Landesflagge Lena in Island

Der nach dem April



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halló til Þýskalands!! =)

Bitte verzeiht mir, dass ich mit meinen Berichten so hinterherhinke. Irgendwie komme ich kaum dazu mich hinzusetzen und zu schreiben. Hier ist einfach immer irgendwas los. Und jetzt, wo es so lange hell ist, sind wir ständig irgendwie auf Achse.

Also der erste Mai war auch hier ein Feiertag. Ich bin mal wieder mit meinem Vater nach Hornafjörður mitgefahren. Das war zwar schon das zweite Mal die gleiche Strecke, aber diesmal war das Wetter sehr schön und ich habe viel mehr gesehen, weil es endlich mal wirklich hell war.
Bei gutem Wetter sieht man am Horizont die Westmännerinseln. In der Mitte ist Heimaey, die einzige bewohnte der Inseln. Der Ort ist zwischen den beiden großen Felsen.

Man sieht jetzt immer mehr Schafe auf den Farmen, die mit ihren Lämmern meistens frei herumlaufen. Das ist ein unglaubliches Gewusel überall. =)


Diese seltsamen Felsen im Meer sind bei Vík und heißen Reynisdrangar. Vielleicht kommt euch das Bild bekannt vor. Es ist eine viel fotografierte Touristenattraktion.

Ein Blick auf den Gletschersee des Vatnajökulls. Manchmal sind total viele Eisbrocken drin, manchmal nur wenige.
Am nächsten Tag hatte ich Sport Abschlusstest. Trotz mühevoller Vorbereitung und der Hilfe meines schlauen Wörterbuches habe ich viele Fragen nicht wirklich verstanden und musste raten. Dementsprechend hatte ich nachher das Gefühl, dass es auf alle Fälle besser hätte laufen können. Ob ihr es glaubt oder nicht, ich kann immer noch nicht behaupten, dass ich mittlerweile die isländische Sprache beherrsche. Ich kann mich zwar verständigen, aber die Sprache ist einfach zu schwierig um sie innerhalb von einem Jahr richtig zu lernen. Den restlichen Vormittag habe ich mit Marte und Lara in Selfoss verbracht. Nachmittags sind wir mit Sigga und Baldur und den Kids nach Reykjavík gefahren um einen Baby Autositz zu kaufen. Habe ich davon überhaupt schon geschrieben? Sigga und Baldur bekommen bald Nachwuchs. Abends haben wir mal wieder gegrillt. Wir grillen jetzt sehr oft.
Baldur hat ein großes Trampolin für die Kids gekauft, dass wir dann gemeinsam am Samstag im Regen aufgestellt haben. Man sieht in jedem zweiten isländischen Garten eines dieser riesigen Trampolins. Das scheint hier richtig im Trend zu sein. Es hat sich jedenfalls schnell herumgesprochen, dass es jetzt auch auf Kirkjuferja eines gibt, denn abends kamen auf einmal aus allen Himmelsrichtungen Kinder. =)


Am Sonntag, den vierten Mai, war es endlich soweit. Das Baby kam. Baldur und Sigga fuhren vormittags nach Selfoss ins Krankenhaus und schon zwanzig Minuten später erblickte die Kleine das Licht der Welt. Wir saßen alle bei uns zuhause wartend und ganz aufgeregt. Abends haben wir die drei kurz besucht. Ich war ganz überrascht wie viel Verwandtschaftsbesuch sie gleich am ersten Tag bekommen haben. Einen Namen bekommen isländische Babys erst, wenn sie getauft werden. Bis dahin einigen sich die Eltern auf einen Namen, der niemandem verraten wird, und sie wird „die Kleine“ oder  spaßeshalber „Mädchen Nummer 4“ genannt.



Am Montag hatten wir dann unsere Abschlussprüfung in Isländisch. Ich hatte das Glück nur die zwei Prüfungen zu haben (in vielen Fächern waren statt der Abschlussprüfung mehrere kleinere Tests im Laufe des Halbjahres). Also haben da für mich die Sommerferien begonnen. (Werdet jetzt bloß nicht neidisch!! Ich hatte letzten Sommer nur ganz kurze Sommerferien und war hier in Island jeden Tag acht Stunden in der Schule. Und einfacher als in Deutschland war es sicher nicht.) Nachmittags haben wir natürlich alle zusammen Sigga besucht. Die Kleine ist so süß und lieb! =)
Am nächsten Tag habe ich mal wieder durchblicken lassen, dass ich ein absolut hoffnungsloser Tollpatsch bin. =) Marte und ich sind in den Stall gegangen um die Pferde raus auf die Weide zu lassen. Also fangen wir an alle Boxen zu öffnen und was mache ich? Ich lasse natürlich auch den einzigen Hengst auf Kirkjuferja raus zu all den Mädels. Okay, er war in einer anderen Box als gewöhnlich und frisch geschoren, sah also ein bisschen anders aus, aber trotzdem... Wir haben es aber glücklicherweise rechtzeitig bemerkt und dann ging die Verfolgungsjagd los. Letztendlich ist es uns aber gelungen ihn wieder in den Stall zu bringen ohne dass es nächstes Jahr ungeplante Fohlen geben wird. =)
In den nächsten zwei Tagen war ich mit meinen Pabbi unterwegs nach Ísafjörður in den Westfjorden. Die Firma, für die mein Gastvater arbeitet, verteilt Tierfutter im ganzen Land. Wir waren den ganzen Tag unterwegs. Die Fahrt nach Norden ging sehr schnell und ich habe mir schon gedacht, wir hätten bald unser Ziel erreicht. Aber dann kamen wir in die Westfjörde und schon ging es um einiges langsamer voran. 

Schaut euch die Karte an! Ísafjörður ist links oben am Rand. Und wir kamen von rechts unten. Die rote Linie markiert die Straße, die nicht einmal asphaltiert ist. Also ging es endlos Fjord-rein, Fjord-raus. Eine Abkürzung über die Berge ist nicht möglich und selbst wenn es Wege gäbe, könnte man sie nicht mit dem schweren LKW passieren. Im Winter ist es unheimlich gefährlich die vereisten und engen Wege zu fahren. Ich bewundere meinen Gastvater, dass er sich das überhaupt zutraut.
Aber für mich war es einfach nur herrlich. Das Wetter war in Ordnung, nur ein bisschen neblig und bewölkt. Und die Aussicht war genial. Ich habe wirklich Glück, auf diese Weise das Land viel besser kennen lernen zu können. Es war echt gigantisch. Wir fuhren auf diesen schmalen Wegen, auf der einen Seite ist eine Felswand, von der kleine Wasserfälle herunterplätschern, und auf der anderen Seite ist das blaue Meer. Aber ich höre jetzt mal auf zu schwärmen, schaut es euch selbst an.



Und das ist Ísafjörður...
Ísafjörður ist ein gemütliches kleines Städtchen mit einer tollen Atmosphäre. Wir haben abends einen kurzen Spaziergang durch die Straßen gemacht.  Die Leute aus Ísafjörður bilden sich ziemlich viel ein auf ihre Heimatstadt, von wegen es wäre der schönste Ort in ganz Island. Das ist aber nachvollziehbar, wenn man mal dort war, sie haben absolut recht. =) Im isländischen Winter ist es aber eher nicht so lustig dort zu leben, weil im Grunde rings herum Meer ist und deshalb kann es dort gewaltig stürmen.  
Am nächsten Morgen musste mein Vater mit dem LKW in die Werkstatt um irgendeine Kleinigkeit in Ordnung bringen zu lassen. Ich bin währenddessen im Hafen herumspaziert und habe Vögel beobachtet.
Und dann haben wir den Heimweg angetreten und wieder sind wir endlos zurück durch die Fjörde geholpert. Ein Erlebnis!!
und weiter in den Süden
Mir ist auf der Fahrt aufgefallen, wie dünn besiedelt die Landesmitte ist. Man könnte echt meinen, man sei auf dem Mond, wenn man dann auch noch die ganzen moosbewachsenen Lavafelder um sich herum hat. Aber klar lebt niemand auf dem Hochlandplateau. Das ist vollkommen unbefahrbar im Winter.
...und schon waren wir wieder in Reykjavík...

Da wir früh aufgebrochen waren, kamen wir schon um fünf in Reykjavík an und haben natürlich gleich neue Aufträge bekommen. Also haben wir den LKW beladen, um einige Farmen in Ölfus und Umgebung mit Futter zu beliefern. Ich habe die Chance genutzt um einige Fotos aus dieser guten Perspektive zu machen. 


Auf dem Weg nach Hveragerði, in der Nähe wohnt meine Schwester Dagbjört auf einer Farm unter den Felsen.

Eine Farm in Ölfus

Kotstrandarkirkja

Die Brücke über den Ölfusá in Selfoss
Selfoss im Abendlicht
und mein absolutes Lieblingsmotiv, der isländische Himmel....

Endlich zu Hause
Die Fahrt war sehr faszinierend und natürlich ist es auch immer total lustig mit meinem Vater unterwegs zu sein. Wir scherzen den ganzen Tag lang.

In den nächsten Tagen kamen ständig Regenschauer und überall haben sich riesige Pfützen gebildet. Am 2. Maiwochenende machten wir uns auf den Weg nach Akureyri. Meine Gasteltern waren am Sonntag auf einer Konfirmation eingeladen und wir haben die Gelegenheit genutzt um das Wochenende in einem Sommerhaus bei Dalvík (etwas nördlich von Akureyri) zu verbringen und uns die Gegend näher anzuschauen. Am Samstag sind wir also gegen Mittag aufgebrochen und haben die siebenstündige Fahrt angetreten. Ich wundere mich immer noch, wieviel die Isländer fahren und noch dazu bei den hohen Benzinpreisen (1Liter = ca. 2 €). Langweilig war die Fahrt aber keineswegs, es gibt immer genug zu sehen. Das Land ist einfach so wahnsinnig faszinierend.. 

Auf der Fahrt...

Der Berg Baula (ähnlich einer Pyramide, er sieht von allen Seiten gleich aus)

Spontan ist meinen Gasteltern die Idee gekommen einen über mehrere Ecken mit meiner Mutter verwandten Onkel in der Nähe von Hvammstangi zu besuchen. Was erst nicht besonders aufregend klang, wurde zu einem Erlebnis. „Steini Frændi“ (Onkel Þórsteinn) lebt im Sommer in einer kleinen Hütte an dem See Miðfjarðarvatn ohne Strom und fließend Wasser. Nicht mal eine Toilette hat er. Er repariert uralte Traktoren und lebt vom Fischen. An den Wochenenden besucht ihn ein Bekannter aus Reykjavík. Die beiden haben Pönnukökur (isländische Pfannkuchen) für uns gebacken. Echt lustige Kerle. =) 


Steini Frændi


Hier hat er für uns das Netz gecheckt, leider aber nichts gefangen.
Als nächstes haben wir bei Þórdísarlundur, eine Art kleiner Park, angehalten.

Blönduós
Silfrastaðakirkja im Skagafjörður, eine besondere Kirche, sie ist achteckig
Unser Sommerhaus in wunderschöner Lage direkt am Meer. Abends haben wir uns dann im Hotpot entspannt, nachdem wir mindestens eine Stunde mit der Wassertemperaturregelung gekämpft hatten. Das klingt vielleicht als wäre es absoluter Luxus, aber hier in Island ist es ganz normal, dass das in den Sommerhäusern dabei ist. Manche haben sogar ihren eigenen im Keller. Grímur, ein Bruder meines Gastvaters, der in der Nähe wohnt, hat uns zum kvöldkaffi (Abendkaffee, in Island wird immer abends um 11 oder 12 oder noch später gemeinsam Kaffee getrunken) eingeladen. Also fuhren wir nachts um halb eins (es schockt mich immer noch, aber es ist ganz normal) auf die Farm Melar zum Kaffeetrinken. In diesen Tagen im Norden ist mir besonders deutlich aufgefallen, dass es jetzt gar nicht mehr dunkel wird. Es dauert lange bis die Sonne vom Himmel verschwindet und um Mitternacht sieht es nach Dämmerung aus. Gleichzeitig wird es aber auch schon wieder heller. Und ich frage mich nur noch „Wo bleibt die Nacht?“ =)
Am nächsten Vormittag haben wir uns Eyjarfjðrður, der Fjord, in dem Akureyri liegt, angeschaut. . 

Svalbarðseyrarkirkja

Laufás

Leuchtturm bei Svalbarðseyri

Traktor „Farmal Cub“ fahren =)

Mit diesem Ding wurden früher die Kartoffen gesääht

eine alte Brücke

Glerárkirkja in Akureyri (nicht die größte und bekannteste)
Während meine Eltern auf der Feier waren, sind Marte und ich kreuz und quer durch Akureyri gelaufen. Da Pfingstsonntag war, waren alle Geschäfte geschlossen, und so haben wir uns einfach die Stadt angeschaut. Nachdem wir manche Straßen zweimal entlang gelaufen waren, haben wir einen kleinen Park gefunden mit Wegen, die in der Form eines Sterns angelegt waren und sind die alle abgelaufen. =) Akureyri kennen wir jetzt.
Abends hatte uns Grímur zum Essen eingeladen. Es wurde sehr unterhaltsam. Er hatte mit der Viehhaltung aufgehört und kümmert sich jetzt darum, einen Wald anzulegen. Dazu hat er ein riesiges Stück Land gekauft auf dem auch noch eine alte Farm steht. Ob er die renoviert oder abreißt, weiß er noch nicht genau. Grímur wollte uns seinen Wald zeigen und so haben wir uns auf den Weg gemacht um den Wald anzuschauen. Es stellte sich heraus, dass es nicht mehr als eine Anreihung 30 cm großer Bäumchen war. Aber er fängt ja erst an. Das Wald anlegen wird hier immer populärer. Ich weiß aber nicht wirklich warum. Fürchterlich geflucht hat er über einen benachbarten Bauern, der sich kürzlich ein paar Schafe angeschafft hatte. Wegen den paar Schafen müssen jetzt alle Farmer in der Nähe ihr ganzes Land einzäunen, damit die Schafe nicht alles wegfressen. In Island werden nicht die Schafe eingezäunt, sondern das Land, das sie nicht fressen dürfen. Das ist natürlich nicht immer der Fall, aber im Grunde laufen überall Schafe frei herum, die dann im Herbst zusammengetrieben und im Réttir sortiert werden. 
Am Montag machten wir uns auf den Nachhauseweg, nachdem wir das Sommerhaus geputzt und bei Grímur zu Mittag gegessen und Reifen gewechselt hatten.

Das ist Hrísey, eine kleine bewohnte Insel im Eyjafjörður.

Marte und ich vor unserem súmarbústað Hlið.

isländische Kühe

In Kvíabekkur haben wir eine lustige Kirche entdeckt.

Sie war kunterbunt...

...und direkt vor der Tür waren Pferdeäpfel.

Hier war jemand aber ganz schön neugierig.

Wir sind durch den Ort Hólar gefahren. Dort gibt es eine Art Pferde-Uni. Marte überlegt dort zu studieren. Die Kirche dort ist besonders schön. Langsam frage ich mich echt, was die Isländer nur immer mit ihren Kirchen haben. =)

Sauðárkrókur

Und wieder im Süden...

Hafravatn
So, jetzt reicht es erst mal für heute.

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