Landesflagge Lena in Island

AFS - menningarhelgi



Home        Zur Berichte-Seite    

Halló nach Deutschland!

Der April ist gekommen und mit ihm wieder eine Menge zu erzählen. Wir haben viel Sonnenschein und oft sehr starken Wind. Man kann manchmal kaum gegen den Wind laufen und wenn man Rückenwind hat, kann man kaum noch anhalten. Ich hatte das, bevor ich nach Island kam, noch nie erlebt und es ist einfach unglaublich, wie stark die Natur doch ist und wie wenig Einfluss wir im Grunde auf sie haben.
Die Natur erwacht nun, ich werde von zwitschernden Vögeln geweckt und die ersten Krokusse blühen.

Am Mittwoch (2. April) kamen die Austauschschüler und anderen Schüler, die noch nicht lange in Island leben, aus der FS (Fjölbrautaskola Suðurnesia), der weiterführenden Schule in Keflavík, zu Besuch zu unserer Schule. Wir Austauschschüler von der FSu wurden in Gruppen eingeteilt und zeigten ihnen unsere Schule. Lara und ich hatten eine Gruppe, die nur aus Polen bestand bekommen. Die Kommunikation war dementsprechend schwierig, weil sie nur Polnisch redeten und nur wenig Englisch verstanden. Sie leben schon einige Jahre in Island, sprechen aber kaum Isländisch. Vermutlich sind ihre Familien hierher gezogen, weil die Eltern hier Arbeit gefunden haben. Es kommen viele Ausländer (auch viele Deutsche) nach Island, um hier für eine Weile zu arbeiten. Das kommt davon, das es hier leichter ist Arbeit zu finden und diese um einiges besser bezahlt wird (im Vergleich zu den meisten anderen europäischen Ländern). Den Isländern gefällt das natürlich gar nicht, weil diese Leute ins Land kommen, sich nicht darum bemühen die isländische Sprache zu lernen und nach einer Weile wieder gehen und „das Geld davontragen“. Anders ist es natürlich, wenn sie mit ihrer ganzen Familie kommen und ein neues Leben in Island anfangen möchten.
Jetzt bin ich aber ganz schön vom Thema abgekommen. Nach der Schulbesichtigung hatten wir Mittagspause zusammen und danach unternahmen wir einen kleinen gemeinsamen Ausflug zu Gullfoss und Geysir (wer mehr darüber wissen möchte, darf gerne meinen Bericht über Ostern lesen). Dort trennten wir uns wieder. Auf der Heimfahrt machten wir einen kurzen Stop bei Kerið (dem Krater, den ich schon in einem meiner ersten Berichte erwähnt hatte). 


Hier sitzen wir immer in der Schule

An der Schule in Keflavík sind auch AFSer: Allison aus den USA, Lara, Marte, Alessandra und Emanuele aus Italien und ich (im Hintergrund ist Gullfoss)

Bei Geysir; ist das Wasser wirklich so heiß?

Kerið diesmal zugefroren
Und dann wurde es spannend. Endlich hatten wir unser AFS-Midstay-Camp (obwohl die Mitte unseres Aufenthaltes eigentlich im Januar war, aber egal =) oder auf isländisch AFS-menningarhelgi, was soviel bedeutet, wie Kulturwochenende und das war es auch, wie sich bald herausstellte. Wir wurden dafür am Freitag und Montag von der Schule befreit. Am Freitag stiegen also Lara, Marte und ich um halb zehn in den Bus von Selfoss nach Reykjavík. Der Wetterbericht hatte für das Wochenende strahlenden Sonnenschein gemeldet. Vom Busbahnhof aus liefen wir mit unseren Reisetaschen und Schlafsäcken bepackt zum AFS-Büro, das in der Ingólfsstræti, einer Seitenstraße des Laugarvegurs (der Fußgängerzone Reykjavíks) liegt. Dort trafen wir auf die anderen AFSer und wurden von unserem wieder neuen Hosting-director willkommen geheißen (Nachdem Helga gekündigt hatte, kam eine neue Dame, die dann aber auch gleich überfordert war und vor kurzer Zeit hat Rosa, die oberste Chefin sozusagen, wieder jemanden gefunden, Margét Lóa, der sie „verboten“ hat zu kündigen. Ein Kommen und Gehen also =). Nachdem wir uns mit Pizza gestärkt hatten, machten wir eine kurze Stadtrally in der Innenstadt.
Wir Austauschschüler aus aller Welt

Wir sind schon alle in hübscher Kleidung gekommen, weil unser nächster Programmpunkt ein Besuch beim isländischen Präsidenten war. So wichtig sind wir Austauschschüler hier, dass wir sogar den Präsidenten höchstpersönlich treffen =). Wir fuhren also mit unserem Reisebus zu Bessastaðir, dem Ort, wo Ólafur Ragnar Grimsson (so heißt der Präsident Islands, für alle, die Allgemeinbildungslücken haben sollten =) lebt und Gäste empfängt.
Ich war total beeindruckt von der gigantischen Aussicht, die er jeden Tag hier genießt. Wir trugen uns ins Gästebuch ein und gingen dann nacheinander durch einen Raum, wo wir dem Präsidenten die Hand schüttelten. Dann kamen wir in einen großen Empfangssaal und standen im Kreis. Ólafur (selbst der Präsident wird hier mit Vornamen angesprochen) hieß uns willkommen und hielt eine kleine Rede, wie beeindruckend es doch sei mit diesen Austauschschülern und wie es so ist Präsident eines Landes wie Island zu sein. Wir bekamen Cola (im Sektglas) und Kekse und später machten wir Gruppenfotos. Wir durften uns das Haus anschauen. Neben dem Saal war eine Bücherei mit vielen alten wertvollen Büchern und im Obergeschoss waren Unmengen von Geschenken ausgestellt, die er aus den verschiedensten Ländern aus der ganzen Welt bekommen hatte. Da waren sehr viele wertvolle und interessante Dinge zu sehen. Der Präsident hat ein zusätzliches Wohnhaus und lebt nicht mehr in ein und demselben Haus, in dem er auch Gäste empfängt, wie es seine Vorgänger taten. Er hat wirklich einen wunderschönen Wohnort mitten in der Natur und außer den beiden Häusern und einer Kirche ist nichts außen herum, richtig zum neidisch werden.
So etwas wie Sicherheitsvorkehrungen (Waffenkontrolle und solche Scherze) gibt es gar nicht. Darüber haben sich besonders die Austauschschüler aus Amerika gewundert. Wenn der Präsident Geburtstag hat, dann stellen die Leute einfach Kuchen vor seine Haustüre. Klingt schon irgendwie lustig, oder? =).  



Das erste Gruppenfoto (leider waren wir zu viele um alle auf eines zu passen)

Das Bild des Jahres =)
Ólafur Ragnar Grimsson und ich

Lauter tolle Dinge

Er hat sogar einen Eisbären im Haus =)
Nach diesem aufregenden Ereignis machten wir uns auf den langen Weg nach Snæfellsnes. Das ist die Halbinsel  im Westen Islands (direkt über Reykjavík sozusagen, bei gutem Wetter kann man sogar den Gletscher von dort aus sehen). Die Busfahrt nach Lýsuhóll, ein kleines Dorf, wo wir in einer ehemaligen Schule übernachteten, dauerte einige Stunden. Als wir endlich ankamen war es schon ziemlich spät und wir haben unser Matratzenlager in einer Turnhalle eingerichtet. Um zehn Uhr gab es Abendessen und nach interessanten und lustigen Gesprächen schliefen wir bald ein, denn am Samstag stand ein langer Tag bevor.
Nach dem Frühstück brachen wir früh zu einer achtstündigen Busrundfahrt auf um die Gegend zu erkunden. Wir fuhren um den Snæfellsjökull, dem Gletscher ganz am Ende von Snæfellsnes. Der Snæfellsjökull war ursprünglich ein Vulkano und wenn man raufläuft und in das Loch hineingeht, dann kommt man direkt zum Erdmittelpunkt. Dann muss man nur noch richtig abbiegen und schon kommt man beim Vesuv in Italien raus. =) Isländer lieben es solche Geschichten zu erzählen. Unser erster Stop war Arnarstapi. Dort machten wir einen wunderschönen Spaziergang direkt am Meer bei den Klippen. Es war einfach nur herrlich. Die Landschaft war traumhaft, die Sonne schien, über unsere Köpfe flogen Möven hinweg und der Geruch vom Meer stieg in unsere Nase. Dort war auch ein kleiner Hafen und wir haben den Fischern eine Weile zugeschaut.. 

Der kleine Hafen

Der erste Blick auf den Gletscher (der Berg in der Mitte; er ist nicht besonders groß)

Ein kleines Stückchen weiter hielten wir bei einer Statue, die an Bárður Snæfellsás, dem ersten Mann, der nach Snæfellsnes kam, erinnern soll. Dort machten wir ein Gruppenbild.
Dann kamen wir in den Nationalpark Snæfellsnes. Unser Weg führte durch Lavafelder. Diese sind meistens mit Moos bewachsen und jetzt im Frühjahr wachsen auch kleine braune Flechten darauf, an denen im Herbst schwarze Beeren hängen. In dieser Gegend sind überall Steine, die aussehen wie kleine Männchen und die werden hier natürlich gleich zu Elfen erklärt. Wir kamen bei den Tröllklettar vorbei (Trollsteine). Es ist ein kleiner Stein, dem ein größerer folgt und der Geschichte nach ist das Trollkind davongerannt und die Mutter lief ihm hinterher um es zurückzuholen. Dann kam aber die Sonne raus und so wurden die beiden zu den Steinen. Das ist ein Beispiel der vielen Trollgeschichten, die hier über die Generationen mündlich überliefert werden.

Unser nächster Stop war Djúpalónssandur. Dort sind vier runde Steine, die verwendet wurden, um die besten Seemänner auszuwählen. Die Steine tragen die Namen „Schwächling“ (23kg), „Brauchbarer“ (54kg), „Halbstarker“ (100kg) und „Ganzstarker“ (154kg). Um eine Anstellung auf dem Boot „Drítvík“ zu bekommen musste man den „Brauchbaren“ auf einen Felsabsatz auf Hüfthöhe heben können. Wer dasselbe mit dem „Halbstarken“ schaffte, bekam den halben Lohn und der „Ganzstarke“ den vollen. Natürlich haben wir uns auch versucht.

Wir liefen weiter zum Strand. Der Sand ist grob und schwarz und war ziemlich warm durch den Sonnenschein. Wir haben uns alle in einer Reihe in den Sand gelegt, die Augen geschlossen und dem Rauschen des Meeres gelauscht. 

Wir aßen belegte Brote und machten eine kurze Pause in Ólafsvík. Dann ging es weiter nach Bjarnarhöfn, eine Farm, auf der Haifisch verarbeitet wird. Dort gab es ein sehr interessantes Museum. Der Geruch war schon von weitem als Haifisch identifizierbar. 

So wird der Haifisch verarbeitet.

Das ist der Mund vom Hai. Der hätte mich ohne zu kauen verspeist =)

Der ganze Kopf vom Hai

Eine Umarmung für den Haifisch =)


ein Papageientaucher


Im Schafstall

Schaut mal was die für hübsche Frisuren haben =)
Unsere letzte Station war der Helgafell, ein kleiner Berg. Oben sind noch die Fundamente einer alten winzigen Kapelle. Wenn man auf den Helgafell im Gänsemarsch hinaufläuft, nicht spricht und nicht zurückschaut und sich dann in die alte Kapelle stellt und die Aussicht genießt, hat man drei Wünsche frei. Die Aussicht war so genial, dass ich es kaum in Worte fassen kann. Wir hätten wohl kaum mehr Glück haben können mit dem Wetter. Letztes Jahr hatte es an diesem Tag geschneit und alles war im Nebel verborgen.
Zurück in Lýsuhóll angekommen gingen wir in ein Naturschwimmbad, das direkt bei unserer Unterkunft war. Naturschwimmbad bedeutet, dass kein Chlor im Wasser ist, sprich dass es grün ist. Von Erdwärme beheizt wird hier, glaube ich, jedes Schwimmbad. Endlich konnten wir uns duschen - was für eine Erlösung. Bei den Camps gab es bis jetzt noch nie wirklich Duschen. Wir sollten in Kleingruppen eine Geschichte über die Ereignisse und Eindrücke des Ausflugs schreiben und die beste davon soll im AFS-Newsletter abgedruckt werden. Nach dem Abendessen gab es wie auf jedem Camp „kvöldvaka“, sozusagen ein „Bunter Abend“. Wir Austauschschüler bereiten das in Gruppen eingeteilt vor, aber bei uns wird da kaum wirklich was auf die Reihe gebracht, weil irgendwie jedem die Motivation fehlt. Trotzdem wird es immer ein lustiger Abend.

Am Sonntag wurde nach dem Frühstück geputzt und aufgeräumt und wir machten uns wieder auf die Rückfahrt nach Reykjavík. Auf der Heimfahrt hielten wir einmal bei einer Art Wasserloch an. Da war einfach ein Loch der Erde, aus dem natürliches Wasser mit Kohlensäure kommt. Wer von dem Wasser trinkt bleibt immer jung.  Angeblich nutzen das die umliegenden Farmen als Trinkwasserquelle. Ob das stimmt, kann ich aber nicht wirklich sagen, weil da jeder was anderes sagt. Natürlich haben wir von dem Wasser probiert. Der Gestank war überwältigend und es hat sogar nach faulen Eiern geschmeckt. Außerdem war es ziemlich braun. Aber probiert haben muss man das schon mal. 

In Reykjavík angekommen haben wir das Kunstmuseum besucht und eine Art riesigen Flohmarkt in einer großen Halle. Dort gab es wirklich alles zu kaufen und es hatten auch viele Leute aus anderen Ländern ihre Stände aufgebaut. Danach war unser Programm für diesen Tag beendet. Wir sollten uns selbstständig eine Übernachtungsmöglichkeit organisieren und so fuhren Marte und ich zu einer Schwester meiner Gastmutter. Als wir ankamen hatte sie schon für uns gekocht. Abends schauten wir noch gemeinsam einen isländischen Film. Nachdem wir sehr gut geschlafen hatten, machten wir uns nach einem ausgiebigen Frühstück wieder auf den Weg zum AFS-Büro. Dort wurden wir gleich zum Brote belegen eingesetzt. Gemeinsam besuchten wir das Þjóðmenningarhús, was ein Kulturmuseum ist. Hier gibt es kaum historische oder ältere Gebäude (das älteste Haus in Selfoss ist gerade mal 50 Jahre alt), deshalb wird dieses Haus gleich „das Schloss von Reykjavík“ genannt. ) 




Dort waren Ausstellungen über berühmte Dichter und ähnliches. Am interessantesten fand ich die Ausstellung über die Insel Surtsey. Sie gehört zu der Westmännerinselgruppe und ist durch einen Vulkanausbruch entstanden. Der Ausbruch war von 1963-1967 und ist somit der längste Vulkanausbruch der Geschichte Islands. Surtsey wird jetzt zu Forschungszwecken genutzt. Es wird beobachtet, wie sich das Leben auf dieser Insel entwickelt. Und erstaunlicherweise konnte man schon nach sehr kurzer Zeit die verschiedensten Vogelarten dort entdecken.
Dann war unser Kulturwochenende auch schon vorüber. Wir verabschiedeten uns alle beim AFS-Büro. Wahrscheinlich werden wir uns erst wieder kurz vor der Heimreise sehen. Es war ein sehr interessantes und spaßiges gemeinsames Wochenende. Es war schön, wieder alle zu treffen und seine Erfahrungen auszutauschen. Ich fand es faszinierend zu sehen wie viele von uns Austauschschülern sich sehr verändert haben, nicht nur äußerlich, sondern auch der ganze Charakter. Dieses Jahr prägt uns alle gewaltig. 

Das AFS-Büro

Blick auf Reykjavík
Dann haben sich unsere Wege wieder getrennt. Marte, Lara und ich sind noch mit einer Gruppe von AFSern durch Laugarvegur gebummelt und haben uns in ein kaffihús (Cafe) gesetzt. Abends wurden wir von Sigga und Baldur abgeholt. Zu Hause gab es erst mal viel zu erzählen. Wir hatten die Geburtstagsfeier meiner Gastmutter am Sonntag verpasst.
Dienstag früh ging dann wieder der normale Schulalltag weiter. Ich war die Tage danach sehr müde und musste erst einmal die ganzen Eindrücke des Wochenendes verarbeiten.
Bæbæ, hoffe es geht euch gut in Good Old Germany =)
 
       
Home        Zur Berichte-Seite