Landesflagge Lena in Island

Ostern



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Hæhæ!!

Meine Osterferien haben gleich super angefangen. Das Wetter ist immer noch so toll und die Stimmung könnte kaum besser sein.

Mein Vater hatte auch schon früher Ferien. Er war die Woche vorher im Krankenhaus wegen Verdacht auf Arterienverstopfung. Aber es ist alles in Ordnung und er ist fast wieder topfit. Am Samstag (15.März) waren wir beide unterwegs. Wir haben uns auf den Weg gemacht, um Gullfoss und Geysir zu besichtigen, beides sehr berühmte Touristenattraktionen. Auf dem Weg sind wir erstmal an der Stelle vorbeigekommen wo die Flüsse Hvítá und Sogið sich treffen und gemeinsam den Ölfusá bilden. Hvítá bedeutet „Weißer Fluss“, weil er aus Gletscherschmelzwasser besteht und deshalb das Wasser weiß wirkt.


Im Vordergrund links ist Sogið, weiter weg der Hvítá und rechts beginnt der Ölfusá
Als nächstes haben wir uns die Kirche in Skálholt angeschaut. Es ist eigentlich ein Dom und der ehemalige Sitz der Isländischen Bischöfe. Im Keller der Kirche ist ein kleines Museum mit sämtlichen reich verzierten Grabsteinen und anderen Ausstellungsstücken. Wir sind auch durch einen unterirdischen Fluchtweg gelaufen. Skálholt ist ziemlich bekannt. Dort ist jetzt auch ein Bildungszentrum. 



Hier sind Ausgrabungen eines alten Dorfes am Laufen.

Wir haben einen Zwischenstopp auf Kroki, Margréts Farm (Schwester meines Gastvaters), eingelegt zum Kaffeetrinken. Danach sind wir zusammen mit Margrét zu Gullfoss aufgebrochen. Da oben war es ohnehin schon sehr kalt und es lag auch noch Schnee, aber bei den Wasserfällen war es dann so richtig kalt mit der hohen Luftfeuchtigkeit. Leider konnten wir wegen des vielen Glatteis nicht den Pfad runter laufen um das Ganze von Nahe zu beobachten. Es war auch sehr windig, also nicht so besonders lustig auf Glatteis zu laufen.  



Eigentlich hatten wir vor in der Richtung ein Stück weiter zu fahren um den Langjökull (der Gletscher, der die ganze Kälte verursacht hat =) genauer zu sehen, haben uns das aber schnell anders überlegt, weil wir keine Lust hatten im Schnee stecken zu bleiben (durch die Kälte die von dem Gletscher ausgeht bleibt der Schnee dort natürlich viel länger liegen).


Dann sind wir Richtung Geysir aufgebrochen. Geysir ist -wie der Name schon sagt- ein Geysir, der zusätzlich auch noch Geysir heißt, eigentlich aber gar kein Geysir mehr ist, sondern nur noch eine heiße Quelle, weil er nicht mehr ausbricht (was für ein Satz =). Eine heiße Quelle ist in etwa ein Loch in der Erde in dem heißes Wasser brodelt und wo es ziemlich dampft. Noch dazu ist in dieser Gegend ein alles durchdringender Geruch nach faulen Eiern (das kommt von dem Wasser, was aus der Erde kommt). Geysir hat also wie schon gesagt infolge eines Erdbebens vor einigen Jahren aufgehört auszubrechen. Er war der zweitgrößte Geysir der Welt. Steamboat in den USA schafft es bis zu 120 Meter, die Abstände zwischen den Ausbrüchen können allerdings Jahre betragen; Geysir ging bis zu 80 Meter. Als nächstes kommt Old Faithful in den USA (bis zu 55 Meter) und dann Strokkur (bis zu 35 Meter), der wiederum auf Island ist. Das Interval seiner Ausbrüche liegt zwischen 3 und 15 Minuten. Wir hatten Glück und konnten dieses gigantische Spektakel einige Male mitverfolgen. Es fängt an zu brodeln, dann kommen Blubberblasen und auf einmal schießt ein riesiger Wasserstrahl in die Höhe, der sich in eine Dampfwolke verwandelt und vom Wind davongetragen wird. 


In der Gegend sind überall Löcher in der Erde aus denen heißes Wasser sprudelt.

Geysir

Strokkur (macht gerade Pause)

Strokkur aus der Ferne

Strokkur in action (unten links sind mein Gastvater und ich, fragt bitte nicht, warum ich in die falsche Richtung schaue =)

Das war also unser langer, sehr spannender Ausflug. Wer mehr über Geysire erfahren will, schaut in Wikipedia.

Am Palmsonntag waren wir zur Konfirmation von Steinis Tochter Ester Rún eingeladen. Konfirmation wird hier nicht so groß gefeiert wie in Deutschland. In den Gottesdienst kommen nicht alle Gäste, sondern nur die Familie mit. Die Konfirmanden und Konfirmandinnen tragen während des Gottesdienstes und auf dem Gruppenfoto weiße Gewänder. Das ist eine alte Tradition, damit früher die ärmeren Kinder nicht wegen ihrer Kleidung aufgefallen sind. Man feiert nicht den ganzen Tag, sondern lädt entweder zum Kaffeetrinken oder zum Abendessen ein. Man schenkt überwiegend Schmuck. Wir waren zum Kaffee eingeladen. Es war eine schöne Feier. Nachher sind wir (meine und Baldurs Familie) in einem kleinen, gemütlichen Restaurant in Stokkseyri am Meer direkt hinter dem Deich Hummersuppe essen gegangen. War sehr köstlich und die Atmosphäre war einfach nur wunderschön.

Am Mittwoch hatte mein Opa in Selfoss (der Vater meiner Gastmutter) 90. Geburtstag und es wurde in dem Gemeindesaal mit der ganzen Familie und Verwandtschaft gefeiert. Es gab Abendessen (leckere isländische Fleischsuppe) und später Kuchenbuffet. Meine Gastmutter und ihre Geschwister hatten einige Einlagen zur Unterhaltung vorbereitet und so wurde der Abend sehr abwechslungsreich und spaßig. Mir ist mal wieder aufgefallen, wie sehr hier Familienleben gepflegt wird. Wir Jugendlichen gingen anschließend noch ins Kino (der Film hieß Junó, falls es jemanden interessieren sollte; keine Ahnung was in Deutschland gerade im Kino läuft =)

Dann ging es schon auf Ostern zu. Ostern wird hier ziemlich anders gefeiert. Gründonnerstag und Karfreitag haben so gut wie gar keine Bedeutung und man achtet auch nicht besonders darauf, am Karfreitag kein Fleisch zu essen. Bemalte Ostereier gibt es hier nicht und auch keinen Osterhasen oder den Brauch Osternester zu suchen. In Island schenkt man sich gegenseitig große Ostereier aus Schokolade, die mit vielen Süßigkeiten gefüllt sind. Außerdem ist auch ein kleiner Zettel mit einem schlauen Spruch darin (so ähnlich wie in den chinesischen Glückskeksen). Diese Schokoeier gibt es in verschiedenen Größen, Nummer 2-8 (glaube ich) und die Kinder bekommen das von ihren Eltern und Großeltern, Paare schenken es sich gegenseitig und meistens bekommt man auch eines vom Arbeitgeber. Diese Eier werden aber nicht versteckt, sondern man überreicht sie sich am Frühstückstisch. Meine Gastmutter hat meines aber versteckt, da ich ihr von unserer Tradition des Eier- Suchens erzählt hatte. Bei uns war die ganze Familie (meine Geschwister und deren Familien) zum Mittagessen eingeladen. Es gab natürlich leckeres Lammfleisch mit Zuckerkartoffeln, Erbsen, Mais und Rotkohl. Das ist hier das übliche Festessen. Nach dem Nachtisch saßen wir einfach noch gemütlich zusammen und haben uns fröhlich unterhalten. Später sind Linda, Marta und ich noch reiten gegangen. Das war also mein Osterfest in Island.


Mein Bruder Finnur und ich mit unseren Ostereiern

Verschiedene Größen 4, 5 und 3 (der Milka-Hase hatte sich verlaufen =)

Mein Osterei mit Inhalt (die Eier sind ziemlich kitschig  geschmückt)

beim Essen

Marta und ich

mein Pabbi und ich
Meine eineinhalb Wochen Osterferien gingen auch schon auf das Ende zu. Ich habe die meiste Zeit mit reiten, stricken oder einfach nur faulenzen verbracht. Hier ein paar Fotos von einer wunderschönen Reittour. Wir sind Hügel rauf und runter geklettert, haben die Pferde abgesattelt, uns ins Gras gelegt und den strahlenden Himmel bewundert.


Am Montag habe ich noch einmal die Chance genutzt, mehr von Island zu sehen und bin mit meinem Gastvater mit dem LKW gefahren. Diesmal ging es nach Osten, aber nicht besonders weit. Trotzdem hat es den halben Tag gedauert, weil wir ziemlich im Kreis gefahren sind um alle geplanten Farmen anzufahren. Aus dem LKW heraus sieht man natürlich viel mehr und ich genieße es einfach bei dieser genialen Aussicht gemütlich über die Schotterstraßen zu holpern. Mir kommt das Land immer ziemlich leer bzw. dünn besiedelt vor. Da wo gerade keine Berge oder Flüsse sind, sieht man kleine Dörfchen oder vereinzelte Farmen und natürlich überall viele Pferde.


Am Mittwoch ging wieder die Schule los. Das erste, was mir auffiel war, dass es hell war, als ich um sieben Uhr morgens aufwachte. Da fällt das Aufstehen gleich wieder leichter, wenn die Sonne vom Himmel lacht. Es ist tatsächlich viel länger hell und es wird immer länger. Kalt ist es immer noch, aber das ist eben so auf Island.
In der Schule ist alles beim Alten. Das Schuljahr ist hier auch gar nicht mehr allzu lang. Ab Mitte Mai fangen schon die Sommerferien an, was bedeutet, dass die Lehrer nach den Osterferien noch einmal gewaltig stressen.
Am darauffolgenden Wochenende sind meine Eltern nach Dänemark geflogen um von dort aus weiter nach Schweden zu fahren (über die Brücke). Sie haben dort einen Bruder meines Gastvaters besucht, der in Schweden lebt und in Kopenhagen arbeitet. Ich habe deshalb die meiste Zeit mit Baldurs Familie verbracht. Am Freitag haben wir den Veiðisafn (das Jagdmuseum) in Stokkseyri besucht. Dort gibt es Unmengen an ausgestopften Tieren aus aller Welt zu besichtigen, Elche, Eisbären (da gab es übrigens auch schon einige auf Island, die auf abgebrochenen Eisschollen angeschwommen kamen), sämtliche Vögel, Giraffen, Löwen (erstaunlich wie klein die in Wirklichkeit doch sind), Zebras, Krokodile und alle möglichen kleineren Tiere. Am Samstag gingen wir auf eine Pferdeshow in Reykjavík namens Æskan og hesturinn („Die Jungen Leute und das Pferd“ oder so ähnlich). Kinder und Jugendliche
verschiedener Altersgruppen (von 3-18) aus allen möglichen Orten zeigten die unterschiedlichsten Dinge. Die kleineren waren in Kostümen während die größeren einstudierte Nummern  vorstellten.


Der Reiter auf dem braunen Pferd im Vordergrund ist im „skeið“ (eine der Gangarten, die nur isländische Pferde beherrschen). Mir wurde erklärt, dass es ziemlich schwierig für die Pferde und nur im sehr schnellen Galopp möglich ist.

Sonntag Abend gingen Marte und ich in eine der Aufführungen des Musicals, das die Theatergruppe an unserer Schule einstudiert hatte. Lara hat mitgespielt und ich war wirklich beeindruckt. Es war richtig professionell und sehr gut gemacht. Das Stück heißt „Til sölu“ (zum Verkauf). Wer mehr darüber wissen will: http://www.til-solu.com/
Ich hatte also ein sehr interessantes Wochenende.
 
Jetzt habe ich euch aber wohl mal wieder genug zugeschwafelt. Schön, dass ihr noch mitverfolgt, was ich hier oben im Norden treibe. Hinterlasst doch mal eine Spur in meinem Gästebuch (frage mich langsam woher die hohe Besucherzahl kommt =).

Lieben Gruß aus Island!




 
       
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