14.09.2012  Oktoberfest auf dem Campus




30.09.2012 Die Universität Islands



Jetzt wird es Zeit, dass ich euch endlich ein paar Einblicke in mein neues Studentenleben gebe. Nach vier Wochen an der Háskóli Íslands ist mein Fazit eindeutig: Ich bin begeistert!! :)

Der Name University of Iceland erscheint mir irreführend, da es natürlich nicht nur eine Universität in Island gibt, sondern sieben (davon drei in Reykjavik, eine in Akureyri und die anderen irgendwo auf dem Land). Die Háskóli Íslands ist die älteste (2011 hatte sie ihr 100. Jubiläum) und mit ca. 16 000 Studenten die größte und bedeutendste.

Ich belege hier Kurse aus dem dritten Semester im Studiengang Isländisch als Zweitsprache (Morphologie, Sprachgebrauch und Zeitgenössische Literatur) sowie einen Übersetzungskurs aus dem fünften Semester. Mit nur vier Kursen erscheint mein Stundenplan zwar relativ enstpannt, allerdings sind die Seminare tatsächlich relativ arbeitsaufwändig und nicht wenig anspruchsvoll. Deshalb verbringe ich sehr viel Zeit in der Unibibliothek oder zu Hause am Schreibtisch. Faszinierend ist, dass viele meiner Kommilitonen erst seit einem Jahr Isländisch lernen, und obwohl wir alle Ausländer sind, sprechen wir fast ausschließlich Isländisch miteinander und lernen sehr viel voneinander. Das Studium hier macht mir richtig Spaß, weil ich so viel Neues lerne und es natürlich sehr effektiv ist, die Sprache vor Ort zu lernen. Durch die direkte Anwendung konnte ich schnell Fortschritte beobachten. 

Meine persönliche Meinung ist, dass das Studium hier etwas entspannter abläuft als ich es von Deutschland kenne. Ich muss sicher nicht weniger arbeiten, ganz im Gegenteil: Es wird mehr eigenständige Arbeit und Initiative erwartet, das bedeutet aber auch, dass der Dozent nicht vorne steht und seine vorgefertigte Interpretation, die er seit Jahren lehrt, herunterleiert. Ich empfinde die Seminare als sehr kommunikativ und aktiv, neue Ideen von Studenten sind willkommen und wir führen Diskussionen in Gruppen, bekommen praktische Hausaufgaben, wie z.B. eine Befragung von Isländern verschiedenen Alters zum Plural eines bestimmten Wortes, um zu sehen, wie sich der alltägliche Sprachgebrauch verändert, und vieles mehr. Ein Kurs besteht normalerweise aus einer Doppelstunde von je zweimal 40 Minuten mit einer zehnminütigen Kaffeepause (Isländische Studenten sind extrem kaffeesüchtig!!). Außerdem gibt es keine Aufsplittung in Einführungskurse, Proseminare, Hauptseminare etc. und man bekommt auf die Kurse fünf oder sogar zehn ECTS Punkte (Kurse mit zwei oder drei Punkten gibt es hier soweit ich weiß gar nicht). Das heißt, man belegt insgesamt weniger Kurse, arbeitet dafür jedoch intensiver und lernt wahrscheinlich auch mehr. 

Als sehr angenehm empfinde ich die geringe Distanz zwischen Studenten und Dozenten oder Professoren. Die typisch skandinavische Eigenart jeden zu duzen, egal welchen Titel er trägt, sorgt für ein lockeres Miteinander im Studiumsalltag und es fällt leichter auf einen Dozenten zuzugehen, um Fragen zu stellen oder einfach ein Pläuschchen zu halten :) Und obwohl die Kurse nicht unbedingt kleiner sind, gehen auch die Dozenten und Professoren häufig auf die Studenten zu, schicken beispielsweise Mails mit Vorschlägen für ein Aufsatzthema und bemühen sich darum aktiv im Kontakt mit dem Einzelnen zu bleiben.Hier ist nichts von der Arroganz so manch eines deutschen Herrn Doktor Doktor Professor zu spüren. 

Ich bin auf jeden Fall sehr froh darüber, dass ich dieses Semester hier in Reykjavik verbringen kann und die Chance habe so intensiv Isländisch zu lernen, und das noch dazu – wenn ich das offen sagen darf - in einem menschenwürdigeren Bildungssystem, als ich es bisher erlebt habe. Ich möchte allerdings betonen, dass das meine persönliche Ansicht ist, ich lasse gerne mit mir reden :)



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