Landesflagge Lena in Island

Haifisch und Hammelhoden


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Hallo meine lieben Leser!

Nun ist endlich das große Ereignis gekommen: Þorrablót, die berühmten – oder wohl auch berüchtigten - Feierlichkeiten mit dem traditionellen isländischen Essen. Meine Mutter hat schon eine Woche vorher mit den Vorbereitungen angefangen und zwar wurden hier Schafsköpfe gekocht um sie zu einer Art Marmelade zu verarbeiten. Der Anblick von den halben Schafköpfen mit heraushängenden Zungen und noch den Augen im Kopf war schon eigenartig.



Am Freitag, dem 25. Januar haben wir hier auf der Farm Þorrablót gefeiert. Eigentlich waren alle Geschwister meiner Eltern eingeladen (und das sind eine ganze Menge =), aber wegen des schlechten Wetters haben die meisten abgesagt, weil der Weg über den Bergkamm zwischen Reykjavík und Selfoss wie so oft gesperrt war. Ist anscheinend zu gefährlich mit dem starken Wind und Glatteis. Also haben wir nur im kleinen Kreis gefeiert. Es war wieder eine sehr entspannte Atmosphäre und ein schöner Abend. Aber nun zum Essen: Da wir nur so wenige Leute waren, haben wir den Haifisch weggelassen. Was gab's sonst noch so? Mmmmhh Hammelhoden....schmeckt säuerlich und ist total schwabbelig. Solange man nicht daran denkt, was es ist, ist es schon irgendwie halbwegs essbar. Súr Slátur sind die Leberwurst und der Blutpudding, die wir vor einigen Monaten gemacht haben (siehe Bericht Gefüllter Schafsmagen), was in Mysa gekocht wird. Mysa durften wir vor einigen Tagen auch probieren. Es ist die Flüssigkeit, die sich bei der Herstellung von Joghurt oben drauf absetzt, und die ist dermaßen sauer, dass einem die Geischtszüge festfrieren. Naja, ihr könnt euch sicher vorstellen, dass mir das dann eher weniger geschmeckt hat.... Aber da Marte und ich von allen Leuten beobachtet wurden und alle unsere Reaktion auf das Essen sehen wollten, hieß unsere Devise dann „Augen zu und durch!“ - und bloß keine Miene verziehen. Die Schafskopf - Marmelade (oder wie auch immer man das nennt) war eigentlich noch am besten, ziemlich ohne Geschmack und einfach nur fettig. Es gab auch noch harðfiskur, das ist sehr harter, bröseliger getrockneter Fisch in kleinen Stückchen, den man kaut. Manche Isländer essen das wie Chips (kann ich mich nur anschließen =)
Das Lustigste an Þorrablót ist aber, dass einem Großteil der Isländer selbst dieses Essen gar nicht schmeckt. Viele haben sich deshalb in hankikjöt (geräuchertes Lammfleisch) geflüchtet.


hankikjöt

links svið (gekochter Schafskopf) in allen Varianten, oben Hammelhoden, rechts irgendetwas vom Schaf, Mitte sûr blóðmur, unten sûr slátur

harðfiskur

isländisches Brot; links flatkökur (wie dicke Pfannkuchen, aber nicht süß, schmeckt geräuchert) und rugbrauð (sehr sättigendes dunkles Brot, leicht süß)

Am Samstag fuhren Marte, Lara und ich zum Bummeln nach Reykjavík.
Abends war der große Þorrablót-Ball hier auf dem Land. Das war ein richtig großes Ding. Meine Schwester Dagbjört war im Vorbereitungsteam und das klang schon so richtig nach Stress. Die Eintrittskarten haben angeblich auch um die 100 Euro gekostet. Also haben wir uns in unserer schönsten Kleidung auf den Weg gemacht. Der Ball war in einer großen Halle, die wie eine alte Scheune von innen aussah, überall Holz und sehr rustikal, und anscheinend nur zu Anlässen wie diesem genutzt wird. Empfangen wurden wir gleich mit einem Bissen Haifisch. Naiv wie ich bin, hatte ich mir unter dem Haifisch natürlich irgendetwas Großes und Haiförmiges vorgestellt, aber es sind letztendlich nur ganz kleine Fleischwürfelchen =) Der Geruch war überwältigend abscheulich. Der Geschmack ist schwierig zu beschreiben...sehr stark und stinkig, aber eigentlich essbar. Zum Nachtrinken gab es auch gleich das erste Schnapsglas. Es waren circa 200 Gäste dort und es gab ein riesiges Buffet mit all den köstlichen Spezialitäten. Der Haifisch am Eingang war noch ganz harmlos und mild im Vergleich zu dem auf dem Buffet, wie ich später feststellen musste, aber ich habe ihn trotzdem nicht vermieden. Wann hat man schon mal die Gelegenheit so ein Essen zu probieren?! Nach sämtlichen Programmpunkten wurde die mittlere der drei langen Tafeln abgebaut um somit eine große Tanzfläche zu schaffen. Es hat mich ziemlich erschreckt wie viel Schnaps und ähnliches den ganzen Abend über getrunken wurde und dementsprechend haben sich die Leute dann eben auch verhalten (betrunken sind sogar Isländer ganz normal....). Marte und ich kamen uns teilweise ein bisschen fehl am Platz vor. Wir waren die einzigen Leute dort unter 30. Insgesamt war es aber ein schönes Fest (allein für den Haifisch hat es sich gelohnt zu kommen =) und als wir es dann um halb vier morgens geschafft hatten trotz des halben Schneesturmes nach Hause zu fahren, fielen wir alle totmüde ins Bett.

Am Sonntag hatte mein Gastvater Geburtstag und die ganze Familie ist zum Geburtstagskaffee gekommen.

Das Wetter ist noch das gleiche: Schnee, Schnee und zur Abwechslung noch einmal Schnee....
ein Blick auf unsere zugeschneite Terrasse
Liebe Grüße!!


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