13.08.2012  Ins Licht geflogen

Kaum zu glauben, jetzt bin ich schon zum sechsten Mal in Island und diesmal ist es nicht wieder ein Heimkehrerurlaub, sondern diesmal werde ich das isländische Studentenleben auschecken. Mein Flug (übrigens zum ersten Mal mit AirBerlin, sehr zu empfehlen: billig, außerordentlich freundlich und es gab sogar was zu essen an Bord) war schon das erste krasse Erlebnis. Am Düsseldorfer Flughafen habe ich noch beobachtet, wie die landenden Maschinen durch den roten Feuerball geflogen sind. Beim Start war die Sonne in Deutschland schon vollkommen untergegangen und kaum war ich über den Wolken, wurde es wieder dämmrig, als würde sie gleich wieder aufgehen. Je näher wir Richtung Norden kamen, desto heller wurde es und über Island war es kurz vor Mitternacht noch (oder schon?) taghell. Allerdings war mein Inselchen in einen wattigen Wolkenbausch gehüllt, der von unten eher grau und düster wirkte. Soviel zum Thema Mitternachtssonne...

Die Uni fängt Anfang September an, bis dahin werde ich die frische Landluft bei meiner lieben isländischen Familie auf der Farm genießen, Freunde und Verwandte treffen und ein bisschen Energie tanken, bevor ich mich in das Hauptstadtleben stürze.


21.08.2012  Kultur in der nördlichsten Hauptstadt der Welt

Am Samstag (18. August) hatte unsere hübsche Hauptstadt Geburtstag und gleichzeitig war Kulturnacht, ein riesiges Fest, das schon den ganzen Tag über die Innenstadt belebt hat. Nach dem Reykjavík-Marathon vormittags wartete ein riesiges Angebot an Ausstellungen, Konzerten, Workshops, und vieles weitere auf die vielen Besucher. Ich glaube ich habe noch nie solche Menschenmassen in Reykjavík erlebt, die sich durch die Straßen drängten und feierten. Sicherlich hat auch das gute Wetter gelockt, wir hatten nachmittags sogar 20 Grad. Es waren mindestens 100 000 Leute, die sich auf dem Arnarhóll versammelten, um das Abschlussfeuerwerk am Meer zu bestaunen (und danach die Bars und Kneipen in der Innenstadt füllten...). Wir ließen diese gigantische Stimmung auf uns wirken und genossen vor allem die vielen musikalischen Darbietungen, die auf kleinen Bühnen an gefühlt jeder zweiten Straßenecke stattfanden. Ich bin immer wieder beeindruckt, welche Kreativität in diesem doch kleinen Volk steckt, das musikalisch wie literarisch so viel Großes hervorbringt.

Kleiner Exkurs:

Der unter uns Nordischen Philologen bekannte Sigurður Nordal (1886-1974), ein einflussreicher Philologe, Professor für isländische Literatur an der Universität Islands, Dichter und später Botschafter, äußerte sich 1924 wie folgt zu diesem Thema:

[...] Es wäre nicht abwegig, die Isländer als die größte Buchnation der Welt zu bezeichnen, nicht in dem Sinn, dass sie am meisten vollkommene Werke geschaffen hätten, obwohl sie es auch darin erstaunlich weit gebracht haben, sondern weil kein anderes Volk der Literatur verhältnismäßig so viel von seinen Kräften, so viel seiner Liebe und Zuneigung gegeben und kein Volk darin so viel Freude und Stärke gefunden hat.

(Zitat übersetzt von Jürg Glauser, Quelle: Sigurður Nordal: Samhengið í íslenzkum bókmenntum)

Hier muss ich jedoch dazu sagen, dass diese pathosgeschwängerte Sprache damals absolut zeittypisch war. Denn die sprachliche Tradition wurde bewusst als eines der Hauptargumente im isländischen Unabhängigkeitskampf angeführt, der 1944 zur Entkolonialisierung Islands führte.


Wir erlebten unter anderem Russell Crowe, Sóley, Þórunn Antonía Magnúsdóttir, die färöische Sängerin Eivør Pálsdóttir, sowie die isländischen Bands Sykur und Retro Stefson, die gerade Berlin mit ihrem Talent beglücken (Patti Smith war wohl auch da, aber die haben wir verpasst).




DJ vor Reykjavíks berühmter Kaffeebar


Die Hallgrímskirkja, Reykjavíks Wahrzeichen, thront über der Innenstadt


Russel Crowe on stage im Hof der Bar11


Retro Stefson beim Konzert auf dem Arnarhóll


Flo, Astrid und ich


Reykjavíks neues Konzerthaus am Meer, die Harpa (dt. Harfe)

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