Landesflagge Lena in Island

gefüllter Schafsmagen


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Sæl og blessuð!
(= Seid gegrüßt! ;wörtlich: Ihr Glücklichen und Gesegneten!)
Für die, die noch nicht von meinen Berichten gelangweilt sind und sie immer noch fleißig lesen, habe ich schon wieder eine Menge zu erzählen. =)
Am Montag hatte ich einen sehr spannenden Schultag. Nach der ersten Schulstunde ist „Franska 403“, also mein Französisch Kurs, um zehn Uhr morgens zu einer „Voyage mystérieux“ nach Reykjavik aufgebrochen. Es war ein „mysteriöser Ausflug“, weil wir nicht mehr wussten, als dass es nach Reykjavík geht und dass wir französisch sprechen müssen. Außerdem war auch „une personne mystérieuse“ (eine mysteriöse Person) dabei, die nur französisch gesprochen hat und unsere Aufgabe war herauszufinden, wen diese Person darstellt. In Reykjavík angekommen haben wir eine kleine französische Führung in der „L'Alliance Française“ bekommen. Das ist so eine Art Mediathek mit Unmengen französischer Bücher, Filmen und allen möglichen anderen Dingen. Wir haben auch einen interessanten Ausschnitt eines französischen Films gesehen, in dem Jugendliche über ihre Motivation für Französisch Lernen gesprochen haben. Um ehrlich zu sein glaube ich, dass meine isländischen Mitschüler nur sehr wenig verstanden haben. Hier in Island lernt man seltsamerweise nicht, die Fremdsprachen zu sprechen, sondern man lenrt nur Übersetzen und Grammatik. Danach sind wir in ein (oder das einzige?) französisches Restaurant in Reykjavík gegangen, „Le Rendez-vous“. Das Restaurant gibt es erst seit einem Jahr und es wird von einer französischen Familie betrieben. Die Einrichtung und Möbel sind vollständig aus Frankreich. Wir haben ein richtiges französisches Essen bekommen mit „Fois Gras“ und allem Drum und Dran und die Familie hat uns auch zu allem erklärt wie es hergestellt wird und wo es herkommt. Es war richtig lecker, aber natürlich war der ganze Spaß sehr teuer, weil sie alle Zutaten aus Frankreich importieren und so haben wir viele große Teller mit wenig drauf bekommen und sind letztendlich genauso hungrig wie davor wieder mit dem Bus zurück nach Selfoss zur FSU gefahren. Die Sache mit der mysteriösen Person ist dann irgendwie total untergegangen. Es war aber sowieso nur ein Deutschlehrer und ich glaube er sollte irgendeinen französischen Detektiv darstellen.
Nach der Schule haben Marte und ich den zweiten Teil unseres Sportbuches fertig gemacht. Es war wirklich sehr lustig, weil wir manchmal die Fragen nicht richtig übersetzen konnten und dann einfach nach Stichwörtern aus den Fragen im Buch gesucht haben und irgendwelche Sätze, die uns logisch erschienen, als Antwort geschrieben haben. Letztes Mal hat diese Methode jedenfalls ganz gut geklappt. =)
Abends haben wir zusammen mit meinem Vater und Finnur altes Heu aus dem Pferdestall geschaufelt und durch einen frischen Heuballen ausgetauscht. Danach haben wir noch leere Flaschen und Dosen gezählt, damit die entsorgt werden können. Anfang Dezember ist hier ein großes Weihnachtsessen mit der ganzen Familie und es ist hier eine Tradition, dass man das Geld, was man als Pfand für die Flaschen und Dosen bekommt, dazu verwendet. Es war sehr spaßig und Marte und ich konnten dadurch gut das Zählen auf isländisch üben.

Am Dienstag hatte ich kein normales Schwimmtraining, weil stattdessen der Schwimmverein in Selfoss einen Wettkampt gehalten hat. Ich bin diesmal noch nicht mitgeschwommen, weil ich nicht wirklich gut genug bin und, um ehrlich zu sein, auch gar nicht so scharf auf Wettkämpfe bin. Aber ich habe mitgeholfen. An jeder Bahn stehen zwei Leute, die die Zeit nehmen und die Namen, die Disziplin und die Zeit auf kleine Zettel aufschreiben. Meine Aufgabe war es, diese Zettel einzusammeln, was bedeutete, dass ich die ganze Zeit gerannt bin. Noch dazu dachte ich, dass der Wettkampf so wie das Training außen ist und bin deshalb mit warmer Strumpfhose und Winterjacke gekommen, was dann in der warmen Halle doch nicht so lustig war. =) Mich hat es fast vom Hocker gehauen, als mein Lehrer für Holzverarbeitung aufgetaucht ist. Er hat die Moderation gemacht. Ich wusste zwar, dass er oft ins Schwimmbad geht, aber dass er im Schwimmverein ist, damit hatte ich dann doch nicht gerechnet. Er war aber nicht weniger überrascht mich zu sehen. Insgesamt war es eine sehr interessante Erfahrung und es hat trotz der Wärme jede Menge Spaß gemacht.


Am anderen Ende des Beckens ist Svanur, mein Lehrer in Holzverarbeitung

Die mutigen Schwimmer

Hier ist immer das ganz normale Training. Wir bekommen seit einigen Wochen Flutlicht, weil es jetzt meistens schon um circa drei Uhr dunkel wird.
Nach dem dreistündigen Wettkampf hatten wir dann unser erstes AFS-Treffen. AFS ist hier eigentlich hauptsächlich in Reykjavík und Akureyri aktiv. Aber unsere Freiwilligen (also die Retournees, die Jugendlichen, die in den letzten Jahren mit AFS im Ausland waren und jetzt bei AFS mitarbeiten) im Suðurland (Südland) haben vor kurzem sozusagen auch ein Komitee gegründet und wollen ab und zu irgendwelche Aktionen zusammen mit uns Austauschschülern machen. Wir haben uns im „Kaffi Krús“, einem bekannten Café in Selfoss, getroffen um einfach ein bisschen zusammen zu sitzen, zu plaudern und Spaß zu haben. 

Unsere Volunteers
Das sind wir AFSer in Selfoss:
Lara, (hinten), Marte, ich, Fabiola aus Italien, Adriana aus Venezuela und Lucia aus Italien

Am Mittwoch war mal wieder abwechslungsweise ein ganz normaler Tag. Ich war wieder wie gewohnt beim Schwimmen. Allerdings ist das Training diesmal ausgefallen und wir waren stattdessen gemütlich im Hot-Pot gesessen und haben über den Wettkampf gesprochen. Nächsten Dienstag wird dann wieder ein Wettkampf sein. Dieser war nur innerhalb unseres Schwimmvereins in Selfoss und zum nächsten kommen dann auch Jugendliche von anderen Schwimmvereinen aus der Umgebung.
Donnerstag Abend haben wir etwas ganz besonderes gemacht. Hier wird jedes Jahr Leberwurst und so etwas ähnliches wie Blutpudding selbst hergestellt fast so wie in alten Zeiten. (Blutpudding ist laut Marte gar nicht so schlimm wie es klingt. Ich hatte leider noch nicht die Gelegenheit es selbst zu probieren.) Jedenfalls haben wir (Meine Mamma, Sigga, Dagbjört, Marte und ich) den ganzen Nachmittag Schafsmägen zusammengenäht. (Nein, ihr habt euch nicht verlesen. =) Wow, ich hätte nie gedacht, dass ein Schafsmagen so riesig ist. Die können ja wirklich Unmengen essen! Die leeren Schafsmägen werden in fünf Teile geteilt, die dann bis auf ein kleines Loch zugenäht werden. Nachdem das erledigt war, wurden sie mit Leberwurst und eben diesem Blutzeugs (ich kann es nicht übersetzten, aber das isländische Wort hilft euch sicher auch nicht weiter =), was meine Mutter und Dagbjört zubereitet hatten, gefüllt. Das war alles noch ganz okay, aber als wir dann die gefüllten Schafsmägen komplett zugenäht haben und teilweise die Leberwurst oder die blutige Pampe rausgequollen sind, ist wir dann doch ein bisschen anders geworden. Ich habe gar nicht gedacht, dass ich da so empfindlich bin. Letztendlich habe ich irgendwann aufgegeben und bin zu Baldur ins „gamla hús“ rüber gelaufen um ihm beim Kochen zu helfen. Mir war so schlecht, dass ich den ganzen Abend nicht essen konnte. Natürlich haben mich dann alle ausgelacht =) 

Sigga und ich beim Nähen. Diese Fetzen auf dem Blech sind jeweils ein Fünftel Schafsmagen

So sahen die gefüllten Schafsmägen aus - wer ekelt sich da nicht?


Meine Mama und Marte beim Blutpudding
zubereiten

Unser kleiner Sonnenschein =)
Sie fängt so langsam an, ihre ersten
Worte zu sprechen

Am Freitag mussten wir unsere Kurse für das nächste Semester wählen. Jeden Freitag haben wir 20 Minuten „umsjón“ (nagelt mich bitte nicht fest, ich habe keine Ahnung, wie das geschrieben wird). Das bedeutet, dass alle Schüler in Gruppen eingeteilt sind und sich in dieser Zeit jede Woche mit ihrem Lehrer (sozusagen der Betreuer für diese Schülergruppe) treffen, um irgendwelche organisatorischen Sachen zu besprechen. Das ist nötig, weil wir ja keine Klassen haben. 

Wir haben schon eine Woche vorher Informationen über die Kurse bekommen, die wir wählen können. Und das war auch gut so, weil es so viele Kurse sind, alles was man sich nur vorstellen kann. Als Austauschschüler sind wir ja nicht an irgendwelche Zweige oder so gebunden und können deshalb, wenn es nicht anders von unseren Schulen in Deutschland (oder wo auch immer) vorgeschrieben ist (ich weiß natürlich von nix =), eigentlich alles wählen was wir wollen. Ich war total überrascht von dem vielfältigen Angebot an Kursen. Da gibt es Philosophie, „Soziale Kompetenzen“ (ich habe keine Ahnung wie ich das anders übersetzen soll), Chinesische Kultur, Technisches Zeichnen, Pferde-Theorie, Schmieden, Kochen, Textil und Design von Kleidung, mindestens zehn verschiedene Sportkurse, Spanisch, Dänisch, Deutsch, Französisch und Englisch Literaturkurse, Buchführung, Betrienswirtschaft,  Kunst und Kultur, mindestens drei verschiedene Geschichtskurse (natürlich über isländische Geschichte), wie man Kinder erzieht, alle möglichen Mathe Zusatzkurse, ein Kurs über Kinderbücher, ein Tierkurs (ich weiß nicht, was das genauer ist), Chor, Musik, ein Kurs über den Umgang mit Finanzen, Tanzkurs, .......einfach alles, was man sich nur vorstellen kann und natürlich noch die ganz normalen Fächer wie Biologie, Physik, Chemie, Isländisch.....

An diesem Wochenende haben wir dann die beiden Pferde geschlachtet, von denen ich am Ende meines letzten Berichtes geschrieben habe. Wer jetzt von den Schafsmägen geschockt ist sollte lieber nicht weiterlesen =) Es ist hier sehr teuer, die Pferde zum Schlachthaus zu bringen - also warum sollte man es nicht selbst machen, wenn man es kann. Ich denke es ist besser, wenn ich euch die Details erspare. Mir kommt es doch etwas makaber vor, davon auf meiner Homepage zu schreiben. (Keine Angst, Fotos gibt's keine!!) Freitags wurden also die Pferde erschossen, das Fell abgezogen und die vier Hälften aufgehängt. Während Marte eifrig mitgeholfen hat, habe ich es bevorzugt, den Tag mit meiner Gastmutter zu Hause zu verbringen. Mir hat schon der Blick aus dem Fenster genügt. Für Marte war es unheimlich interessant. Sie möchte vielleicht mal Tierärztin werden. Jedenfalls war es für sie eine gigantische Erfahrung, ein Pferd von innen zu sehen und ein Pferdeherz in den Händen zu halten. Sie hat das auch ganz gut weggesteckt, weil wir es schon Wochen vorher wussten und sie sich so gedanklich darauf vorbereiten konnte.
Ich habe mit meiner Mutter gekocht. Es gab Schafsherz und -nieren. Ich glaube, hier wird wirklich alles vom Schaf gegessen und es schmeckt auch viel besser als es klingt oder aussieht, obwohl die Nieren doch etwas gewöhnungsbedüftig sind. =) Außerdem haben wir eine isländische Quizshow im Fernsehen gesehen. Hier läuft gerade so ein Wettbewerb zwischen isländischen Städten. Letzte Woche ist Selfoss gegen Akureyri angetreten. Leider hat Akureyri gewonnen =(
Am Samstag gab es dann natürlich sehr viel zu tun, weil das ganze Fleisch von den Pferdeknochen gekratzt, geschnitten und in Wurst und ähnliche Dinge verarbeitet werden musste. Meine Gasteltern, Baldur, Sigga, Marte, Dagbjört und Hebbi und Imba (Hebbi ist mein Cousin, also der Sohn eines Bruders meines Gastvaters, und Imba seine Frau) haben also den ganzen Tag im Keller an den Pferdehälften rumgeschnippelt, während ich mit Finnur Kinder gehütet habe. Nachmittags habe ich dann Waffeln für die ganze Truppe gebacken. Waffeln werden hier genauso wie „Pönnukökur“ sehr oft zum Kaffee gegessen. Allerdings sind die hier irgendwie weicher und mit weniger Zucker. Dafür isst man sie mit Marmelade und gaaaanz viel Sahne. Abends nach getaner Arbeit haben die Jungs (Baldur, Hebbi und mein Pabbi)  dann natürlich wieder ziemlich viel getrunken. Das ist hier ganz normal, dass man jeden kleinen Anlass zum Feiern nützt.
Am Sonntag haben dann natürlich alle sehr lang geschlafen. Nachmittags sind Baldur, Hebbi, Finnur, ich und die Kids ins Gelände zu den Pferden gelaufen (vielleicht sollte ich besser gestolpert sagen, bei dem unebenen Gelände) um nach Óskars und Alex's (die Söhne von Hebbi und Imba) Pferden zu schauen. Wir haben aber nur eines entdeckt. Das andere muss wohl weiter weg gewesen sein. Das Gelände ist einfach so riesig. Ich hatte unglücklicherweise als Einzige keine Gummistiefel und deshalb musste mich Hebbi an den ganz schlammigen Stellen oder wenn wir einen der Gräben überquert haben, tragen. 





Mein Vater hat in der Zwischenzeit die Weihnachtslichter am Haus repariert. Weihnachten ist in Island etwas ganz besonderes und es ist wohl nicht übertrieben zu behaupten, dass Isländer total verrückt nach Weihnachten sind. Seit Mitte Oktober ist Weihnachten das Gesprächsthema schlechthin und seit Anfang November sieht man schon die ersten Weihnachtsdekorationen und die Läden sind voll mit Weihnachtsdekorationen und -kuchen. Mein Gastvater mag Lichter sehr gerne und so haben wir jetzt auch schon einen Teil unserer Weihnachtsbeleuchtung an. In Island wird unheimlich viel Strom für Weihnachtslichter verwendet und sie sind auch rund um die Uhr an, weil es ja meistens dunkel ist. Mittlerweile ist es von circa zehn bis vier Uhr hell, also ist es dunkel, wenn ich in die Schule gehe und wenn ich heimkomme schon wieder. Die Dunkelheit macht mir aber eigentlich gar nichts aus. Unser Haus sieht total schön aus mit der Lichterkette dran. Die Brücke über den Ölfusá bei Selfoss wurde auch schon mit einer großen Lichterkette geschmückt. (leider gibts noch keine Photos =)
Sonntag Nachmittag ist mein Vater mit mir Stiefel und Schneeanzug kaufen gegangen. Fast alle Geschäfte hier haben jeden Tag auf, also auch Sonntags. Manche Supermärkte sind rund um die Uhr geöffnet. Ansonsten sind Öffnungszeiten bis zehn Uhr abends ganz normal hier.

Jetzt bin ich in meiner Erzählung schon wieder soweit gekommen, dass ich an meinem Schreibtisch sitze und den Bericht tippe.
Mit meinem Isländisch geht es jetzt in großen Schritten voran. Marte und ich versuchen nur noch isländisch zu sprechen. Klar klappt das nicht ganz, aber es wird immer besser. Manchmal streiten sich unsere Gasteltern aus Spaß wer von uns beiden besser isländisch kann. =) Marte tut sich, glaube ich, leichter, die Wörter zu merken und sie versteht auch schon viel mehr als ich. Das liegt bestimmt auch ein bisschen daran, dass Norwegisch dem Isländischen doch noch ein bisschen ähnlicher ist als Deutsch. Es ist aber super, weil wir uns gegenseitig sehr viel helfen können und dadurch auch unheimlich viel lernen.
Zum Wetter gibt es eigentlich nichts neues zu sagen. Dass es sehr viel dunkel ist, habe ich ja schon oft genug erwähnt. Es regnet immer noch ziemlich viel (Lara und ich sind der Meinung, dass der Regen hier irgendwie nässer ist als in Deutschland =) und es ist natürlich ziemlich kalt. Also haben wir hier schon mit Glatteis und zugefrorenen Autotüren zu kämpfen. Der große Schnee lässt allerdings noch auf sich warten. Ich habe mittlerweile schon ein paar Nordlichter gesehen (in der Fachsprache heißt das Aurora Borealis für die, die es genau wissen wollen =). Sie sind oft zu sehen, wenn es sehr kalt ist und der Himmel klar ist. Sie sehen aus wie leuchtend grüne Vorhänge am Himmel, die sich manchmal langsam, manchmal schnell bewegen. Ich habe meistens meine Kamera nicht parat, aber die ist eh nicht gut genug um richtig tolle Bilder davon zu machen. Da bräuchte man schon ein Stativ und unheimlich lange Belichtungszeit.

Und zum Schluss noch ein interessanter „Fact about Iceland“: Samstag ist „Nammi-“tag (nammi bedeutet Süßigkeiten). In eigentlich jedem Laden, sogar in den Tankstellen, gibt es diese Süßigkeiten, die man sich selbst aussuchen und in Tüten packen kann. Und diese "nammis" kosten Samstags zur Freude aller Kinder immer nur den halben Preis.

Schreibt weiter fleißig in mein Gästebuch!
Viele Grüße von der fernen Insel!!



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