18.11.2012  Schafe, Tanz und Schnee (und vieles mehr)

Hallo, da bin ich wieder :) In letzter Zeit war ich so beschäftigt, dass ich gar nicht dazu gekommen bin, für meine Homepage zu schreiben. Dafür habe ich jetzt einiges zu erzählen und viele neue Bilder für euch ;)



Ende Oktober ist es auch bei uns endlich deutlich kälter geworden,
damit aber auch ziemlich windig,
sodass sogar die Wellen im Stadtteich eingefroren sind.


Von 31. Oktober bis 4. November war das lange ersehnte Iceland Airwaves Musikfestival. Leider wurde es von einem starken Unwetter überschattet. So hatten also nicht nur viele Bands aus den USA wegen des Hurricanes abgesagt, sondern auch viele Besucher hier in Reykjavik haben Konzerte verpasst, weil sie sich bei dem Sturm nicht aus ihren Häusern getraut haben. Am schlimmsten war es am Freitag, wir hatten im Großraum Reykjavik Windgeschwindigkeiten von bis zu 70m/s. Das hat es hier schon seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben. Im Radio wurde gewarnt, man solle möglichst nicht außer Haus gehen. Und tatsächlich wurden an dem Tag an die hundert Verletzte ins Krankenhaus eingeliefert.  Auf dem Weg zum Of Monsters and Men Konzert klebte ich auch auf einmal an einer Hauswand und die Leute hingen buchstäblich an Laternenpfosten oder kauerten sich mitten auf der Straße zusammen, um dem Wind eine möglichst geringe Angriffsfläche zu bieten. Das Gefühl ist absolut überwältigend, wenn man mit aller Kraft versucht nach vorne zu laufen oder einfach nur zu stehen und trotzdem nach hinten geweht wird... Wir sind machtlos gegen die Natur. Einige Straßen wurden abgesperrt, weil Mülltonnen oder Teile von Hausdächern durch die Luft geflogen sind.
Aber nun genug zum Unwetter. Die Konzerte waren nämlich mindestens genauso überwältigend!


Dikta


Meditation pur mit Ólafur Arnalds


Party mit Retro Stefson – bei dem eisigen Wind und minus fünf Grad muss man
eigentlich auch richtig abgehen, um zu vermeiden, dass einem sämtliche
Gliedmaßen abfrieren :)


Am krassesten war die Stimmung auf alle Fälle bei Of Monsters and Men. Außerdem habe ich gehört: Valdimar, färöische Musik mit Guðrið Hansdóttir, Lára Rúnars, 1860 und vieles mehr. Man hätte sich absolut zerreißen können, so viele gute Konzerte gab es. Für mich waren diese Tage eine geniale Gelegenheit die blühende isländische Musikszene besser kennen zu lernen. Am Samstag war ich mit ein paar Freunden beim Blue Lagoon Chill, also mit DJ in der Blauen Lagune. Das war eine Megaparty mitten im Lavafeld, in geothermal beheiztem hellblauem Heilwasser sitzend, mit einer Schlammmaske im Gesicht und einem kühlen Viking-Bier in der Hand, ein absolut einmaliges Erlebnis!

Davon und von vielen Konzerten gibt es beeindruckende Bilder bei Flo: https://www.facebook.com/trykowski.fotografie



Anfang November ist mir wieder richtig bewusst geworden, dass der Winter kommt, und vor allem, dass er sehr lange, kalt und dunkel sein kann in Island. Länger als eine Woche war es nur düster und grau und es hat so gut getan, als ich letzten Samstag zu meiner Familie nach Kirkjuferja gefahren bin und endlich mal wieder die Sonne aufging.

Was treibe ich sonst so hier? Mitte Oktober war die sogenannte „Arbeitswoche“. Wir Geisteswissenschaftler hatten also eine Woche vorlesungsfrei, um den bisher gelehrten Stoff aufzuarbeiten, Lektüren zu lesen und Aufsätze oder auch Zwischenprüfungen zu schreiben. Seitdem geht es auf einmal richtig rund: Jetzt muss ich fast jede Woche einen Essay auf Isländisch schreiben, was mir alles andere als leicht fällt (und wieder frage ich mich, warum ich ausgerechnet so eine schwierige Sprache lernen muss...) und unglaublich viel lesen. Ich verbringe also viel Zeit am Schreibtisch oder in der Unibibliothek zum Lernen.
Zusätzlich habe ich einige Wochen lang im Deutschlektorat in der Uni ausgeholfen, eine Konversationsgruppe für Deutschstudenten geleitet und einzelnen Studenten beim Schreiben deutscher Texte geholfen oder ihnen Grammatik erklärt. Das ist gar nicht so einfach, wie man sich das im ersten Moment vorstellt, hat mir aber sehr viel Freude bereitet.


An den Wochenenden bin ich meistens auf die Farm gefahren, wo ich aber auch meistens mit Aufsatzschreiben oder Grammatik pauken beschäftigt war, abgewechselt von lustigen Abenden, die ich mit Babysitten meiner süßen Mädels und Stricken oder im Hotpot unter dem isländischen Sternenhimmel chillend verbracht habe. Die gemütlichen Abende auf dem Land genieße ich total. In Reykjavik ist unter der Woche genug los.


Megastimmung beim Konzert mit Berndsen, Er ist einfach Entertainer pur!


Valerie und ich - Jaaaa manchmal wird ordentlich gefeiert! ;)


Party hard in Downtown Reykjavík ;)


Weil es immer wieder spannend ist, im Leben was Neues auszuprobieren, bin ich im Háskóladans, dem Tanzverein der Uni. Jeden Dienstag Abend trainiere ich Lindy Hop. (Der Tanzstil kommt aus den USA aus den 30ern, gilt als der ursprüngliche Swing-Tanz und ist Vorläufer der Tänze Jive, Boogie-Woogie und des akrobatischen Rock 'n' Roll.) Macht total Spaß! :) Und zum Üben sind jeden Mittwoch Tanzabende in einer Bar in der Innenstadt, was natürlich auch eine gute Gelegenheit ist Leute kennenzulernen.

Letzten Donnerstag gab es das erste Njarðargata-Dinner, also einen internationalen Kochabend in unserer WG. Es war wunderschön, da wir es endlich mal geschafft haben, alle neun an einem Tisch zu sitzen und gemeinsam mit leckerem Essen einen netten Abend zu verbringen. 


Tristan (Frankreich) mit französischen Starters


Behnood (Iran) und Nicola (Italien)


Johannes und ich mit echten schwäbischen g'schabtn Käsespätzle :D


Alejandro (Spanien) hat Tortilla espanola und Pan com tomate für uns gezaubert.


Pauline und Therry (Frankreich) haben französische Kuchen gebacken.


Happy Birthday Jandro!


Ok, beim Spülen gab's natürlich Krieg... ;)

Ende letzter Woche hat unser Übersetzungskurs zwei lange Tage in der Uni verbracht, in denen jeder seine Übersetzung präsentiert hat. Es ging vor allem darum dem Kurs die Schwierigkeiten, die beim Übersetzen aus dem isländischen in die jeweilige Muttersprache aufgetreten sind, darzustellen. Die Präsentationen waren unglaublich spannend, da unser Kurs absolut international ist. Vor allem die kulturellen Unterschiede zwischen Island und Finnland, Vietnam, Russland, Canada und dem Rest der Welt, die natürlich auch sehr stark die Sprache beeinflussen, sind mehr als faszinierend und ich würde behaupten wir haben alle extrem viel gelernt. Unsere Dozentin hat uns fleißig mit Kuchen versorgt und so hatten die beiden Tage mehr die Atmosphäre eines intellektuellen Kaffeeklatsches, was sehr angenehm und unterhaltsam war. So sollte Uni immer sein :)


Viltu tala íslensku við mig? - Am Freitag (16. November) war der „Dagur íslenskrar tungu“, der Tag der isländischen Sprache. Leider habe ich das Symposium an der Uni verpasst, weil ich zu der Zeit ein Seminar hatte.

Abends war mal wieder eine sehr lustige Geburtstagsfeier. Da habe ich zum ersten Mal das typisch isländische Gebäck namens Ástarpungur probiert. Übersetzt heißt das soviel wie Liebeshoden. Fragt mich bitte nicht, wie man auf so einen Namen für Gebäck kommt.... :P Nach zwei geleerten Glühweintöpfen haben wir übrigens färöischen Kettentanz getanzt, sehr meditativ bzw. ekstatisch.
 
Seit drei Tagen haben wir auch endlich Schnee in Südisland. (Im Norden gibt es schon seit Oktober jede Menge Schnee und in den letzten Tagen mehrere große Lawinen. Mein Gastvater ist letzte Woche mit Spikes am LKW in die Westfjorde gefahren.) 


Meine hübschen Mädels haben einen Schneemann (und Schneehund?) gebaut.

Jetzt kommt so richtig Weihnachtsstimmung auf. In Reykjavík sind viele Bäume mit Lichterketten beleuchtet, das sieht wunderschön aus. Und auch wir haben die Lichterkette ums Haus herum repariert und eingeschaltet. 


Gestern haben wir die Schafe zusammengetrieben. Auch wenn sie unglaublich
dicke Wolle haben, dürfen sie im Winter im Stall sein.







Das ist übrigens ein typisch isländisches Gericht, slátur, das aus den Innereien und Blut von Lämmern hergestellt und in Schafsmagen gefüllt wird, die dann zugenäht und gekocht werden. Das Dunkle ist der sogenannte Blutpudding und das Hellere eine Art grobe Leberwurst. Ist sehr lecker, auch wenn es nicht so klingt. In meiner Gastfamilie wird das noch traditionell selbst hergestellt (genauso wie wir vor ein paar Wochen Pferde und Fohlen geschlachtet und das Fleisch verarbeitet haben). 


Heute sind wir schon den ganzen Tag am Backen: vier verschiedene isländische
Plätzchensorten...



 ...und das soll noch ein deutscher Christstollen werden, wenns fertig ist.
Ich bin gespannt ;)




Dann sag ich mal auf neuisländisch Bæ bæ! :)



Und einen lieben Gruß von den Schwänen im Reykjavíker Stadtteich, die ich letzte
Woche regelmäßig morgens auf dem Weg in die Uni versehentlich aufgeweckt habe.
Sie waren nicht besonders zufrieden damit.

P.S. Entschuldigt bitte meinen flapsigen Schreibstil, der kommt wohl ganz einfach
daher, dass ich so fröhlich bin, weil ich mich unglaublich wohl fühle auf meiner
geliebten Insel :)

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