Landesflagge Lena in Island

Meine erste Woche


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So, nun wird es aber endlich mal Zeit, dass ich euch mal ausführlich berichte, was hier so alles los ist.

Ich habe so viel zu erzählen, dass ich gar nicht weiss, wo ich anfangen soll.

Nach dem Arrival Orientation Camp hatte ich noch zwei Tage Ferien, an denen ich eigentlich gar nicht besonders viel gemacht haben, abgesehen von dem Versuch mich hier auf der Farm und in der Familie etwas zurecht zu finden. Was mich sehr überrascht hat war, dass hier ständig volles Haus war. Für Isländer ist das Familienleben eine extrem wichtige Angelegenheit. Man besucht sich andauernd und pflegt familiäre Kontakte sehr intensiv, was natürlich zu einem sehr starken Zusammenhalt in der Familie führt. Ich bin mit den ganzen Namen und Gesichtern fast durcheinander gekommen, weil das für mich total neu war. Neben dem vielen Besuch, den wir hier auf der Farm bekamen, besuchten wir Jónínas Eltern (also meine Großeltern) in Selfoss. Sie sind wirklich sehr nett und sie haben mir angeboten ab und zu vorbeizukommen um auf ihrem Klavier zu spielen. Das werde ich sicher auch tun, sobald ich etwas mehr isländisch kann um mich halbwegs mit ihnen zu verständigen.

Sigga (Baldurs Frau) hat mit Marta und mir eine kleine Tour mit dem Auto durch Selfoss gemacht um uns die Stadt ein bisschen zu zeigen. Selfoss ist ungefähr so groß wie Uffenheim (zumindest von der Einwohnerzahl), allerdings sind die Gebäude sehr zerstreut, finde ich. Das ist hier aber allgemein so. Man sieht kaum einen Ort, wo die Häuser so nahe aneinander gebaut sind wie mancherorts in Deutschland. Auffallend ist auch, dass es hier überhaupt keine Wälder gibt. Es gibt zwar einige wenige Bäume, aber die sind höchstens drei Meter hoch und meistens sehr trockene Nadelbäume. An diesem Tag habe ich auch das erste Mal meine Schule, die F.Su (Fjölbrautaskóli Suðurlands) gesehen. Das Gebäude ist sehr lang und knallgelb und auf einer Seite ist ein riesiges Glasfenster. Es ist sicherlich sehr neu.

Am Mittwoch war dann auch schon mein erster Schultag. Ich war sehr aufgeregt und gespannt, was mich da so alles erwartet. Wir hatten um neun Uhr ein Treffen mit allen Austauschschülern, die dieses Jahr an der Schule sind. Als wir in die Schule kamen, mussten wir erst einmal unsere Schuhe ausziehen. Das macht man hier so, sobald man ein Haus oder eben das Schulgebäude betritt. Erst kam es mir echt komisch vor in Socken in der Schule herumzulaufen und ich hatte kalte Füsse, aber man gewöhnt sich sehr schnell daran und es ist irgendwie um einiges gemütlicher und natürlich sauberer. Wir wurden gleich von zwei sehr netten Lehrern begrüsst, die uns dann in ein Klassenzimmer begleiteten, uns unsere Stundenpläne gaben und uns die Schulregeln erklärten. Ich war sehr überrascht wie viele Austauschschüler an der F.Su sind. Mit Marta und mir sind noch Lara, eine weitere Deutsche, die ich schon von dem Nordeuropa-Vorbereitungswochenende kenne, zwei Italienerinnen, ein Däne, ein Mädchen aus Belgien, eine Bulgarin, ein Engländer und ein Thailänder da. Natürlich sind nicht alle mit AFS hier, sondern auch mit anderen Organisationen. Ausserdem haben wir Josef kennen gelernt, der in Deutschland aufgewachsen ist, dann sechs Jahre in Dänemark gelebt hat und jetzt mit seiner Familie nach Island gezogen ist, weil sein Vater Isländer ist. Nach der kurzen Besprechung bekamen wir einen Computerkurs. Ich war sehr erstaunt, als wir auf einmal vor einem Klassensatz IBM-Notebooks standen. Sowas gibt es in Deutschland ja wirklich nur selten an einer Schule, wenn überhaupt. Einer der Lehrer gab uns eine kurze Einführung in "Inna" und "Angel", das sind zwei Programme, die jeder Schüler hier nutzt. Man kann damit seinen Stundenplan und die Bücherliste anschauen und sämtliche Bekanntmachungen und wichtigen Termine nachlesen. Außerdem kann man auf den Stoff von sämtlichen Schulfächern zugreifen um alles nachlernen zu können, falls man mal nicht da war. Manche Lehrer stellen auch Hausaufgaben ins Internet. Zusätzlich hat jeder Schueler eine F.Su.-Mailadresse und es ist hier ganz normal, mit den Lehrern per E-Mail zu kommunizieren. Anfangs kam mir das ganze System sehr überfordernd vor, aber mit der Zeit kommt man da schon rein. Es ist wirklich faszinierend, wie fortschrittlich diese Schule im Bereich Technik ist. In der Bibliothek kann jeder Schueler kostenlos ins Internet gehen und man kann auch seinen eigenen Notebook mitbringen um ihn im Unterricht zu nutzen oder in der Schule ins Internet zu gehen. Es gibt sogar einen Lehrer, der nur für die Technik zuständig ist. Nach diesem interessanten Computerkurs saßen wir noch ein bisschen in der Schul-Cafeteria zusammen und haben unseren Ansprechpartner an der Schule kennen gelernt (leider konnte ich mir seinen Namen nicht merken). Es ist ein Schüler, der selbst schon mit AFS unterwegs war. Er soll uns helfen, falls wir irgendwelche Probleme an der Schule haben sollten oder uns nicht zurecht finden. Das war dann auch schon unser erster Schultag. Der restliche Tag verging wie im Flug. Wir haben noch Guðbjörg´s Familie besucht, weil einer ihrer Söhne sechsten Geburtstag hatte. Abends bin ich dann todmüde ins Bett gefallen.

Am Donnerstag, meinem zweiten Schultag, musste ich schon um halb acht aufstehen. Hier beginnt die Schule glücklicherweise erst um 8:20 Uhr. Die Unterrichtsstunden sind 60-80 Minuten lang. Nach der ersten Stunde haben wir eine Pause von einer viertel Stunde, dann folgen zwei weitere Stunden, bis wir dann von 12:40 bis 13:10 Uhr Mittagspause haben. Danach hat man meistens nochmal zwei Unterrichtsstunden. Normalerweise endet der Schultag also um 16:00 Uhr. Auf meinem Stundenplan stehen Isländisch (glücklicherweise ein Kurs für Anfänger), Französisch, Englisch, Mathe, Kunst, Holzverarbeitung, Sport und Chor. Er gilt allerdings nur für das erste Semester. Nach den Weihnachtsferien, die hier übrigens drei Wochen lang sind (dafür hat man so angeblich nicht viel Ferien, weil die Sommerferien auch ca. 2-3 Monate dauern), wird neu gewählt. Komischerweise durften wir als Skiptinema (isländisch für Austauschschüler) unsere Kurse nicht selbst wählen. Aber das macht nichts. Ich bin trotzdem sehr zufrieden mit meinem Stundenplan. Ich habe auch einige Freistunden, die man hier ganz gut in der Bibliothek nutzen kann.

Mein zweiter Schultag begann also mit Französisch, Mathe, Sport, Kunst und Chor. Wir haben eigentlich in keinem der Fächer wirklich Unterricht gemacht und die Lehrer haben uns schon nach 20 Minuten wieder entlassen. Wir bekamen einen Art Lehrplan, auf dem stand, welche Bücher wir für das jeweilige Fach brauchen, welchen Stoff wir wann durchnehmen und wann die Prüfungen sind. In Island schreibt man nur kleine Tests im Laufe des Semesters, dafür ist in den meisten Fächern eine Abschlussprüfung vor den Weihnachtsferien. Der Tag war eher langweilig für uns skiptinema, weil wir kaum was verstanden haben. Allerdings habe ich einige tolle Eindrücke von der Schule bekommen. Einfach alles an der Schule ist total genial. Nicht nur das moderne Gebäude, das keinen Schimmel an den Wänden hat, wie ich das in Deutschland gewohnt bin, sondern auch das ganze Schulleben und das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern sind sehr faszinierend. Man spricht die Lehrer mit ihren Vornamen an. Das macht man hier allgemein. Nicht einmal den isländischen Präsidenten würde man mit seinem Nachnamen ansprechen. Schüler und Lehrer gehen sehr freundschaftlich miteinander um. Das ist hier ganz anders als in Deutschland, wo der Lehrer die Autorität hat und die Schüler weit unter ihm stehen. Man kann mit den Lehrern über alles reden und sie sind extrem freundlich und hilfsbereit. Strafen wie Verweise oder Ähnliches gibt es hier glaube ich gar nicht, weil es für die Schüler keinen Grund gibt sich daneben zu benehmen. Die Atmosphäre ist hier total cool und locker und es macht sehr viel Spass in die Schule zu gehen. Viele isländische Jugendliche gehen allein aus diesem Grund freiwillig ein Jahr länger zur Schule. Klar gibt es auch Dinge, die anders geregelt sind. Zum Beispiel muss hier jeder seine Schulbücher selbst kaufen. Es gibt in der Schule einen Buchladen für Schulbücher und es kann ganz schön teuer werden, sich alle Bücher zu kaufen. Allerdings bleibt den Schülern hier gar nichts anderes uebrig. Glücklicherweise bekommen wir von AFS zumindest einen Teil des Geldes zurück, was wir hier für Schulbücher ausgeben müssen. Des Weiteren muss man hier für manche Kurse bezahlen. Beispielsweise für Kunst und Holzverarbeitung. Meistens sind es 2000 isländische Kronen, also etwas mehr als 20 Euro pro Semester. Als krönenden Abschluss dieses Schultages hatten wir unsere erste Chorstunde. Der Chor ist hier etwas ganz Besonderes. Man hat ständig Konzerte und im Oktober würden wir sogar nach Kopenhagen fliegen, um dort zu singen. Allerdings mussten die Schüler, die das erste Jahr im Chor sind (also auch wir skiptinema), vorsingen. Und leider wird dann nochmal ausgewählt, wer dabei sein darf und wer nicht. Das Singen lief bei mir nicht so besonders gut, aber ich werde bis Montag erfahren, ob ich im Chor bin oder nicht. Wäre sehr schade, wenn ich nicht dabei wäre, weil es echt Spass macht und eine tolle Chance ist Leute kennen zu lernen und Freunde zu finden.

Nachdem ich erst um sechs Uhr heimgekommen bin, habe ich Baldur geholfen einen Schrank aufzubauen. Es war sehr lustig, weil ich ja eigentlich keine Ahnung von wo etwas habe und mir dauernd mit dem Hammer auf den Daumen gehauen habe. Es war aber eine sehr gute Ablenkung um nicht weiterhin über den Chor zu grübeln. Dann gab es noch leckeres Essen, wie jeden Abend. Jónína ist wirklich eine super Köchin. Glücklicherweise hat sie bisher noch kein traditionelles isländisches Essen gekocht, also bin ich noch nicht in den Genuss gekommen Hammelhoden oder Schafskopf zu kosten =) Stattdessen kocht sie mit sehr viel Gemüse, was ich dem Schafskopf dann doch eher vorziehe. Ich muss aber trotzdem aufpassen, dass ich nicht zu sehr zulege, denn nicht ohne Grund sagen Isländer, dass AFS "Another Fat Student" bedeutet. In Island isst man eigentlich immer, also den ganzen Tag lang ununterbrochen. Gekocht wird allerdings erst abends. Oft helfe ich meiner Mamma (isländisch für Mama, wie ihr euch sicher denken könnt) beim Kochen. Ausserdem bin ich für die Spülmaschine zuständig. Im Winter soll ich dann vielleicht das Kochen übernehmen, weil da meine Mamma Malkurse gibt. Sie zeichnet nämlich in ihrer Freizeit und bemalt auch sämtliche Gegenstände beispielsweise Vasen. Sie ist eine richtige Künstlerin! Ich habe noch nicht oft so tolle Bilder gesehen. Sie meint immer, dass man das Malen lernen kann. Vielleicht kann ich mir ja bei Gelegenheit ein bisschen was von ihr abschauen.

Freitag war ein sehr schöner Tag. Ich hatte nur drei Stunden Unterricht. Isländisch (wir haben die Zahlen gelernt, war echt interessant), Englisch und Holzverarbeitung. Als ich in den Klassenraum für Holzverarbeitung kam, war ich erst mal total platt, weil da nur Jungs waren. Ich dachte schon, dass ich hier irgendwie falsch bin und habe versucht das dem Lehrer zu erklären. Den hätte ich dann fast übersehen, denn er ist Rollstuhlfahrer und ich hätte es vorher nie für möglich gehalten einen Rollstuhlfahrer als Lehrer zu haben. Aber hier in Island ist eben alles anders und ich finde das auch sehr bewundernswert. Interessant ist auch, dass Svanur (also der Lehrer im Rollstuhl) von den Schülern total ernst genommen wird und man versucht sogar ihm zu helfen. Das wäre in Deutschland sicher nicht so. Es hat sich dann herausgestellt, dass außer mir noch ein weiteres Mädchen in dem Kurs ist, das aber nicht erschienen ist. Trotzdem fühle ich mich - aus welchem Grund auch immer - sehr wohl in dem Kurs. Vielleicht liegt das an dem netten Lehrer, an der Herausforderung mit Holz zu arbeiten oder an der kleinen Klasse (wir sind gerade mal 12 Schüler). Ausserdem habe ich einen Art Austauschschüler aus Rumänien kennen gelernt. Er ist sehr nett und hilfsbereit und spricht sehr gut Englisch. Er ist seit Januar in Island und hat hier als Elektriker gearbeitet. Jetzt geht er hier in die Schule (fragt mich nicht warum) und das komischste an der Sache ist, dass er ein Diplom in Holzverarbeitung hat und trotzdem in den Anfängerkurs hier an der F.Su. geht. Das hat er mir nach der Stunde erzählt. Aber das ist echt super, weil er mir dann sehr gut helfen kann. =)

Nach der Schule sind wir (Jónína, Marta, Finnur und ich) nach Reykjavík gefahren (das sind ungefähr 40 Minuten Autofahrt von hier). Wir waren in einem Bücherladen um nach den Schulbüchern zu schauen, haben aber nur ein paar wenige gefunden. Den Rest werde ich in der Schule besorgen. Danach haben wir eine von Jónínas Schwestern besucht. Ich habe mich gleich bei ihr wohlgefühlt. Vielleicht liegt das auch daran, dass sie ein Klavier besitzt und ich darauf spielen durfte. Ihr Mann ist Opernsänger und deshalb reisen die beiden viel. Sie waren auch schon öfters in Deutschland. Aus diesem Grund haben wir dann auch gemeinsam die Deutschlandkarte studiert. Sie hat sich sehr dafür interessiert wo ich her komme und hat mir gezeigt, wo sie schon überall waren. Leider war ihr Mann nicht zu Hause, aber ich habe sehr viele Fotos von ihm gesehen. In der Wohnung hängen auch total viele Urkunden. Hoffentlich treffe ich ihn mal, das wäre sicherlich eine total interessante Begegnung. Wir haben dann noch eine weitere Schwester von meiner Mamma abgeholt (sie hat insgesamt glaube ich vier) und sind zusammen Essen gegangen. Mich hat es fast vom Stuhl gehauen, als ich die Preise auf der Speisekarte gelesen habe. Ein Teller Nudeln kostet 1900 Kronen, was ungefähr 20 Euro sind und ein Stück Kuchen 690 Kronen, also ca. 7 Euro. Und das war gar kein Nobelrestaurant, sondern ein ganz normales. Sie haben mir dann erzählt, dass man in Island normalerweise kaum Essen geht, eben aus dem Grund, weil alles so teuer ist. Der Abend war wirklich wunderschön und langsam habe ich begonnen mich in meiner Gastfamilie etwas daheim zu fühlen. Ich bin froh, dass das so schnell geht, schliesslich bin ich ja erst für eine Woche hier. Als wir dann zurück nach Kirkjuferja gekommen sind, habe ich mich sehr gefreut meinen Pabbi (Papa) wiederzusehen. Ich hatte ihn seit 3-4 Tagen nicht gesehen, weil ich unter der Woche bald ins Bett gegangen bin und er oft erst sehr spät heimgekommen ist. Ausserdem habe ich an diesem Tag eine sehr liebe Postkarte aus Schweden bekommen über die ich mich wirklich sehr gefreut habe (an dieser Stelle: Vielen Dank an euch, Uschi, Anna, Nette und Katja!! Schön, dass ihr an mich gedacht habt!).




Marta und ich in Rejkjavík


Angeblich der älteste Baum Islands


Das isländische Parlament
und noch 2 Bilder aus Rejkjavík


Das Rathaus von Rejkjavík

Der Samstag war wieder ein sehr erlebnisreicher Tag. Marta und ich haben Baldur auf der Farm geholfen. Wir haben aufgeräumt, das heisst Maschinen mit dem Traktor von einem Ort zum anderen transportiert und sämtlichen Müll gesammelt. Es war eine tolle Erfahrung mal richtig zu arbeiten und ich war auch richtig müde danach. Nachmittags sind wir nach Hverageði gefahren (einem Ort in der Nähe, Kirkjuferja liegt ziemlich genau in der Mitte zwischen Selfoss und Hverageði). Dort war an diesem Wochenende ein Festival namens Blómstrandidagar (auf deutsch so was ähnliches wie Blumentage, der Name kommt daher, weil in Hverageði mal sehr viele Gewächshäuser waren, wo die heute sind weiss ich auch nicht). Da war also ein Markt und wir waren in einem Zelt, wo man sehr viele ungewöhnliche aber sehr leckere Eissorten probieren konnte. Danach sind wir wieder zurück nach Kirkjuferja gefahren um weiter zu arbeiten. Abends ging es dann wieder nach Hverageði, denn da war eine Band, die isländische Volksmusik gespielt hat. Ich hätte gar nicht gedacht, dass mir die Musik so gut gefällt. Die ist ganz anders wie unsere deutsche Volksmusik, irgendwie viel ansprechender und macht sehr positive Stimmung. Danach war dann noch ein Feuerwerk und ich habe noch nie in meinem Leben zuvor so ein tolles Feuerwerk gesehen. Es war total nah, sodass man meinte, es fällt einem direkt auf den Kopf. Ausserdem war es sehr riesig und total bunt in allen möglichen Farben, einfach echt total beeindruckend!!


Und dann kam auch schon der Sonntag. Ich habe erst mal ziemlich lange geschlafen, wobei das hier gar nicht so einfach ist, weil es sehr bald hell wird (es wird allerdings auch erst sehr spät dunkel). Nach dem Frühstück, was hier Sonntags besonders schön ist, weil die ganze Familie zusammen ist, habe ich einen kleinen Spaziergang zum Ölfusá, dem Fluss, der an Kirkjuferja vorbei fließt, gemacht und die unglaublich schöne Landschaft bewundert.
Auf der einen Seite von Kirkjuferja ist der Fluss und auf der anderen sieht man wunderschöne Felsen in der Nähe. Ansonsten ist die Landschaft hier ziemlich flach. Das Gras ist sehr trocken und moosgrün. Herrlich ist auch der Himmel, weil die Wolken so unterschiedlich sind und so viele verschiedene Farbtöne haben. Das tollste hier sind die Sonnenuntergänge. Leider verpasse ich sie oft, weil die Sonne hier meistens sehr schnell untergeht.

Nachmittags haben wir Johannisbeeren gerupft, die hier kleiner sind. Auch die Sträucher sind kleiner. Dann bin ich mit meiner Mamma im Supermarkt einkaufen gegangen. Sie hat mir erklärt, dass hier sehr viele Geschäfte auch sonntags geöffnet haben, was mich sehr gewundert hat. Hier gibt es eigentlich nur eine Art von Supermarkt und zwar den Bónus (so ähnlich wie Edeka). Von den Kühlräumen habe ich ja schon geschrieben. Ich bin jedes Mal froh, wenn wir wieder rauskommen, weil es so verdammt kalt darin ist, dass ich Frostbeule am ganzen Körper zitter. Anschließend hat Sigga mit den Kids, Marta und mir einen kleinen Ausflug zu Kerið, einem kleinen Krater in der Nähe gemacht. Es war wunderschön dort. Leider konnte Sigga uns nicht auf Englisch erklären, woher der Krater kommt, aber ich werde es sicher noch im Laufe des Jahres herausfinden. In dem Krater war ein kleiner See und man kann sogar runter bis zu dem See laufen. Dann haben wir noch einen eindrucksvollen Spaziergang auf einem kleinen Wanderrundweg gemacht, der mich wieder dazu veranlasst hat, diese gigantische Natur hier zu bewundern. Wir haben sogar Blaubeeren gefunden und die waren natürlich sehr lecker. =) 



Kerið


Ich war wirklich da!


Blaubeeren sind lecker!


Der Wanderrundweg

Abends haben wir dann noch ein bisschen Fernseh geschaut. Das ist auch ganz anders hier. Es gibt sogar sechs isländische Sender, allerdings kommt da auch nicht immer isländisches Programm, sondern oft amerikanisches mit isländischen Untertiteln. Das ist ganz praktisch um die Sprache zu lernen.

Apropos Sprache: Ich habe in der ganzen Wohnung knallgelbe Post-Its verteilt, auf die ich die isländischen Vokabeln für alle möglichen Gegenstände geschrieben habe. Es ist echt erstaunlich wie schnell man die Wörter lernt, wenn man sie dauernd sieht. Meine Gasteltern sprechen isländisch mit mir und wechseln nur ins Englische, wenn ich absolut nicht verstehe, wovon sie sprechen. Ich verstehe noch nicht viel, aber ich schnappe jeden Tag mehr Wörter auf und vielleicht werde ich es bis Weihnachten schaffen so richtig isländisch zu reden. Im Moment spreche ich Englisch mit ein paar isländischen Wörtern drin. Das klingt wirklich sehr komisch, aber es macht total Spass immer mehr isländische Wörter in meinen Wortschatz aufzunehmen.

Hm, da fällt mir ein, dass ich noch gar nichts über das Wetter geschrieben habe. Es ist jetzt Ende Sommer hier und ab September beginnt der Herbst. Im Durchschnitt hat es ca. 13 Grad, es ist trocken, windig und oft bewölkt. Normalerweise regnet es viel mehr hier und deshalb ist der Ölfusá zur Zeit sehr trocken. Ich habe von den Isländern schon oft den Spruch gehört, dass England den ganzen Regen bekommt, der Island fehlt. Ich habe seit ich hier bin schon mindestens drei Regenbogen gesehen. Die sind hier auch sehr schön, weil sie sehr breit sind. Und mein erstes Nordlicht habe ich auch schon gesehen. Es war Samstag Abend. Leider konnte ich es nicht fotografieren, weil es wegen den vielen Wolken nur sehr schwach zu sehen und sehr klein war.

Was ich hier auch sehr schön finde ist, dass Island ein sehr kinderfreundliches Land ist. Kinder sind überall erwünscht, sie nerven oder stören niemanden. Es gibt hier auch viel mehr Kinder glaube ich. Und es ist auch ganz normal, wenn Teenager schwanger sind. Das sieht man hier sehr oft. Die werden nicht so schief angeschaut, wie das wohl in Deutschland oft der Fall ist. Es ist auch viel einfacher Kinder zu bekommen, weil man dann einfach ein Jahr Pause in der Schule macht. Geheiratet wird hier allerdings erst, wenn man schon 2-3 Kinder hat. Isländer sind sehr stolz darauf, dass die Scheidungsrate hier so gering ist, aber das ist ja auch kein Wunder, wenn sie erst so spät heiraten.

So, das war dann mal ein kleiner Einblick in meine erste Woche. Tut mir leid, dass es so lang geworden ist. Ich erlebe hier einfach so unglaublich viel. Ich bin schon mal gespannt, wie es hier weitergeht und schicke euch hiermit ganz liebe Grüsse aus dem fernen Island. Danke für alle eure lieben Gästebucheinträge! Seid weiterhin so fleißig, ich freue mich sehr darüber!!


   
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