Landesflagge Lena in Island

Februar



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Liebe Freunde!

Lang, lang hat´s gedauert, aber jetzt lasse ich endlich mal wieder was von mir hören. Warum ich so lange nichts geschrieben habe, hat wohl mehrere Gründe. Einerseits war ich einfach ständig anders beschäftigt und ich habe es tausendmal wieder verschoben mich endlich mal hinzusetzen und zu schreiben und andererseits hatte ich zwischendurch auch mal eine ziemliche Heimwehphase. Ja, wer hätt´s gedacht, irgendwann kam das auch mal zu mir. Ich hatte ja fast schon darauf gewartet =) Aber jetzt ist wieder alles im Lot und fröhlich genieße ich weiter mein Leben in Island =)
Ich versuche den Februar ein bisschen zusammen zu fassen, damit ich euch nicht ganz mit Lesestoff überflute.
Mit dem  Þorrablót war es noch nicht zu Ende. Wir haben gleich am ersten Februar (also eine Woche nach dem eigentlich geplanten  Þorrablót, zu dem die meisten Gäste wegen schlechtem Wetter nicht kommen konnten) den Abend nachgeholt. Diesmal konnten auch alle kommen. Es war ein richtig bunter Haufen Verwandtschaft. Ich muss zugeben, dass ich letztendlich ziemlich verwirrt war mit all den neuen Namen und Gesichtern. Es sind viele der Geschwister meiner Gasteltern gekommen, von denen ich einigen vorher noch nicht begegnet bin. Der Abend war wieder sehr amüsant. Zum „Geschwistertreffen“ hatten wir auch einige lustige musikalische und schauspielerische Unterhaltungsbeiträge. (Meine Fotos wurden leider zensiert =)
Für den Tag danach (Samstag 2. Februar) hatten die AFS – Freiwilligen in Reykjavík uns eingeladen zum Schlittschuh laufen auf die Eisbahn in Reykjavík zu kommen. Wir waren nur eine kleine Gruppe, aber es war trotzdem ein sehr schönes Treffen. Später sind wir noch in die Innenstadt gegangen um auf „Tjörnin“, dem Teich am Rathaus, der zugefroren war, zu laufen.) 




rechts das Rathaus von Reykjavík

Wer genau hinschaut kann noch Weihnachtslichter an den Bäumen erkennen. Manche Lichter bleiben hier länger, weil es nach Weihnachten sonst auf einmal schlagartig sehr dunkel wäre. Januar und Februar sind die dunkelsten Monate hier. Die Sonne scheint meistens nur einige Stunden und sobald der Weihnachtsschmuck weg ist, wirkt alles ganz trostlos dunkel.

Abends gab es noch ein paar knallgrüne Nordlichter zu bewundern. Besonders im Februar sieht man öfters mal welche davon. Sorry für die schlechten Aufnahmen, da kann meine Kamera einfach nicht mithalten. 




Am Sonntag haben wir eine große Runde mit den Geländewagen gedreht. Vormittags sind wir zum Fluss runtergefahren um ihn von ganz nah begutachten zu können. Er ist nicht vollkommen zugefroren, also nicht so, dass man darauf hätte laufen können, aber es waren sehr große Eiswürfel darin. Der Wind war sehr stark an diesem Tag. Ich konnte kaum laufen. Das ist echt eine sehr seltsame Angelegenheit. 


natürlich sind wir wieder alle halblang stecken geblieben...langsam habe ich den Verdacht die machen das absichtlich....=)


Wo hat mein Pabbi nur parken gelernt?! =)
Am Nachmittag sind wir hoch auf den Ingólfsfjall (der Berg, der auf so vielen Fotos im Hintergrund drauf ist) gefahren. Eigentlich wollten wir nur eine kurze Runde drehen und zum Kaffeetrinken wieder daheim sein, aber es ist dann ganz anders gekommen. Wir waren mit drei Geländewagen unterwegs und einer ist immer stecken geblieben, so dass wir ständig umdrehen mussten um zu helfen, was oft dazu geführt hat, dass wir selbst wieder feststeckten. Naja, das ging dann ganze sieben Stunden so weiter und irgendwann haben wir „Björgunarfélag“ angerufen, um uns aus dem Tiefschnee ziehen zu lassen. Nachdem wir den Jeep mit den kleinsten Reifen stehen gelassen hatten, haben wir es letztendlich doch geschafft wieder auf festen Grund zu kommen bevor die Bergungstruppe überhaupt angekommen ist (sehr langsam waren die). Nach diesem Abenteuer waren wir alle hungrig, müde, ausgefroren und froh, endlich nach Hause zu kommen.
Diesem Wochenende hatten sich gleich drei isländische Feiertage angeschlossen (naja, in die Schule mussten wir aber trotzdem). Montag war Bollurdagur. An diesem Tag werden nur „bollur“ gegessen. Ich habe lange überlegt, aber mir fällt leider immer noch keine passende Übersetzung für die Dinger ein. Zum Kaffetrinken gibt es selbstgebackene bollur, die man mit Sahne, Marmelade und Schokoladensoße isst (schmecken ähnlich wie Windbeutel). Und zum Abendessen gab es fiskbollur, also Fisch- Frikadellen.
Der Chor hat an diesem Abend in der Schule einen „Visnakvöld“ (Versabend oder so ähnlich) gemacht, wo es zu dem schönen Gesang auch reichlich bollur zu essen gab.
Am Dienstag war Sprengjudagur. An diesem Tag soll man essen bis man platzt (sprengja = platzen). Es gibt salziges Pferdefleisch mit Erbsen.
Und am Mittwoch war Öskudagur. An diesem Tag verkleiden sich Kinder und gehen von Haus zu Haus um zu singen. Dafür bekommen sie dann Süßigkeiten. In Jónínas Kindergarten war Pyjama-Party.

Der viele Regen hatte den Schnee mittlerweile weggeschwemmt und auf einmal war alles wieder ganz grau und dunkel. Der Wasserspiegels des Flusses ist ziemlich gestiegen und überall war nur noch Schneematsch und Glatteis, richtig langweiliges Wetter also.
Dann kam wohl erstmal nichts mehr berichtenswertes. Jedenfalls habe ich anscheinend eine Weile lang keine Fotos und Notizen mehr gemacht. Es ist auch ständig irgendetwas in der Schule zu tun, irgendwelche Projekte oder sonstige Aufgaben zum selbständig lösen und abgeben zu einem bestimmten Datum. Schule kann hier auch manchmal stressig sein, aber es ist die Sorte von Stress die gleichzeitig auch Spass macht. Ich bin immer noch so begeistert, wieviel Powerpoint und ähnliche schlaue Techniken hier verwendet werden. Das erleichtert das Leben von Schülern und Lehrern um einiges.
Ich weiß gar nicht wie ich es geschafft habe, aber irgendwie bin ich nach tausenden Versuchen doch unglaublicherweise mit ein paar netten isländischen Mädels ins Gespräch gekommen. Sie sind bei mir im lífsleikni – Kurs. Ich sitze jetzt manchmal in der Pause mit ihnen am Tisch. Ich weiß, es klingt ärmlich, dass ich nach so langer Zeit hier noch immer keine Freunde habe. Ich glaube mittlerweile, wir Deutsche wissen gar nicht, was „Freunde finden“ bedeutet, jedenfalls geht das hier ganz anders und ist überhaupt nicht so leicht wie das klingt. Über die Isländer wird so oft gesagt, dass sie ja so verschlossen sind. Ich finde, das kann man aber nicht so allgemein oder sogar abwertend sagen. Isländer sind nicht verschlossen, sie sind nur einfach auf eine andere Weise offen als wir das sind.

Vom 20. bis 22. Februar waren an unserer Schule „Kátir Dagar“ auf deutsch „Fröhliche Tage“ oder so ähnlich. An diesen Tagen waren wir also alle ganz fröhlich. =) Die „Kátir Dagar“ sind sozusagen Aktionstage. Sie haben Mittwochs nach der Mittagspause angefangen. Es wurden zahllose und sehr unterschiedliche Workshops und Kurse angeboten. Da gab es Yoga, Kochen, Boot Camp, Photo Shop Kurs, DVDs schauen, Tanzen, eine Wahrsagerin (so ein Käse =) und vieles mehr. Von den Schülern und Schülerinnen, die auf dem Ausbildungszweig zum Friseur / Friseuse sind, konnte man sich die Haare schneiden lassen. Die haben auch ihre Chance genutzt ein paar Versuchskaninchen zu haben =) Unsere Schule hat einen Pferdewettbewerb abgehalten. Marte und ich haben da zugeschaut. Es war kein Rennen, sondern es ging mehr um die Technik und die Kontrolle über das Pferd. Ich fand es total interessant endlich mal richtig Tölt und Skeið zu sehen. Das sind die beiden Gangarten, die nur Isländische Pferde können.  Die Islandpferde sind schon sehr elegant, was die für tolle Sachen können =)


Beim Tölt werden die Zügel sehr kurz gehalten, sodass das Pferd den Kopf sehr aufrecht hält und die Vorderfüße sehr weit hochhebt. Beim Skeið sind die Füße parallel, also die beiden rechten zusammen und die beiden linken zusammen. Aber verlasst euch da mal lieber nicht drauf. Ich verstehe im Grunde kaum was von Pferden. =)

Am Donnerstag gingen die Kátir Dagar weiter und zwar den ganzen Tag und ich durfte an diesem Tag meinen 17. Geburtstag feiern. Geburtstag auf Island, das ist schon sehr anders. Aber mein Geburtstag war einfach nur wunderschön und ganz genial und überhaupt nur positiv =) Der Schultag war ganz locker. Man konnte einfach von einer Station zur anderen laufen und sich alles anschauen. Drei mal am Tag mussten wir zu unseren umsjón Lehrern gehen (also diesem Supervisor) damit die unsere Anwesenheit überprüfen konnten. Als ich in die Schule gekommen bin, wurde ich gleich mit zwei wunderschönen Kuchen empfangen. Lara und Marte hatten für mich gebacken. Nach der Schule ist meine Schwester Dagbjört mit Familie zum Kaffeetrinken gekommen. Später bin ich mit Marte reiten gegangen. Mein Pabbi war für zwei Tage in Ìsafjörður in den Westfjorden und kam erst spät am Abend heim. Meine Mamma hat ein richtiges Festessen für mich gekocht. Es gab leckeres Lammfleisch, was hier so die Bedeutung eines Sonntagbratens hat. Reich beschenkt wurde ich auch. Von meinen Geschwistern habe ich beispielsweise einen Gutschein fürs Theater bekommen.


Marte hat ein Herz für mich gebacken. Norwegischer Gewürzkuchen =)

Von Lara habe ich Bananenbrot mit Herzchen bekommen.

Marte und ich (endlich 17!! =)

Mein Geburtstagsessen

Beim Geschenke auspacken

Mein großer Bruder Finnur und Marte
Vielen Dank für alle eure lieben Geburtstagswünsche!!
Das Wetter hätte auch gar nicht schöner sein können. Der Regen hatte endlich aufgehört und den ganzen Tag hat die Sonne vom Himmel geschienen und Island in die wunderschönsten Farben getaucht. Und abends hat es auf einmal angefangen zu schneien. Es ging ganz schnell und auf einmal war wieder alles wunderschön weiß.

Am Freitag war zum Abschluss der Kátir Dagar noch ein ganz besonderes Ereignis: Flóafá. Flóafá ist ein Art Wettkampf zwischen den Schülern. Es gibt circa fünf Teams, in denen jeweils zwischen 50 und 200 Schüler sind. Diese Teams treten gegeneinander an in Stationen, die die Lehrer vorbereiten. Meistens beziehen sich diese Stationen auf irgendein Schulfach. Es geht aber weniger um Wissen, sondern es sind überwiegend irgendwelche lustigen Spiele, die in irgendeiner Weise mit dem Fach zusammenhängen. Das Team, das am schnellsten alle Aufgaben möglichst erfolgreich gelöst hat, gewinnt eine Portion Pizza für das ganze Team. Die Teams haben eigene T-shirts und Mützen und jedes Team hat einen Fahnenträger, der immer anwesend sein muss, während eine Aufgabe gelöst wird. Der arme Kerl musste den ganzen Tag rennen =) Jedes Team hatte eine Ecke in der Schule bekommen, die mit Plakaten und allem möglichen dekoriert waren und wir sind den ganzen Tag trommelnd durchs Gebäude gelaufen und haben unser Team angefeuert.  Die Lehrer sind übrigens alle in Verkleidungen gekommen und zum Schluss wurde die beste Verkleidung prämiert. Außerdem hatte jedes Team einen Unterhaltungsbeitrag vorbereitet. Der Tag war ein großer Spaß, obwohl unser Team nicht gewonnen hat. Ich glaube so etwas würde in Deutschland gar nicht funktionieren, weil die Schüler nicht motiviert wären. 

Team Mafia

unser Team: Múminálfar

Team Turtles
der zweite von rechts ist unser neuer Schulleiter

los geht´s

Mein Lieblingsbild: links unser Gastlehrer aus China, ich und eine Lehrerin

Lehrer
Am Samstag haben wir nochmal die Berge mit unsicher gemacht. 

Oh oh, da geht es ganz schön runter....

Wenn man eine „jeppaferð“ bei diesem tollen Wetter macht, trifft man fast immer auf Gleichgesinnte.

Da ging es auch durch....


Wir haben heiße Quellen entdeckt.

Die waren sogar so richtig heiß. Das Wasser war brühwarm und es hat fürchterlich nach faulen Eiern gestunken, was für eine Dreckbrühe =)

Da hat es einer mal wieder geschafft =)

Eine Station zur Erdbebenmessung
wieder daheim auf Kirkjuferja; Ich kriege wohl nie genug davon, den Himmel hier zu fotografieren. Diese Farben sind einfach gigantisch, ein richtiges Wunder!!
Die letzte Februarwoche habe ich damit verbracht im Bett zu liegen und eine heftige Mandel- und Mittelohrenentzündung zu pflegen.

Aber jetzt höre ich mal wieder auf eure Zeit zu rauben =) Dieser Bericht gleicht ja fast einem Bilderbuch.
Aber zum Schluss noch eine Morgendämmerung und einen Sonnenuntergang. 

Ich kann es einfach nicht lassen ;O)

Danke für´s Lesen und bis bald !! 

 
       
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