Landesflagge Lena in Island

áramót / Jahreswechsel


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Im neuen Jahr schreibe ich euch mal wieder. Gerade ist der erste Januar (auch ein Feiertag hier). Es ist halb drei und schon wieder dunkel. Heute sind wir alle daheim und erholen uns ein bisschen von der langen Nacht. Diese großen Verwandtschaftsbesuche zum Neuen Jahr gibt es bei uns nicht.

Erstmal aber noch ein kleiner Rückblick in die letzten Tage des alten Jahres.
Es war einige Tage ziemlich kalt (minus sieben Grad). Mittlerweile ist der Schnee aber schon wieder weg, weil es in den letzten Tagen viel geregnet hat.

Am letzten Donnerstag (27. Dezember) war Marte mit meinem Pabbi unterwegs. Nachmittags ist Linda gekommen und wir sind nacheinander auf Fálki geritten, (ihre Pferde hatten noch keine Hufeisen) allerdings nur im Gatter. Regen, Wind und Kälte hatten uns aber bald den Spaß verdorben. 

Am Freitag waren Dagbjört, Sigga, Marte, ich und die Kids im Kino (Bee Movie). Abends war AFS – Weihnachtsfeier in Reykjavík. Die Austauschschüler sollten etwas Typisches aus ihrem Heimatland backen. Ich habe natürlich an den guten deutschen Christstollen gedacht. Also habe ich mich mit meiner Gastmutter ans Werk gemacht. Das Problem war, dass es mir nicht besonders gut gelungen ist das Rezept ins Isländische zu übersetzen (schon mal nach Bittermandelöl im Wörterbuch gesucht?). Deshalb haben wir letztendlich mit körnigem Frischkäse statt Quark (den scheint es hier gar nicht zu geben) und Orangenmarmelade statt Zitronat gebacken. Außerdem haben wir sämtliche Gewürze entweder ganz weggelassen oder sonst irgendwie ersetzt. Das Ergebnis war immerhin dem Christstollen ein bisschen ähnlich. Es war allerdings sehr schwierig die Isländer davon zu überzeugen, dass es kein „Marzipanbrot“ sondern Kuchen ist. =)
Die Weihnachtsfeier war nicht gerade der Hit, eher ziemlich langweilig. Helga (unser National Hosting Director) hat sich zwar sehr viel Mühe gegeben, aber die Organisation des Programms, was die Aufgabe von uns skiptinemar (Austauschschülern) und den Volunteers (die AFSer, die wieder daheim sind und freiwillig mitarbeiten) gewesen wäre, hat nicht wirklich geklappt. Es war trotzdem schön mal wieder viele der anderen Austauschschüler zu sehen. Es waren alle da, die in Reykjavík und Umgebung und im Suðurland (Südland) wohnen. Der Norden (Akureyri) hatte seine eigene Weihnachtsfeier.

Samstag Nachmittag war jólaball, die jährliche Weihnachtsfeier für Groß und Klein hier auf dem Land. Es war in einer Halle ganz in der Nähe, die vor allem zum Feste feiern genutzt wird. Erst wurde den Kindern die Weihnachtsgeschichte erzählt und danach sind sowohl die Erwachsenen als auch die Kinder singend um einen großen Weihnachtsbaum getanzt. Es war eine wunderschöne Atmosphäre und die Zeit verging viel zu schnell. Abschließend gab es noch ein rießiges Kuchenbuffet.



Den Sonntag haben wir wieder vollkommen im Pferdestall verbracht. Da gibt es immer genug zu tun. Es ist kaum möglich, allen Pferden, die gerade im Stall sind, die nötige Aufmerksamkeit zu geben (3 wilde, die bald gezähmt werden sollen, 3 knuddelige Fohlen =) und 8 Reitpferde). Ich glaube unter den Farmern hier ist es ein Statussymbol, viele Pferde zu besitzen. Wir haben auch drei weitere Pferde beschlagen.
Eigentlich erledigen Marte und ich hier die meiste Arbeit mit den Pferden. Marte füttert jeden morgen und abends füttern wir gemeinsam. Alle zwei bis drei Tage misten wir die Boxen aus (soweit Boxen vorhanden sind). Der Pferdestall ist eigentlich ein ehemaliger Kuhstall, also sind die Hälfte der Pferde einfach wie Kühe angekettet. Aber im Sommer soll der Pferdestall vollkommen umgebaut und neu eingerichtet werden (also mit Boxen). Anfangs war es schon sehr gewöhnungsbedürftig, Pferdemist durch die Gegend zu schaufeln, aber jetzt macht es mir total Spaß. =) Baldur oder Finnur helfen uns alle paar Tage einen neuen Heuballen in den Stall zu holen. Mittlerweile müssen wir auch regelmäßig Heu raus zu den 22 wild lebenden Pferden ins Gelände fahren, weil es dort nicht mehr genug zum Fressen gibt (vor allem Matsch von dem ganzen Regen).

Und dann kam Silvester, gamlaárskvöld, wie es hier heißt. Nachmittags mussten erst mal alle anpacken, weil wir die Pferde aus dem Gelände in den Stall geholt haben, damit sie beim Feuerwerk nicht erschrecken und davon rennen. Wir haben einen Radio im Stall aufgedreht um die Pferde zu beruhigen und dass sie nicht so viel vom Feuerwerk hören.



rechts ist Fálki

Jónína und ich mit Tire und Lóa (Guðbjörgs Hund)

Danach haben wir alte Paletten und andere Holzabfälle auf den Traktor aufgeladen und unten am Ölfusá (der Fluss) zu einem großen Lagerfeuer aufgeschlichtet. Isländer machen an Silvester überall große Lagerfeuer. Wir haben zusammen mit meinen ganzen Geschwistern und deren Familien gefeiert. Sie sind auch schon nachmittags gekommen um dazu zu helfen. 




und danach erstmal ausruhen (Linda und Marta)
Meine Mamma hat den halben Tag lang Essen zubereitet.

Wir haben alle kunterbunten Leuchtschmuck und Papierkronen getragen. Alle waren total lustig drauf und wir haben uns gegenseitig mit Konfettikanone beschossen. Klar gab es auch wieder viel zu Essen. Als Vorspeise gab es leckeren Lachs mit Honigmelone. Lachs ist hier nichts besonderes. Man isst ihn oft sogar zum Frühstück. Dann kam Lammfleisch und Schweinefleisch (das gibt es nur sehr selten, wir essen hauptsächlich Lamm und Fisch) und dazu die isländischen Zuckerkartoffeln.



Nach dem Essen sind wir rausgegangen um das große Feuer anzuzünden. Mit jeder Menge altem Öl hat sogar das nasse Holz bei dem Wind gebrannt. 


unser kleines Lagerfeuer

Ich und Þorgeir (alle mit Schutzbrille)

Marte, Oddgeir (Guðbjörgs Verlobter), Pabbi und mein großer Bruder Baldur

Ich und Marta
der Anfang unseres Feuerwerks

Um halb elf hat Selfoss mit dem Feuerwerk angefangen. Wir haben um halb 12 mit unserem farmeigenen Feuerwerk losgelegt. Es war wunderschön in der Ferne die Feuerwerke von Selfoss, Stokkseyri und Eyrabakki zu sehen.
Als wir wieder innen waren haben wir gemeinsam auf das neue Jahr angestoßen und uns ganz herzlich „gleðilegt nýt ár“ gewunschen. Wir waren noch bis vier Uhr gemeinsam um den Tisch gesessen und haben Flüsterpost gespielt, was extrem lustig war, und uns unterhalten.



Ich habe die Isländer als ein Volk kennengelernt, dass unheimlich gerne feiert. Gerade jetzt um Weihnachten und Neujahr ist natürlich besonders viel los. Diese ganzen Familienparties sind ganz unkompliziert. Oft ist es auch so, dass jeder was zu essen mitbringt. Anfangs war es mir fast zu viel, dass ständig volles Haus ist, aber jetzt genieße ich es total und freue mich jedesmal wieder aufs neue darauf.
Die Zeit, die ich hier im Jahr 2007 verbracht habe war so genial, dass ich es kaum in Worte fassen kann. Ich freue mich schon riesig auf das Neue Jahr und bin sehr gespannt, was noch so alles neues auf mich zukommt hier auf der einsamen Insel.

Euch allen wünsche ich:
Gott og farsælt komandi ár!
oder: Ein gutes und glückliches Neues Jahr!



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