Landesflagge Lena in Island

Meine zweite Woche


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Erstmal ein schönes, aber leider unscharfes Bild vom Mond über dem Ölfusá. Bei klarem Himmel sieht das immer wunderschön aus.



Das ist meine Schule, die F.Su (Fjölbrautaskóli Suðurlands)


und wer es genauer will: Hier kommt ihr zur Homepage der F.Su

Am Montag ging es also wieder in die Schule.

Wir hatten gleich in der ersten Stunde Kunst. Das ist ganz toll hier, weil man mit allen möglichen Materialien arbeiten kann, also nicht nur Bleistift und Wasserfarben, sondern auch so richtig teure Aquarellfarben und alles mögliche andere, was man sich nur so vorstellen kann. Vermutlich liegt das daran, dass man für den Kurs auch zahlen muss, was ich ja schon im ersten Bericht geschrieben habe. Ausserdem war es neu für mich, dass man hier im Kunstunterricht so richtig arbeiten muss. Also man kann nicht so viel trödeln wie in Deutschland und wir haben sogar Hausaufgaben und zwar nicht gerade wenig. Die Kunstlehrerin zeigt uns fast jede Stunde irgendeine neue Technik oder Tricks zum Malen. Das Problem ist nur, dass es gar nicht so einfach ist, das zu verstehen, denn sie erklärt das logischerweise alles auf Isländisch. Nach der Kunststunde hing die Liste für den Chor aus, auf der stand, wer von den neuen Schülern im Chor ist und wer nicht. Ich musste leider feststellen, dass ich nicht genommen wurde, was mir einen ganz schönen Schock bereitet hat, obwohl ich ja darauf vorbereitet war, dass dieser Fall eintreten könnte. Dazu kam dann auch noch, dass meine besten Freunde hier (falls man das schon so nennen kann, ich rede von den Leuten mit denen ich bis jetzt am meisten in der Schule zu tun habe), also Marta, Lara (das andere deutsche Mädchen, das auch an der selben Schule ist) und Josef (der Junge aus Dänemark) es geschafft hatten in den Chor zu kommen. Ich war wirklich extrem deprimiert und den Tränen nahe, weil es einfach super genial gewesen wäre dabei zu sein, ganz abgesehen davon, dass es eine gute Chance gewesen wäre Freunde zu finden, was hier absolut schwierig ist. Man hat mich dann zu der Stundenplan-Dame geschickt, damit ich die frage, ob ich irgendwelche anderen Möglichkeiten habe, was ich mit der Zeit anfangen kann, während der ich eigentlich im Chor gewesen wäre. Die hat mir dann aber gesagt, dass ich schon genug Stunden habe. Okay, jetzt habe ich also noch zwei zusätzliche Freistunden, in denen ich dem Chor beim Singen zuhören darf. Nein, das war mir dann doch zu blöd und ich bin in die Bibliothek gegangen um ein bisschen zu lesen und Mails zu schreiben. In der darauf folgenden Stunde hatte ich Französisch. Ich musste feststellen, dass sie mich etwas falsch eingestuft haben, weil ich den ganzen Stoff bereits kannte. Allerdings sind die meisten anderen Kursteilnehmer teilweise schon um einiges älter als ich. Ich war fast geschockt, als ich merkte wie wenig Französisch sie können. Ausserdem klingt es überhaupt nicht nach Französisch, wenn Isländer versuchen Französisch zu sprechen. Das muss man echt mal gehört haben, klingt sehr komisch.

In der Stunde bin ich mit Sara ein bisschen ins Gespräch gekommen. Sie war vor ungefähr drei Jahren mit AFS in Indonesien. Wir haben uns unterhalten und sie hat mir den Vorschlag gemacht mir Selfoss zu zeigen. Natürlich war ich total begeistert von der Idee und wir haben uns gleich für Dienstag verabredet. Denkt jetzt aber nicht, dass das normal wäre. Ein normaler Isländer hätte das nie getan. Man merkt einen gewaltigen Unterschied zwischen Isländern und Isländern, die schon mit AFS unterwegs waren. Isländer sind zwar freundlich, wenn man sie etwas fragt, aber sie zeigen überhaupt gar kein Interesse und sagen weder "Hallo" noch "Tschüss" (naja hier dann eher "Hæ" und "Bæ", was man wie unser "Hi" und "Bye" ausspricht). Die Isländer, die ein Auslandsschuljahr gemacht haben, sind zumindest etwas offener.

Nach Französisch hatte ich dann noch Mathe und auch hier kam mir der Stoff sehr bekannt vor. Ich habe in der Zeit, in der ich hier bin, festgestellt, dass hier die Lehrpläne nicht so voll gepackt sind wie in Deutschland. Die Schüler lernen so zwar insgesamt weniger, aber sie üben mehr und lernen auch nicht so viel überflüssiges Zeug. Auch die Atmosphäre im Unterricht ist viel lockerer. Man meldet sich nicht, sondern redet einfach drauf los. Wundersamerweise ist es aber deshalb nicht laut, sondern trotzdem vollkommen geordnet. Man bekommt nicht eine Aufgabe nach der anderen reingedrückt, sondern hat immer genügend Zeit und die meisten Lehrer gehen auch durch die Reihen und helfen den Schülern bis es der letzte verstanden hat. Ausserdem kann man einfach so ohne um Erlaubnis zu fragen das Klassenzimmer verlassen, um auf die Toilette zu gehen. Handys sind auch nicht verboten. Es ist zwar nicht erwünscht, wenn ein Handy im Unterricht klingelt, was ständig passiert. Die Lehrer sagen aber auch nichts dagegen.

Zusätzlich ist es nicht schlimm wenn man zu spät kommt, solange es nur 5-10 Minuten sind. Pünktlichkeit ist sowieso Nebensache hier in Island. Man trifft nur wenige Isländer, die pünktlich zu einer Verabredung erscheinen. Die Lehrer haken meistens eine Anwesenheitsliste ab und wer nicht da ist, bekommt eine Fehlstunde eingetragen. Es gibt hier zwei verschiedene Arten von Nicht-anwesend-Sein. Entweder man ist wegen Krankheit entschuldigt, was dann nicht als Fehlstunde zählt, oder man kommt einfach nicht, weil man beispielsweise keine Lust hat in die Schule zu gehen. In den meisten Kursen darf man vier bis fünf Stunden unentschuldigt fehlen, in Sport ist dieses Limit allerdings auf zwei Stunden beschränkt. Wenn man diese Grenze überschreitet, wird man aus dem Kurs rausgeschmissen und muss ihn im nächsten Semester neu machen. Nach der Schule, die hier normalerweise bis 16:00 Uhr dauert, habe ich eigentlich nicht mehr viel gemacht. Ich war immer noch ziemlich fertig, weil ich es nicht in den Chor geschafft habe und bin an diesem Abend auch sehr bald ins Bett gegangen.

Am Dienstag hatte ich gleich in der ersten Stunde Holzverarbeitung. Dieses Fach wird in einem Nebengebäude der Schule unterrichtet, weil es in einer Art Werkhalle ist mit den ganzen Maschinen, die man dazu braucht. Vor den Klassenräumen ist ein kleiner Aufenthaltsraum, wo die Schüler sitzen um auf den Lehrer zu warten. Als ich rein kam war ich erstmal verwundert: Isländer können nicht grüssen, das hatten wir schon auf dem Arrival-Orientation-Camp gelernt. Allerdings ist das in der Realität wirklich sehr komisch. Da kommt einer nach dem anderen rein ohne einen Mucks zu sagen oder überhaupt jemanden anzuschauen. Dann setzt man sich möglichst weit weg von allen anderen und döst in Gedanken weiter vor sich hin. Das ist typisch isländisch. Es scheint sehr unfreundlich, aber das ist es nicht, es ist einfach normal so wie es ist.

Als dann der Lehrer kam, bekamen wir so hübsche blaue Kittel, damit unsere Klamotten nicht zu staubig werden. Es war ziemlich lustig, weil keiner von uns Austauschschülern (der Rumäne, ein Engländer und ich) wusste, wie man die anzieht, aber Svanur (der Lehrer) hat es uns natürlich gezeigt. Nach einer langen Erklärung auf Isländisch, wovon wir natürlich nichts verstanden haben, ging es dann an die Arbeit. Das erste Teil, was wir bauen, ist ein Buchständer. Ihr kennt das sicherlich. So ein rechtwinkliges Teil, was man ins Regal stellt, damit die Bücher nicht umfallen. Nachdem wir die richtigen Bretter gefunden hatten, mussten wir sie erstmal sägen. Sehr viel mehr haben wir in dieser Stunde auch gar nicht gemacht, aber das Sägen war schon Abenteuer genug für mich, weil ich noch nie in meinem Leben vorher ernsthaft etwas gesägt habe. Es ist dann natürlich auch total krumm geworden, aber für was hat man denn einen rumänischen Diplom-Holzverarbeiter (keine Ahnung wie das richtig heisst). Er hat mir geholfen das Brett wieder gerade zu bekommen. Die Stunde war sehr anstrengend, aber es hat sehr viel Spass gemacht.

Der restliche Schultag war eigentlich ganz normal. Ich hatte noch Englisch (der Stoff ist auch sehr einfach. Langsam glaube ich, dass Austauschschüler absichtlich leichter eingestuft werden, weil es dann nicht so schwierig für sie ist) und Isländisch. In den ersten Isländischstunden haben wir Arbeitsblätter mit Bildchen bekommen, wo man dann die passenden Wörter zuordnen muss, also so wie in der Vorschule im Kindergarten. Klingt komisch, ist aber total hilfreich. Mittlerweile haben wir schon ein bisschen mit der Grammatik angefangen. Also noch die einfache Grammatik so wie Geschlechter von Nomen bestimmen (das ist ganz schön knifflig, weil es genauso wie im deutschen kaum Regeln dafür gibt), Fragepronomen und Deklinationen von Verben wie "haben" und "sein". Ausserdem hatte ich mal wieder eine Freistunde.



In den Freistunden sitzen wir Austauschschüler meistens zusammen. Hier auf dem Bild die beiden Jungs aus England und Fabiola aus Italien

Nach der Schule haben wir (Marta und ich) uns mit Sara getroffen und wir sind zusammen mit Saras Auto durch Selfoss gefahren. Hier bekommt man den Führerschein schon mit 17 und man übt nach ein paar wenigen Fahrstunden mit den Eltern bis zur Prüfung. Leider konnten wir nicht laufen, weil es geregnet hat. Aber wir wären wahrscheinlich auch bei Sonnenschein mit dem Auto gefahren, Isländer fahren nämlich immer - jeden noch so kleinen Weg - mit dem Auto. Sara hat uns alle möglichen für uns interessanten Gebäude gezeigt, also das Kino, die Cafés und Fast-Food Restaurants (Mc Donalds gibst nur in Reykjavík, hier ist Subway und KFC), das Schwimmbad, die Post, die Banken und alle möglichen Läden. Ausserdem war ihr auch sehr wichtig, dass wir den Hot Dog-Stand kennen, an dem es angeblich die allerbesten Hot Dogs in ganz Island gibt. Wir waren auch in der Bibliothek von Selfoss um uns Karten zum Bücher ausleihen zu holen. Die Bibliothek ist echt toll und es gibt dort auch viele deutsche und englische Bücher. Ausserdem hat Sara uns den Tipp gegeben, isländische Kinderbücher zu lesen, um die Sprache schneller zu lernen. Dann waren wir noch im Schwimmbad, um zu fragen, ob es hier eine Gruppe oder ein Team für Jugendliche gibt, das sich regelmäßig zum Schwimmen trifft. Ich bekam zwei Telefonnummern, wo ich mich mal erkundigen kann. Trotz der Stadtführung habe ich noch keine richtige Orientierung hier in Selfoss und mir scheint es, als würde jede Strasse gleich aussehen, aber das kommt schon noch. Mir ist hier auch noch aufgefallen, dass es sehr viele Zebrastreifen gibt und die sind so gemacht, dass man langsam fahren muss, weil da künstliche Bodenwellen sind. Man geht hier einfach über die Strasse ohne zu schauen, denn die Autofahrer halten eigentlich immer. Als krönenden Abschluss sind wir noch in ein in Selfoss sehr bekanntes Café gegangen um eine heisse Schokolade zu trinken. Der Tag war wirklich sehr schön und ich habe an diesem Abend festgestellt, dass ich mich langsam sogar schon ein bisschen daheim fühle hier auf der grünen Insel.

Gefreut habe ich mich auch, dass mein Pabbi daheim war. Leider war er die ganze Woche krank und konnte deshalb nicht arbeiten. Meine Mamma hat mir vorgeschlagen mir einen Isländerpulli zu stricken, worüber ich mich natürlich extrem gefreut habe. Sie meinte sie könnte das, wenn sie wollte, sogar innerhalb von zwei Tagen schaffen, weil sie früher mal ganz viele gemacht hat und die dann verkauft hat. Sie hat mir aber auch erzählt, dass ein Isländerpulli ungefähr 12 000 Kronen kostet, wenn man ihn im Laden kauft, also mehr als 120 Euro, ganz schön teuer. Da bin ich echt froh, dass ich einen gestrickt bekomme!

Mittwoch war ein ganz besonderer und zugleich auch sehr seltsamer Tag, nämlich Busavígsla. Was das ist, erfahrt ihr hier.

Mittwoch Abend haben meine Gastfamilie und ich Dagbjörts Familie besucht, weil ihr Mann Joe Geburtstag hatte. Es war ein wirklich schöner Abend und mir ist mal wieder aufgefallen, dass Isländer totale Familienmenschen sind. Sie besuchen sich sehr oft und die Atmosphäre ist immer sehr fröhlich. Es wird eigentlich immer gelacht, so richtig zum wohlfühlen. Das einzige, was mich gewundert hat, ist die Gewohnheit der Isländer, salzige Kekse mit Käse und Marmelade zu essen. Ich habe es noch nicht probiert, aber vielleicht schmeckt es ja sogar ganz gut. Die Heimfahrt fand ich sehr aufregend. Es war schon ziemlich spät und es war so neblig, dass man kaum zwei Meter weit sehen konnte. Wir sind also im totalen Blindflug heim gefahren. Guðmundur hat mir erzählt, dass es normalerweise regnet, nachdem es so neblig ist und tatsächlich hat es kurz danach angefangen und die ganze Nacht durch geregnet.

Am Donnerstag war wieder ein ganz normaler Schultag. Das einzige neue war, dass man hier auch theoretischen Sportunterricht hat, was natürlich für mich extrem langweilig war, weil ich absolut gar nicht verstanden habe, von was die Lehrerin geredet hat. Und noch dazu konnte sie es mir nicht einmal danach erklären, weil sie nicht Englisch kann. (Das ist die erste Person, die ich hier getroffen habe, die nicht englisch spricht - eigentlich jeder Isländer spricht englisch.) Ich glaube es ging um Muskeln oder irgendetwas in der Art. Am Ende der Stunde waren wir sogar für zehn Minuten in der Sporthalle und durften uns in Form von Fangen spielen zumindest ein bisschen bewegen. Anders ist hier auch, dass Mädchen und Jungs nicht getrennt sind in Sport. Ansonsten hatte ich noch Mathe, Französisch und Kunst. Ich bin ganz froh darüber, dass ich sehr viele Fächer habe, in denen man auch was versteht ohne Isländisch zu können. Mathe zum Beispiel ist ja überall gleich. Dieses Mal habe ich meine Freistunde genutzt um zur Bank zu gehen und meinen Geldbeutel zu füllen. Man kommt sich richtig reich vor mit 40000 Kronen in der Hand, leider sind es eben nur isländische Kronen. Marta und Lara waren dann noch im Chor und es hat mich wieder ziemlich deprimiert sie singen zu hören. Die beiden sind total begeistert und singen danach die ganze Zeit vor sich hin. Abends bekam ich Besuch von meiner Kontaktperson, oder besser gesagt meinen Kontaktpersonen, also ein Ehepaar. Jeder AFSer bekommt für die Zeit im Ausland eine Kontaktperson, die man immer ansprechen kann, falls es Probleme oder Schwierigkeiten gibt - auch und besonders im Bezug auf die Gastfamilie. Die beiden heissen Guðbjörg und Sigurður und sie sind ohne Übertreibung total lieb und verständnisvoll. Sie sind beide Lehrer und unterrichten an einer Schule in Selfoss (nicht an der F.Su.). Wir haben uns ungefähr eine Stunde lang unterhalten und sie haben mir ihre Adresse und Handynummern gegeben. Wir werden uns jeden Monat treffen um uns auszutauschen und damit sie sehen, ob alles gut läuft. Sie möchten mich im September einladen und für mich kochen. Ich freue mich schon total darauf sie wieder zu sehen und näher kennen zu lernen. Sie haben mir sogar angeboten, dass sie einen Ausflug mit mir machen, wenn ich irgendetwas spezielles von Island sehen möchte. Auf dieses Angebot werde ich nur zu gerne zurückgreifen. Ein Mädchen, das für Baldur und Sigga babysittet, hat Marta und mich an diesem Abend ins Kino eingeladen, aber leider konnte ich nicht mitgehen, weil ich ja so netten Besuch hatte.


Am Freitag war dann erstmal wieder Schule. Freitags ist immer ein Treffen aller Austauschschüler an der F.Su., wo man sich eine Viertelstunde lang trifft um mit den beiden Lehrern Paola und Hannes, die dafür da sind, ein Auge auf uns zu haben, ein bisschen über die Woche zu reden. Sie sind auch unsere Ansprechpartner, falls es irgendwelche Probleme oder Unklarheiten an der Schule gibt. Dieses Mal haben wir allerdings nichts weiter gemacht als die Schulregeln besprochen, wobei den beiden sehr wichtig war uns zu erklären, dass wir auf den Parkplätzen parken sollen und nicht irgendwo in der Landschaft, bis sie endlich gemerkt haben, dass wir als Austauschschüler gar nicht Auto fahren dürfen. Das mit den Parkplätzen ist aber wirklich interessant hier. Ich bin der Meinung, dass viele Isländer einfach nicht parken können. Der Schulparkplatz ist ein totales Chaos. Viele parken total schief, andere auf den Grünstreifen und wieder andere lassen ihr Auto einfach da stehen, wo sie gerade sind. Die Lehrer regen sich sehr darüber auf, aber das stört hier keinen. 

Jónína hat mich um vier von der Schule abgeholt und wir sind zusammen Wolle kaufen gegangen für meinen Isländerpulli. Er wird braun und das Muster wird hellbraun und wollweiss. Sie hat noch am selben Abend angefangen zu stricken und jetzt (drei Tage später) kann man schon langsam erkennen, dass es ein Pullover wird. Ich freue mich schon total darauf, wenn er fertig ist. Daheim angekommen habe ich mich erstmal ein bisschen von der anstrengenden Woche ausgeruht. Danach ging es aber gleich weiter. Im Nieselregen sind Marta, Baldur, ein Freund von ihm und ich in einem alten Geländewagen zum Ölfusá (der Fluss) runter gefahren um zu schauen, ob Fische im Netz sind. Für mich war allein die Fahrt ein Abenteuer für sich. Das Gelände war sehr holprig und Baldurs Freund machte sich einen Spass daraus statt auf den Feldwegen querfeldein zu fahren. Nicht nur einmal dachte ich, dass der Wagen umkippt und in den Fluss fällt, aber natürlich ist nichts passiert. Ich bin da wohl auch etwas zu ängstlich gewesen. Am Ölfusá angekommen stiegen wir in ein kleines Ruderboot um das Netz abzufahren. Es war ein grosser Fisch darin, ich glaube ein Lachs. Leider hatten sich auch zwei Vögel in dem Netz verfangen und es war sehr schwierig sie wieder davon zu befreien ohne das Netz zu beschädigen. Natürlich kam für die Vögel jede Hilfe zu spät. 




Ich in professionellen Fischer-
Klamotten (mit Schwimmweste)!



Marta mit unserer reichen Beute.



Dieser Vogel hatte leider Pech, er hatte sich im
Netz verfangen!


Der Ölfusá bei Regen. Der Wasserstand ist schon wesentlich höher als sonst.

Auf der Rückfahrt sind wir durch eine grosse Pfütze gefahren, die das ganze Auto mit Dreck bedeckt hat. Dann haben wir noch die Pferde in den Stall gebracht, weil es wirklich ziemlich geregnet hat. Ich habe mich sehr gewundert, wie die Pferde auf dem holprigen Gelände laufen können, aber anscheinend sind sie das gewöhnt. Wieder im Trockenen bekam ich erstmal einen Schock, denn es schien so, als ob ich meine Kamera durch den Regen vollkommen ruiniert hätte. Erst da fiel mir auf, dass es ihr vielleicht nicht so gut bekommen sein könnte. Wenn ich Fotos aufnehmen wollte, dann sah ich nur einen dichten Nebelschleier. Glücklicherweise hat sie sich wieder ziemlich erholt, nachdem ich sie zum Trocknen auf die Heizung gelegt hatte, allerdings werden die Bilder jetzt nicht mehr ganz so scharf, wie das sonst einmal war. 

Wir bekamen dann noch Besuch von Guðbjörg (eine meiner beiden Gastschwestern, die andere ist Dagbjört) mit Familie. Zusammen haben wir zu Abend gegessen und ratet mal was es leckeres gab! Natürlich Fisch! Es war aber gar nicht der Fisch, den wir gefangen hatten, den gab es am nächsten Tag. Meine Gastmutter kocht wirklich hervorragend! Es gibt sehr viel Fisch und Gemüse. 

Und dann war auch schon wieder Wochenende. Am Samstag habe ich erst mal ausgeschlafen oder es zumindest versucht. Hier wird es sehr bald hell und ich habe keinen richtigen Rollo in meinem Zimmer also wache ich meistens bald auf. Nach dem Frühstück waren wir im Pferdestall, da einige der Pferde neue Hufeisen bekamen. Anfangs habe ich nur zugeschaut, aber dann bekam ich die Aufgabe, den Kopf des jeweiligen Pferdes zu halten und es zu kraulen, damit es nicht zu sehr zappelt. Die Islandponys sind kleiner als normale Pferde. Ich bin mir gar nicht sicher, ob das überhaupt Ponys sind, das sagt hier nämlich keiner so. Ausserdem haben sie noch den Unterschied, dass sie statt drei fünf Gangarten kennen. Genauer kann ich euch das leider nicht erklären, weil ich mich damit selbst nicht auskenne. Dann haben wir Kaffee getrunken, was man hier ziemlich jeden Tag macht, meistens so zwischen vier und fünf. Es gibt da immer total leckere Sachen beispielsweise selbst gebackenen Schokokuchen, Pannakökur (Pfannkuchen) oder Waffeln (die schmecken sehr gut mit selbst gemachter Johannisbeermarmelade und Sahne).

Abends war dann der Busa- Ball , aber darüber mehr auf der Busavígsla - Seite.

Sonntags habe ich dann natürlich mal so richtig schön lang geschlafen. Zum Mittagessen gab es Lamm. Das war wirklich lecker, obwohl ich erst erschrocken bin, als da so ein Schafsfuss auf dem Tisch lag. Sonntags gibt es manchmal auch mittags etwas Warmes zu essen. Dagbjört ist dann mit ihrer Familie gekommen und gemeinsam mit Linda Björk, Margrét Ágústa (Dagbjörts Töchtern) und den Kids von Baldur und Sigga haben wir die Pferde geputzt. Ausserdem mussten natürlich der Stall und die Boxen gereinigt werden. Nach dem Kaffeetrinken sind wir wieder zu den Pferden gegangen und dann war ich das erste Mal auf einem isländischen Pferd gesessen. Ich hätte gar nicht gedacht, dass das so eine wackelige Angelegenheit ist, aber es war wirklich ein tolles Gefühl. Leider wollte das Pferd nur nicht so laufen, wie ich wollte, weil es gelangweilt war. Wir hatten nämlich zuvor die ganzen kleinen Kinder auf dem Pferd im Kreis geführt. Sogar Helga Guðrún war auf dem Pferd gesessen, obwohl sie erst eineinhalb Jahre alt ist. Das sah wirklich sehr putzig aus! Glücklicherweise hatten wir gestern noch gutes Wetter, also Sonnenschein und Wind. Heute ist Regen und Sturm.



Marta und Finnur, mein Gastbruder.



Der Ölfusá

So, das wars dann erstmal von meiner zweiten Woche hier auf der grünen Insel. Ich hoffe alle eure Fragen mit dem Bericht beantwortet zu haben. Wenn nicht, dann könnt ihr sie mir ja einfach noch stellen. Ich könnte euch noch so viel mehr erzählen, aber da weiss ich dann gar nicht mehr wo ich aufhören soll. Ausserdem ist der Bericht ja sowieso schon wieder so lange geworden, obwohl ich mir vorgenommen hatte ihn etwas kürzer zu fassen, aber ich glaube das ist gar nicht möglich.

Vielen Dank für eure lieben Gästebucheinträge! Ich freue mich über jeden einzelnen davon riesig!


   
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