist, dass ich beim Ausmisten versucht habe einem ungezähmten Hengst ein Zaumzeug aufzusetzen. Außerdem habe ich es geschafft zu vergessen den Sattel so richtig festzumachen, so dass er gerutscht ist, als ich versucht habe aufs Pferd zu steigen. Noch dazu war ich mit meinem Fuss zu weit im Steigbügel. Also bin ich genau vor Fálkis Vorderfüsse in den Dreck gefallen (Mein Schneeanzug ist jetzt mehr braun als blau =) Der gutmütige Fálki ist glücklicherweise einfach regungslos stehen geblieben. Ich habe wirklich mehr Glück als Verstand, aber es macht unheimlich viel Spaß mit den Pferden zusammen zu sein und ich kann den Tag gar nicht erwarten, wenn ich endlich so richtig mit Marte ausreiten darf, aber da muss ich mich schon noch ein wenig gedulden.

Am letzten Samstag, also eine Woche vor Weihnachten, sind wir alle zusammen in den Wald gegangen um einen schönen Weihnachtsbaum auszusuchen. Ich habe bewusst „den“ Wald geschrieben, weil es mir so scheint, als gäbe es gar keine richtigen natürlichen Wälder in Island. Hier geht der Witz um: „Wenn du in einem Wald in Island verloren bist, dann stehe einfach auf!“ (an dieser Stelle bitte lachen =)
Dieser Wald war jedenfalls extra angelegt für Weihnachtsbäume. Meine Gastmutter war nicht dabei, was dazu geführt hat, dass mein Pabbi, Finnur und ich einen sehr großen Weihnachtsbaum ausgesucht haben (sie wollte nur einen kleinen, aber wir wollten einen großen) =)
Es hat total Spaß gemacht zusammen durch den „Wald“ zu laufen und sich den schönsten Weihnachtsbaum auszusuchen. Sigga hat alles per Videokamera festgehalten. Schließlich haben wir uns dann geeinigt und ich durfte unseren Weihnachtsbaum fällen. Naja,...ich muss zugeben, dass Baldur mir zum Schluss ein bisschen geholfen hat.  =)
Danach gab es Piparkökur und warmen Kaffee, der in einem Kessel über einem Lagerfeuer gewärmt wurde, bis es angefangen hat dicke weiße Körner zu hageln.


Am Sonntag waren wir in einem Museum in Stokkseyri namens „Isländische Wunder - Elfen, Trolle und Nordlichter“. Dort haben wir uns unter anderem mit einem lebendigen Troll (!) unterhalten, eine Elfenkirche gesehen und in einem gekühlten Raum waren große Eiswürfel von Vatnajökull, Europas größtem Gletscher (oder in anderen Worten: der große weiße Fleck auf der Islandkarte).  



Mein Pabbi und ich sind dann noch ein bisschen durch die Gegend gefahren um Weihnachtsbeleuchtungen anzuschauen und die Witwe eines Bruders meines Vaters zu besuchen. Hier sind sogar die Kreuze auf den Friedhöfen mit Lichterketten geschmückt und zwar alle und in allen möglichen Farben. Mein Vater hat mir erklärt, dass das gemacht wird, weil viele Isländer glauben, dass Verstorbene nach ihrem Tod in irgendeiner Form weiterleben.

Wir haben in Kirkjuferja auch eine Elfenkirche. Das ist ein kleiner unscheinbarer Felsbrocken, in dem angeblich Elfen wohnen. Die Mutter meines Gastvaters hat darin Licht gesehen. Wahrscheinlich schüttelt ihr jetzt den Kopf, wenn ihr das lest, aber je mehr ich von der unglaublichen Natur dieses Landes sehe, desto besser kann ich die Vermutung vieler Isländer, dass es Elfen und Trolle und ähnliche Wesen gibt, nachvollziehen. Es ist nicht so, dass die Leute hier wirklich glauben, dass es diese Art von Wesen gibt (klar glauben das manche und es gibt Leute, die behaupten sie gesehen zu haben oder mit ihnen reden zu können, aber das ist nicht der Normalfall). Es ist mehr so eine Skepsis und man möchte ihre Existenz nicht ausschließen. Es könnte ja doch sein, dass es sie gibt. Mein Pabbi sagt zum Beispiel, er kann sich einfach nicht vorstellen, dass wir Menschen die einzigen Wesen hier sein sollten. Ich glaube ich fange auch langsam an daran zu zweifeln. =)

Am Dienstag (18. Dez.) waren Marte und ich nachmittags in der Schule zur Prüfungseinsicht. Unsere Noten konnten wir schon zwei Tage vorher im Internet sehen. Mein Notendurchschnitt ist 8,4, also habe ich nur 8. und 9. und eine sieben, eigentlich vollkommen okay (zur Erinnerung: 10 ist die beste Note und 1 die schlechteste). Es hingen Listen aus, welcher Lehrer in welchem Raum ist und man konnte dann einfach dorthin gehen und seine Prüfung anschauen. Außerdem haben sich die Schüler bei den Lehrern (und auch umgekehrt) für das Semester bedankt und man hat sich fröhliche Weihnachten gewünscht. Hier ist einfach alles viel sozialer in der Schule.

Am Donnerstag war ein ganz besonderer Tag für mich. Mein Pabbi ist mit seinem LKW nach Osten gefahren und ich durfte mitfahren!! *Luftsprünge mach* =) Glücklicherweise hat er schon am Abend vorher das Getreide in Reykjavík aufgeladen, sodass wir um acht Uhr morgens direkt aufbrechen konnten. Wir haben sechs Farmen in der Gegend von Höfn, einer Stadt in der Größe von Selfoss, angefahren. Auf der Fahrt habe ich unglaublich viel gesehen:
wunderschöne Felsen mit teilweise total lustigen Formen... 


....Wasserfälle.... 

solche kleine Wasserfälle sieht man hier ständig an Berghängen,

Seljalandsfoss, Man kann den Wasserfall von hinten anschauen, d.h. drunter durch laufen.
....Teile von Vatnajökull....


Wie so ziemlich alle Gletscher schmilzt auch der Vatnajökull gewaltig. Deshalb sind in dieser Gegend unheimlich viele Flüsse, Ich habe den kürzesten Fluss Islands gesehen: Jökulsárin („der Gletscherfluss“). Er ist kaum hundert Meter lang und führt von Lón (dem „See“ mit den großen Eiswürfeln) direkt in den Atlantik. Ich habe auf einer Infotafel Fotos gesehen, die im Abstand von vielleicht 20 Jahren aufgenommen wurden. Es ist echt gigantisch. Unter dem Gletscher kommen richtige Felsen zum Vorschein. Es sind sogar einige Vulkane unter dem Vatnajökull. Wenn die ausbrechen schmelzen sie ein Loch in den Gletscher, das sich aber nach kurzer Zeit wieder von selbst schließt. Im Sommer sieht der Gletscher schwarz aus, weil er von Sand bedeckt ist, der im Winter vom Regen weggeschwemmt wird und so sieht man das bläuliche Eis. Es ist schon gigantisch, wenn man sich vorstellt, dass es jahrtausendealtes gefrorenes Wasser ist.
.....Lavafelder..... 



Auf einmal war alles schwarz links und rechts der Straße. Wir sind über eine riesige Fläche schwarzen Sandes gefahren. Durch die Gletscherschmelze werden einige der Flüsse regelmäßig überflutet. Der Sand wird also von den Flüssen angeschwemmt. 


Wir sind über unheimlich viele Brücken gefahren, unter anderem auch über die längste Brücke Islands.


Das mit den Brücken ist so eine Geschichte hier. Es sind wirklich immer und überall Brücken. Manche sind so klein und eng, dass es fast schon eine Kunst ist sie mit einem normal großem Auto zu passieren. Mein Vater hat mir auch von vielen Brücken erzählt, die eingestürzt sind oder weg geschwemmt wurden. Wir haben auch die Überreste einer großen Brücke gesehen, die vor einigen Jahren eingestürzt ist. 

den Gipfel erklommen...

Ich glaube die Gefahr, dass der Fahrer einschläft, besteht hier gar nicht, weil es keine Autobahnen gibt und die Wege hier so kurvig sind, dass es gar nicht langweilig werden kann. Außerdem müssen oft Bergzüge überquert werden, was gar nicht so einfach ist mit so einem schweren LKW (Wenn er voll beladen ist wiegt er 36 Tonnen). Leider kam das auf unserer Strecke nur einmal vor.
Was noch sehr lustig ist, ist, dass man hier alle halblang ein Schild am Straßenrand sieht mit einer der Warnungen: Achtung Kuh, Achtung Pferd, Achtung Schaf, Achtung Rentier, Achtung Eisbär (ne, Scherz, Eisbären gibt es hier nicht =) 


fóðurbillinn

Beim Getreide abladen
Leider war es nur von elf bis drei Uhr hell und zusätzlich war es sehr nebelig. Aber das war sicher nicht das letzte Mal, dass ich mit meinem Pabbi unterwegs bin.

Das Wetter ist noch nicht so wirklich weihnachtlich. Letzte Woche hatten wir ziemliches Glatteis und zusätzlich hat es einige Tage heftig gestürmt. Es hat nicht lange gedauert bis ich herausgefunden habe, dass es nicht gerade günstig ist während eines Windstoßes auf Glatteis zu stehen. Mein Pabbi hat den Plastikweihnachtsmann auf dem Hausdach festgenagelt, nachdem er durch den Sturm übers Dach davongeflogen ist. 
Wir haben die Hoffnung auf weiße Weihnachten aber noch nicht aufgegeben. Morgen (Samstag vor Weihnachten) soll es um einiges kälter werden und am Sonntag kommt Schneeregen, also vielleicht haben wir ja doch noch Glück. 

Der Ölfusá bei Sonnenaufgang, am Ufer ist eine dünne Eisschicht

Wann schneit es endlich? Baldur`s Snowslider ist schon seit Oktober einsatzbereit.
Ich wünsche euch allen ein wunderschönes Weihnachtsfest und erholsame Feiertage. Genießt eure Ferien (falls ihr welche habt)!!
 
       
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