Landesflagge Lena in Island

Rote Weihnachten



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Gleðileg jól!
(Fröhliche Weihnachten!)

Es weihnachtet sehr....nein, noch nicht ganz. Ich fange zwei Tage vor Weihnachten an, also am Samstag. Bei uns daheim hat es ganz schön gestunken und zwar nach Fisch. Es ist eine isländische Tradition am Abend vor Weihnachten „skötuveisla“ zu feiern. Nur wir haben es zwei Tage vor Weihnachten gemacht.
„skötuveisla“ heißt wörtlich übersetzt „Rochenparty“ und tatsächlich haben wir Rochen gegessen. Rochen ist dieser große platte Fisch, der aussieht wie ein Bettvorleger =) Man isst das nur an diesem Tag, also nur einmal im Jahr. Wir hatten jede Menge Gäste, ich glaube so um die 30. Marte und ich wurden ständig fotografiert und man wollte uns fast nicht glauben, als wir gesagt haben, dass der Rochen gut schmeckt. An dieser Stelle muss ich sagen, dass selbst viele Isländer Rochen nicht mögen und deshalb nicht essen. Der Geschmack ist schon sehr eigenartig und ganz besonders der Geruch. Meine Klamotten haben noch Tage danach gestunken. Es ist auch gar nicht so einfach das zu essen, weil es schwierig ist zu atmen, während man ein Stück Rochen im Mund hat. Ganz schön stark!! Jedenfalls war es eine interessante Erfahrung! 



in der Mitte ist der Rochen, man mischt ihn mit zermanschten Kartoffeln, oben ist rugbrauð (ein bisschen ähnlich wie Pumpernickel, aber süßer; rechts saltfiskur / Salzfisch

die Kids: (von links hinten) Vigdís Þóra (7), Linda Björk (13), Helga Guðrún (knapp 2), Margrét Ágústa (5), Emilia (knapp 1, meine Großcousine oder so ähnlich), Margeir (4), Þorgeir (6) und Jónína (5)

An diesem Abend haben wir auch schon angefangen Weihnachtsgeschenke auszutauschen. Hier gibt man sich die Geschenke schon vor Weihnachten, damit alle auf einmal geöffnet werden können.

Þorláksmessu, so heißt der 23. Dezember hier, also der letzte Tag vor Weihnachten. Wir haben noch die letzten last-minute Besorgungen vor Weihnachten erledigt. Also auch nochmal kräftig eingekauft. Im Bónus (große oder größte (?) Supermarktkette in Island) waren so viele Leute, dass man sich kaum noch bewegen konnte. Außerdem haben wir Oma und Opa (die Eltern meiner Mamma) in Selfoss besucht. Abends haben wir dann unseren großen Weihnachtsbaum aus der Scheune ins Wohnzimmer geholt und geschmückt. Hier haben die Leute bunte Lichterketten auf ihren Weihnachtsbäumen und jede Menge kunterbunten Weihnachtsschmuck, einfach kitschig schön =) Wir haben für unseren großen Baum gleich drei Lichterketten gebraucht. Ich glaube wir haben bis zwei Uhr nachts Baum geschmückt. Wir haben sogar kleine Girlanden mit Islandflaggen dran gehängt..


Morgens erleben wir meistens einen wunderschönen Sonnenaufgang. Manchmal sieht man auch zur gleichen Zeit den Mond, der im Morgenrot leuchtet. Hier geht die Sonne im Sommer hinter dem Ingólfsfjall auf und im Winter genau gegenüber, also über dem Ölfusá. 


im Hintergrund  der Ingólfsfjall

Hier mal wieder ein paar Pferdchens (Marte hat die Bilder beim Füttern der wildlebenden Pferde gemacht)

Auf dem Weg zum Weihnachtsmann... Mein Vater hat sogar die Leiter mit Lichterketten geschmückt =)

Wie kriegen wir bloß die Spitze auf den Baum?

Natürlich waren wir nicht nur fleißig...

beim Weihnachtssterne basteln
Ein Blick aus meinem Fenster: Auch der Fahnenmast wurde geschmückt, der weiße Fleck daneben ist der Mond.
Und dann kam auch schon der 24. Dezember, der hier aðfangadagur heißt. Allgemein ist Weihnachten hier ähnlich wie in Deutschland. Es ist nur alles viel extremer.
Wir hatten leider kein weißes Weihnachten, es war eher grau und gegen Mittag hat es auch noch angefangen in Strömen zu schütten. Nachdem wir alle lang geschlafen hatten, mussten natürlich noch sämtliche Besorgungen gemacht werden, die übliche Weihnachtshektik eben. Unter anderem haben wir weiter unser Wohnzimmer geschmückt. Jetzt stehen wirklich überall kleine Weihnachtsmänner, Kerzen und ähnliche Dekorationen. Wir haben auch bunte Papiergirlanden aufgehängt. Guðbjörg ist mit ihrer Familie zum Weihnachtsgeschenke austauschen gekommen und wir sind später auch – nachdem wir auf dem Friedhof von Kotstrandarkirkja, der Kirche für die Farmen hier, am Grab der Eltern und einer Schwester meines Gastvaters waren – zu Dagbjört mit unseren Geschenken gefahren. Aðfangadagskvöld (Heilig Abend) fängt hier um sechs Uhr an. Also haben wir versucht bis dahin fertig zu sein, was uns nicht ganz gelungen ist. Bis da alle unter der Dusche und in den schicken Klamotten waren....

Aðfangadagskvöld feiert man hier wie in Deutschland nur im kleinen Familienkreis. Man trägt sehr schicke Kleidung, das heißt Rock bzw. Krawatte sind fast Pflicht. Ab sechs Uhr ist jedes Jahr eine Übertragung eines Gottesdienstes im Radio, die während des Weihnachtsessens gehört wird. In die Kirche gegangen sind wir an diesem Tag nicht, weil kein Gottesdienst in Kotstrandarkirkja war. Als Vorspeise gibt es immer Grjónagrautur. Das ist so ähnlich wie Milchreis, aber nicht ganz so süß, es wird also mit Salz gekocht. An Weihnachten wird es auch noch mit Sahne gemischt. Dazu gab es heiße Kirschsoße und Sahne mit Karamellgeschmack. Das Grjónagrautur – Essen ist eine isländische Tradition. In den Topf ist eine Mandel und derjenige, der die Mandel erwischt, bekommt ein kleines Geschenk (zum Beispiel ein Marzipanschweinchen). Man darf aber nicht sagen, wenn man die Mandel entdeckt, damit alle schön brav ihren Teller leer essen. =)

Das typisch isländische Weihnachtsessen ist Lammfleisch mit kleinen in karamellisiertem Zucker gebratenen Kartoffeln und Rotkohl und Erbsen als Beilage. Meine Mamma hat den Tisch wunderschön dekoriert mit selbst gehäckelten Tellerdeckchen.
Als Getränk gab es natürlich Jólaöl, allerdings eine selbstkreirte Mischung meines Gastvaters. Man trinkt hier um Weihnachten ständig Jólaöl. . 

links Grjónagrautur

Das isländische Weihnachtsessen


Nach dem Essen ging es dann ans Geschenke Öffnen. Es war ein riesiger Berg an Geschenken unter unserem Weihnachtsbaum.

Unser Weihnachtsbaum

Der riesige Geschenkeberg
Normalerweise liest mein Gastvater immer kleinen Kärtchen und übergibt die Geschenke. Dieses Jahr habe ich das übernommen. Und dann wird gemeinsam ausgepackt. Es waren wirklich unheimlich viele Geschenke und ich wurde auch ganz reich beschenkt. Das Tollste Geschenk war wohl das von meinen Gasteltern: eine Decke aus echter isländischer Schafswolle mit den fünf Gangarten der Islandpferde drauf. (Neben der Größe unterscheiden sich Islandpferde von anderen Pferderassen auch noch darin, dass sie zwei Gangarten mehr beherrschen.)
Nach den Geschenken haben wir die ganzen Weihnachtskarten, die wir bekommen haben geöffnet und gelesen. Bei vielen waren auch noch Fotos dabei. Es war sehr interessant. Insgesamt haben wir 72 Karten bekommen. Später sind wir noch zum Kvöldkaffi (Abendkaffee) ins gamla hús (also zu Sigga und Baldur) gegangen. Die drei Mädels hatten alle ganz hübsche Weihnachtskleidchen an. Natürlich war das ganze Wohnzimmer mit neuen Spielsachen überhäuft.


Wir hatten dieses Jahr „Rote Weihnachten“. So sagt man hier, wenn es nicht „Weiße Weihnachten“ sind. Auf die Frage, warum ausgerechnet rot, konnte mir keiner eine sinnvolle Antwort geben.

Der Schnee kam am ersten Weihnachtsfeiertag und damit auch die kalten Temperaturen. Wir haben alle lang geschlafen. Um zwei Uhr sind wir in den Gottesdienst in Kotstrandarkirkja gegangen. Es war ein ganz normaler Weihnachtsgottesdienst wie in Deutschland auch nur irgendwie noch steifer. Ich habe nicht besonders viel verstanden. Mein Pabbi hat gemeint „Die Predigt war okay. Der Pfarrer hat uns nicht geschimpft.“ =)
Zum Abendessen sind meine ganzen Geschwister (Baldur, Dagbjört, Guðbjörg) mit ihren Familien gekommen. Es gab hánkikjöt (geräuchertes Lammfleisch) mit jafning (schleimige dicke weiße Soße, die man auch zu Pferdefleisch ist) und Kartoffeln.


ich, Finnur und Marte

Helga Guðrún, Þorgeir, Margeir, Margrét und Jónína

Endlich Schnee!

gamla hús
Am zweiten Weihnachtsfeiertag hat Baldur mit mir eine Tour auf seinem Snowslider gedreht. Es hat total Spaß gemacht durch den Schnee über die Wiesen zu rasen und über kleine Hügel zu springen. Marte und ich sind auch wieder reiten gegangen. Es war das zweite Mal, dass ich außerhalb des Gatters also raus ins Gelände durfte (also nur auf dem Feld zwischen den Häusern und dem Fluss) und ich habe Galoppieren gelernt. Ich kann gar nicht beschreiben wie genial das Gefühl war, in Island auf einem weißen Pferd zu sitzen und durch den Schnee zu galoppieren. Das Reiten klappt mittlerweile wirklich gut. Nur im Trab hüpfe ich manchmal schon noch ziemlich im Sattel. . 


Abends waren wir alle bei Oddny, einer Schwester meiner Mutter, die in Selfoss lebt, zum jólahlaðborð eingeladen. 


Ich hatte also ein wunderschönes Weihnachtsfest und erlebnisreiche Feiertage. Vielen Dank für alle lieben Mails und Gästebucheinträge. Es tut mir leid, dass ich nicht oder nur sehr knapp antworten konnte.

Viele Grüße aus Island! . 
 
       
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