Landesflagge Lena in Island

6 week camp


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Das Abenteuer geht weiter....

An unserer Schule war diese Woche „F.Su.-Festival“, was bedeutet, dass sowohl in der Frühstückspause (von 9:40 bis 9:55 Uhr) als auch in der Mittagspause (12:40 bis 13:10 Uhr) jeden Tag die Schulband für Spitzenstimmung gesorgt hat. Außerdem wäre an einem Abend „kvöldvaka“ gewesen, wo wir aber leider nicht da waren. Das bedeutet, dass man sich einfach trifft um Spass zu haben. Zusätzlich konnte man diese Woche Schulpullover kaufen, also schwarze Kaputzenpullis mit dem F.Su.-Logo drauf. Am Donnerstag war Europäischer Fremdsprachen Tag (ich glaube zumindest, dass man das so übersetzen würde). Zu diesem Anlass bekamen wir in der Mittagspause Besuch von zwei isländischen Sängerinnen. Außerdem haben alle, die französisch lernen, gemeinsam ein französisches Kinderlied gesungen. Die Pausen waren also in dieser Woche sehr abwechslungsreich.

Weiterhin sieht es so aus, als hätte ich jetzt eine geeignete Freizeitbeschäftigung gefunden. Am Dienstag bin ich zum ersten Mal zum Schwimmtraining in Selfoss gegangen. Das ist eine Gruppe von circa 15 Jugendlichen, die sich fast jeden Tag treffen um gemeinsam zu schwimmen. Wir schwimmen eine Stunde lang Bahnen und unsere Trainerin Bryndis bringt uns neue Techniken bei. Die Atmosphäre ist total locker und es macht richtig Spass. Das Schwimmbad in Selfoss ist richtig schön. Neben einer kleinen Schwimmhalle gibt es noch ein Kinderbecken, ein großes Schwimmbecken und zwei heiße Becken mit verschiedenen Temperaturen im Freien. Unser Training ist in dem Schwimmbecken draußen, weil innen zur gleichen Zeit Wassergymnastik stattfindet. Anfangs hat es natürlich ziemlich viel Überwindung gekostet, bei Kälte, Regen und Wind im Freien zu schwimmen, aber selbst daran kann man sich sehr schnell gewöhnen. Isländer sind sehr stolz auf ihre Schwimmbäder. Einerseits weil es sie wirklich in jedem noch so kleinen Ort gibt und andererseits, weil das Wasser aus heißen Quellen kommt und so ganz natürlich beheizt wird. Weil es so viel Spass gemacht hat, bin ich gleich an den nächsten beiden Tagen wieder zum Training gegangen. Donnerstags war es wirklich lustig. Bryndis hat mir immer versucht alles auf englisch zu erklären, was wirklich ziemlich kompliziert war und ich habe auch oft nur die Hälfte verstanden. Dann hat sie mich so ganz beiläufig gefragt, woher ich eigentlich komme und als ich dann gesagt habe, dass ich aus Deutschland bin, hat sie auf einmal angefangen bayrisch zu reden und hat mir erzählt, dass sie zehn Jahre lang in Deutschland gelebt hat. Jetzt ist es natürlich viel einfacher für sie, mir die Techniken genau zu erklären.

Sehr praktisch ist, dass dienstags und donnerstags abends ein Bus von Selfoss nach Hveragerði fährt. Und obwohl der Busfahrer mich eigentlich nur bis zur Abzweigung zu Kirkjuferja an der Hauptstraße (Kirkjuferja liegt übrigens ungefähr zwischen Selfoss und Hveragerði) mitnehmen müsste, fährt er mich dankenswerterweise den ganzen Weg bis zur Farm heim. Mittwochs und Freitags hat Marta Fussballtraining in Selfoss und dann kann Sigga uns gemeinsam abholen, also muss ich nicht extra gefahren werden.

Durch den Schwimmverein hoffe ich auch endlich einmal Freunde zu finden, was mir hier in Island sehr häufig fast unmöglich erscheint. Die meisten Isländer sind sehr verschlossen und Fremde werden sowieso fast immer „übersehen“. Außerdem können Isländer einfach nicht grüßen, das geben sie sogar selbst zu. Wenn man in der Schule zu jemanden aus dem gleichen Kurs „Hallo“ sagt, dann kommt sehr häufig so ein  „Warum-um-alles-in-der-Welt-sprichst-du-mich-an-“ Blick. Das Freunde Finden wird aber sicherlich leichter, wenn ich die Sprache einigermaßen gut kann.

Ich bin also diese Woche meistens erst um kurz nach sechs Uhr abends nach Hause gekommen. Da habe ich dann natürlich nicht mehr viel gemacht außer Hausaufgaben. Wir haben meiner Meinung nach ziemlich viele Hausaufgaben. Allerdings kontrollieren die Lehrer nie, ob man sie wirklich gemacht hat. Wie schon gesagt sind isländische Jugendliche sehr selbstständig und wenn man nicht mitarbeitet, dann muss man selbst mit den Konsequenzen leben. Man hat hier sehr viele Hausaufgaben, wie zum Beispiel irgendwelche umfangreicheren Projekte oder Kunstbilder, die man dann innerhalb einiger Wochen bis zu einem bestimmten Datum abgeben muss. Also ist selbstständiges Arbeiten sehr wichtig. Meistens werden solche Hausaufgaben auch benotet.

In dieser Woche ist mir komischerweise zum ersten Mal aufgefallen, dass es hier gar keinen Schulgong gibt. Isländer sind ja sowieso nicht die Pünktlichsten und es ist auch nicht schlimm, wenn man ein paar Minuten zu spät zum Unterricht kommt. Außerdem gibt es an unserer Schule eine Integrative Klasse. In dieser Klasse sind Schüler mit leichten körperlichen und geistigen Behinderungen. Sie werden hier als ganz normale Schüler akzeptiert und es ist auch nichts besonderes hier Leute im Rollstuhl zu sehen.

Da ich nun schon sechs Wochen hier bin, hatten wir AFSer an diesem Wochenende unser 6-Week-Camp. Das geniale an AFS ist, dass nicht nur der Kontakt zur Familie und der Flug organisiert werden, sondern, dass man als Austauschschüler dann auch im Land betreut wird. Wir haben über das ganze Jahr verteilt einige Camps an Wochenenden um die ganze Gruppe mal wieder zu treffen und Erfahrungen auszutauschen. Am Freitag nach der Schule sind wir (meine Mutter, Marta, Lara und ich) zum AFS-Büro in Reykjavík gefahren. (von Selfoss sind das ca. 40 Minuten). Es war sehr dichter Nebel, sodass wir nichts außer der kurvenreichen Straße ins Tal sehen konnten. Reykjavík ist mir dann auf einmal so richtig groß vorgekommen, obwohl es eigentlich mit deutschen Städten verglichen eher klein ist. Aber immerhin gibt es vierspurige Straßen. Ansonsten besteht Reykjavík aus kleinen Hochhäusern und sehr vielen großen Wohnblöcken. Der Bauboom ist sehr groß hier und sehr viele junge Leute vom Land ziehen nach Reykjavík. Als wir in das AFS-Büro gekommen sind, waren schon sehr viele Austauschschüler da. Es war wunderschön wieder alle „Gleichgesinnten“ zu sehen. Wir haben uns natürlich alle auf Englisch unterhalten. Erstaunlich war, dass die Jungs aus Hong Kong und die Austauschschüler aus Thailand an dem Arrival Camp noch kaum Englisch konnten und sie haben innerhalb dieser sechs Wochen so viel gelernt, dass sie sich jetzt richtig an den Gesprächen beteiligen konnten! So richtig isländisch sprechen kann eigentlich noch keiner bis auf Nick aus der Schweiz, der seine beiden letzten Ferienwochen im Kindergarten gearbeitet hat (Er lebt in Akkureyri, also im Norden, wo die Schule meistens einige Wochen später anfängt). Die meisten von uns können aber schon sehr viel verstehen.

Wir sind dann mit zwei Bussen nach Vindáshlíð gefahren, wo unser Camp stattfand. Unsere Gruppe bestand aus den 43 Austauschschülern und circa 40 isländischen Retournees, das sind Isländer, die mit AFS ein Auslandsjahr in einem anderen Land gemacht haben. Wir sind ungefähr eine Stunde lang gefahren. Die Busfahrt war wirklich lustig, weil man mit allen möglichen Leuten aus den verschiedensten Ländern in Kontakt gekommen ist. Wir haben jetzt auch Nina aus Ghana kennengelernt, die das Arrival Camp verpasst hat, weil es in Afrika irgendwelche Schwierigkeiten mit ihrem Visum gab. In Vindáshlíð angekommen durften wir mal wieder Islands unglaubliche Landschaft bewundern. Unser Haus stand inmitten von Bergen und daneben war auch ein kleiner Fluss. Außenrum waren lauter Sommerhäuser, die Isländer sehr häufig übers Wochenende mieten um zu feiern. Hier ist gerade Mitte Herbst und die ganzen Moose, Flechten und Sträucher leuchten in den schönsten Rot-, Gelb- und Brauntönen.





So sieht ein isländischer Wald aus

Das Haus,in dem wir untergebracht waren
Der Berg wird „Schwarzes Schaf“ genannt, weil er der einzige schwarze Fels weit und breit ist

Als wir ankamen wurden wir erstmal auf die Zimmer aufgeteilt, wobei die Länder kreuz und quer gemischt wurden. Meine Mitbewohner waren beispielsweise aus Grönland, Schweiz, Frankreich, China und Portugal. Nach dem Abendessen wurden uns die Hausregeln vorgestellt und dann haben wir noch einige witzige Spiele zusammen gemacht und hatten jede Menge Freizeit


Filippus (Retournee aus Deutschland), ich, Nam aus Thailand, Marianna aus Deutschland


Marta,Lara und ich


Bilge aus der Türkei und Carsten aus Deutschland

beim Kartenspielen (Uno geht in jeder Sprache =)

Am Samstag wurden wir in Kleingruppen eingeteilt, in denen wir dann gearbeitet haben. Jeder hat von seinen Erfahrungen mit seiner Gastfamilie, mit der Schule und mit den Isländern erzählt. Außerdem haben wir über Unterschiede zu unseren Heimatländern und über typisch isländische Gewohnheiten gesprochen. Nachmittags wollten wir eigentlich einen Spaziergang machen der aber dann im wahrsten Sinne des Wortes „ins Wasser gefallen“ ist. Dafür haben wir ein sehr interessantes Spiel gespielt. Wir saßen in kleinen Gruppen im Speisesaal. Jede Gruppe hat einen Stapel Spielkarten bekommen und ein Blatt mit den Regeln. Wir bekamen kurz Zeit, die Regeln leise zu lesen und ab dann war sprechen absolut verboten. Der Gewinner einer Gruppe musste zur nächsten Runde einen Tisch weiter gehen. Das Absurde war allerdings, dass jede Gruppe andere Regeln hatte. Das heißt, man musste sich irgendwie non-verbal verständigen, wer die Karten bekommt oder wer gewinnt und zum nächsten Tisch darf. Das ist ein Beispiel für ein typisches AFS-Spiel. Meistens haben diese Spiele irgendeinen tieferen Sinn. Wir haben auch viele solche Dinge auf den AFS-Vorbereitungswochenenden in Deutschland gemacht und, wenn man dann im Ausland vor irgendeiner neuen Situation steht, erinnert man sich oft wieder an eines dieser Spiele. Ich glaube das Kartenspiel sollte uns zeigen, wie weit man z.B. ein Deutscher bleiben soll und wie sehr man sich an die neue Kultur anpassen kann / soll. Danach war wieder Gruppenarbeit und wir haben viel über Gefühle wie Heimweh und Einsamkeit und über Erwartungen, die wir vor dem Jahr hatten und die wir jetzt haben, gesprochen. Abends haben wir dann „kvöldvaka“ gemacht, was man in diesem Fall mit „Bunter Abend“ übersetzten würde. Jede Zimmergruppe sollte irgendeinen lustigen Beitrag vorbereiten.


Claudia und Andrea aus Italien, Taylor aus USA


Isländische Volkslieder singen: Frankreich, China, Hong Kong, Deutschland

Claudia aus Italien, ein Junge aus Finnland, dessen Namen zu merken einfach zu kompliziert ist,  Allison aus USA,  ein Junge aus Hong Kong, Marta aus Norwegen und Juan (USA).

Isländischer Retournee, Sara (Retournee aus Indonesien) und nochmal Juan

Ein Junge aus Frankreich
und Oliver aus Australien

Am Sonntag haben wir dann zum hundertsten Mal die AFS-Regeln durchgekaut (ich kann die bald auswendig). Aber es ist natürlich schon wichtig sie gut zu kennen und sich daran zu halten, weil wir ja alle AFS repräsentieren und wenn wir uns daneben benehmen, dann machen wir den Austauschschülern, die nach uns kommen, das Leben schwer. Danach ging es ans Haus putzen. Das Wochenende ging unglaublich schnell vorüber. Es war sehr interessant zu hören wie es den anderen ergeht, wie sie mit ihren Familien klarkommen, wie es in der Schule läuft und ob sie schon Freunde gefunden haben. Wie nicht anders erwartet, waren die Erfahrungen natürlich total unterschiedlich. Es war auch sehr ermutigend zu sehen, dass es den anderen genauso geht und dass sie ähnliche Situationen durchleben. Noch dazu ist es natürlich ein sehr außergewöhnliches Gefühl mit Jugendlichen aus aller Welt in Island zu sein. Wann erlebt man so etwas schon?! Auf einmal merkt man, dass es gar keine Rolle spielt, aus welchem Land man kommt und man legt sehr schnell seine Vorurteile ab, die glaube ich jeder hat, wenn auch nur unterbewusst. Hier noch 2 Bilder:


Karen (Belgien), Bilge (Türkei), Mai und Nam (Thailand) und ich.

Der Versuch eines Gruppenfotos, es fehlen aber noch ziemlich viele.

Auf der Heimfahrt haben wir einen Umweg gemacht um Þingvellir anzuschauen. Þingvellir ist ein sehr historischer Platz Islands. Es ist der Ort, an dem sich die Wikinger einmal im Jahr getroffen haben um neue Gesetze zu machen, also sozusagen das erste europäische Parlament. Man nennt es Alþing. Auch geographisch hat Þingvellir eine große Bedeutung. Dort ist nämlich die Grenze zwischen der nordamerikanischen und der eurasischen Kontinentalplatte und es ist deshalb eine sehr aktive Erdbebenzone. Außerdem ist dort ein sehr großer See namens Þingvallavatn. Leider hatten wir nur sehr kurz Zeit uns das alles anzuschauen. Die Natur ist wirklich genial dort, einfach unbeschreiblich. Es hat so wunderschön ausgesehen, wie das Moos und die Sträucher im Sonnenlicht geleuchtet haben und im Hintergrund waren die grauen und braunen Berge zu sehen. Die Gletscher aus der Eiszeit haben die Felsen hier sehr unterschiedlich geformt. Wir sind einen kleinen Rundweg gelaufen. 

Hier einige Fotos:



Hier haben sich einst mal die Wikinger getroffen

zwischen Nordamerika (links) und Europa (rechts)
ein Troll

In diesen Graben werfen viele Touristen Münzen und wünschen sich dabei etwas. Das Wasser ist total klar und man sieht die Münzen trotz der Tiefe blau schimmern und glitzern.
Nach diesem kleinen Ausflug sind wir zurück nach Reykjavík gefahren, wobei wir am Flughafen einen Zwischenstop gemacht haben um die Austauschschüler, die im Norden leben (Ísafjördur, Sauðakrökur, Akkureyri und Húsavík) zu verabschieden. Zurück am Büro wurde dann jeder von seiner Gastfamilie abgeholt. Martas und meine Gasteltern waren schon in Reykjavík, weil sie auf der Geburtstagsfeier eines Bruders meines Gastvaters (er hat im Übrigen zehn Geschwister!) waren. Wir haben dann noch gemeinsam im Perlan gegessen. Das ist ein sehr modernes Bistro und das Wahrzeichen von Reykjavík. Oben auf dem Gebäude ist eine große Glaskuppel, die sich im Abstand von ein oder zwei Stunden ganz langsam dreht. Man kann von dort aus die ganze Stadt überblicken. Von oben sieht Reykjavík ziemlich bunt aus, weil die Dächer sehr viele verschiedene Farben haben. Das ist hier anscheinend ziemlich im Trend ein blaues Hausdach zu haben.

Auf der Aussichtsterasse

Reykjavík von oben, links eine sehr berühmte Kirche

Das Gebäude Perlan (zu deutsch: die Perle).

Reykjavík again =)
Danach sind wir noch einmal in die Nähe von Þingvellir gefahren. Entlang der Straße waren sehr dicke graue Rohre. Mein Vater hat mir erklärt, dass das Wasser aus Þingvallavatn durch heiße Quellen aufgeheizt wird und dann durch diese Rohre nach Reykjavík gepumpt wird, damit die Leute dort warmes Wasser haben. Dieses Powerplant haben wir dann auch angeschaut. Man sieht es schon von Weitem, weil dort riesige Wasserdampfwolken aufsteigen.

Im Hintergrund ist nochmal Þingvallavatn

Nochmal Þingvallavatn, der See sah aus dieser Perspektive richtig mystisch aus.

Marta und ich (meine Mamma hat ihr auch einen Isländerpulli gestrickt).

die Rohre mit Warmwasser für Reykjavík

Auf der Heimfahrt: hier wird Strom erzeugt.

Nun wisst ihr mal wieder Bescheid, was hier in Island so alles abläuft. Ich hoffe, dass dieser Bericht nicht zu langweilig geworden ist und außerdem möchte ich mich für mein schlechtes Deutsch entschuldigen. Ich brauche hier gar kein Deutsch mehr und ich hätte auch gar nicht gedacht, dass man das so schnell verlernen kann.
Vielen Dank für eure lieben Gästebucheinträge!
   
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